Autorotation

  • Hallo Zusammen,


    kann mir jemand sagen, wie groß zirka die vertikale Geschwindigkeit in m/s bei der Autorotation ist?


    Ich nehme mal an, dass die Autorotationsgeschwindigkeit unterhalb von 9,81 m/s liegt oder irre ich?


    Vielen Dank für Eure Hilfe!


    Viele Grüße


    Matthias

  • Die vertikale Sinkgeschwindigkeit eines Rotors in Autorotation kann man nach folgender Formel berechnen:


    679 * Wurzel(Gewicht / Rotorkreisfläche) = Sinkgeschwindigkeit in Fuß pro Minute.


    Für ein Gewicht von 450 kg und einen Rotordurchmesser von 8,4 m (Rotorkreisfläche = 55,4 m2) ergibt das 1935 fpm.


    Wenn du das in der Luft probierst, siehst du meistens kleinere Sinkgeschwindigkeiten. Das kommt daher, dass schon eine ganz geringe Vorwärtsgeschwindigkeit die Sinkgeschwindigkeit deutlich verringert.


    -- Chris.

  • Zitat von "mafli"

    @flyover: Erdschwerebeschleunigung wird allgemein mit g = 9,81 m/s² angegeben


    Chris: Vielen Dank für die Info! Es hat offensichtlich seinen Grund, warum Du im Air & Space 18A fliegen durftest. Hail to the king! :-)


    Ich erröte zwar anstandshalber ob dieser Wertschätzung, muss aber zugeben, dass das wohl nichts mit meinem Flug im 18A zu tun hatte.


    Was die Sinkgeschwindigkeit bei kleinen Fahrten angeht, ist es am besten du probierst das einfach aus. Denn was der eine unter "klein" versteht, mag für den anderen schon "groß" sein.


    Liebe Grüße, -- Chris.

  • Also ob 9,81 oder 9,82 m/s2 sollte hier nicht so wichtig sein.


    Die Eingangsfrage war, wie groß die Sinkgeschwindigkeit in m/sec ist?


    Wie detaillierte Inputs in vorherigen Beiträgen bestätigen, sind hier neben der Grundformel noch manch weitere Faktoren im Spiel.


    Wer solch eine Frage stellt, kann diese ganz einfach selber bestimmen.


    Geh auf 5000 fuß, schalte den Motor aus und beobachte, was passiert.
    Mit deinem Flieger, mit deiner momentanen Konfiguration.


    Je nach Gewicht, Modell, Wind, Temperatur erhält man entsprechende
    Werte, die man keinesfalls verallgemeinern kann.



    Wir verunsichern Schüler und neue Interessenten, denn die müßten glauben, daß wir mit Formelbuch und Rechner während des Fluges hier Berechnungen anstellen.


    Wer mit dieser Einstellung Spaß am Fliegen haben will, ist in einem
    Simulator besser aufgehoben.


    Fliegen geschieht mit Sehen, Hören, Einschätzen, Wahrnehmen, Einfühlungsvermögen, trainieren und umsetzen.


    Eine ähnliche Frage hat ich schon mal erlebt beim Solo-Guitarrenspiel eines Pink Floyd-Stückes:
    Da fragte doch tatsächlich jemand, wieweit man die Saite mit dem Finger in Millimeter paralell zum Bund verschieben muß und mit welcher Anpresskraft, damit der Ton erzeugt wird.


    Auch hier gibt es keine Formel, sondern Üben bis die Finger bluten und der gewünschte Ton (ansteigend, übergangslos passend, klar und deutlich) an das Original herankommt.


    Genauso ist es beim Fliegen, dem Einen gelingt es und dem Anderen nicht. (Warum auch immer)


    Weiteres Beispiel:
    Wieviel Millimeter kann ich den Gasdrehgriff bei meiner "Honda" aufdrehen, um bei Schräglage von X-Grad die Kurvenkombination der 3. Kurve am Stilfser Joch (bergauf) optimal innerhalb der
    vorgegebenen Fahrspur zu durchfahren?


    Antwort: Herantasten, üben, wiederholen..... dann entwickelt sich das Erfolgserlebnis.


    9,81 oder 9,82 m/sec ist hier nicht entscheidend.


    LG Konrad

  • Hallo Konrad,


    fliegen kann jemanden auf den unterschiedlichsten Ebenen ansprechen. Mir selbst bereitet es Vergnügen, einfach möglichst "smooth", sicher und perfekt zu fliegen -- ich freue mich also an der Fertigkeit des Fliegens. Außerdem freue ich mich an der Ästhetik der Landchaft und Natur um mich herium. Und dann freut es mich noch, den ganzen Prozess auf einer intellektuellen Ebene, eben jener der Aerodynamik und Physik nachzuvollziehen und zu verstehen.


    Bei Wein geht es mir auch so: ich genieße Wein viel intensiver, wenn ich auch etwas über die Kellerwirtschaft und Önologie weiß.


    LG, -- Chris.

  • Hi Chris,


    eine gute Antwort!


    Was ich ergänzen wollte, daß das Fliegen nicht in Kommastellen und
    Formeln (Wurzeln aus 679... usw) alleine zu ergründen ist.
    Ich kannte einige sehr sachkundige Menschen, die theoretisch Alles beherrschten, quasi ein "wandelndes Tragschrauber-Lehrbuch" darstellten.
    Flog man denen in gebührenden Abstand hinterher, war es besser im Landeanflug nochmal weit auszuholen, da weder die Platzrunde (in Verlauf und Höhe)sauber eingehalten wurde, und selbst bei mäßigen Seitenwind
    abenteuerliche Landemanöver zu sehen waren/sind.
    Bei einer möglichen Nachbesprechung kommen dann die ungeahntesten
    Argumente ins Spiel (Wind drehte sich, Motorleistung variierte, unerwartete Windböe trat auf, Wirbelschleppen eines vorangegangenen
    Starts waren unvorhersehbar, fühlte sich bedrängt durch nachfolgendes, schnelles Flugzeug und vieles mehr)
    Das ganze Wissen über "Kommastellen" (9,81 oder 9,82m/sec) ist hier
    hier in der Priorität so weit hinten angesiedelt, da es in der Wirklichkeit keine Rolle spielt.
    Die Aerodynamik und Physik, wissend und verstehend, setze ich auch voraus, sonst mußt du alles empirisch für dich selber erarbeiten.
    Allein diese Kenntnisse sind jedoch nicht genug, sonst wären gute Aerodynamiker und Physiker die besten Piloten!


    Kannst du mir Beispiele nennen?


    Die Umsetzung aller Theorie und eigener Erfahrung bringt den gewünschten Erfolg.
    Und selbst dann kann dir manchmal eine " weniger" weiche Landung passieren.


    Ich kann Dir folgendes Beispiel (leider wieder aus meiner Musikwelt) nennen:
    Paul McCartney hat wohl die meisten Lieder (Songs, Evergreens, Klassiker) geschrieben und verkauft.
    Interessanterweise kann er keine Noten lesen oder aufschreiben.
    Er macht dies aus dem guten Gefühl für Harmonien und der einmaligen
    Begabung, den Zeitgeist zu treffen...und er tut es bis heute auf seinen stets ausverkauften Konzerten.
    Um diese Ideen festzuhalten und für die Mitmusiker zu dokumentieren,
    ließ er sich eine Computer-Anlage entwickeln, die Tonfolgen, Sequenzen und ganze Lieder durch Live-Einspielung auf Notenblätter
    druckt.
    Es führen viele Wege zum Ziel.


    Genauso verhält es sich beim Weinbauer/Winzer.
    Ist hier der Chemiker mit dem besten Labor erfolgreich, oder der,der aus Überlieferung, Sachkunde, Gespür einer Leidenschaft und Berufung
    nachgeht?
    In Zeiten von Aldi & Co ist es kaufmännisch und marketingmäßig der Erste.
    Ich tendiere zum Letzterem. (was wir in Ungarn gerne vertiefen...)


    LG Konrad ;)

  • Oh, Chris ! Wenn Du tatsächlich etwas über die Einzelheiten der PRAKTISCHEN und GELEBTEN Önologie wüsstest (abseits von Märchenstunden bei "Weinseminaren") würdest Du Dir Weintrinken ziemlich flott abgewöhnen ........... Als Bewohner eines Weinbaugebietes sehe ich jahraus jahrein wie die Chemiebomben Trauben, Grund und Boden und Insekten verseuchen und wie dann bei der Ernte mit riesigen Maschinen die Trauben samt klebender Spritzgifte ineffizient geerntet und in den "edlen" Pestizid-Traubensaft verwandelt werden, der ob seiner Vergärung zu Alkohol diese Gifte konzentriert und für den Säugetierkörper des Menschen noch verfügbarer macht ;( ;( ;( ;( ................ alles gedeckt durch behördliche "Verordnungen" "zulässiger" Giftgrenzwerte (als ob die Biologie per Verordnung zur Ungefährlichkeit von Giftstoffen gezwungen werden könnte ......... :D :D :D :D )

  • Was ich sagen will, ist natürlich NICHT, dass theoretisches Wissen praktisches Wissen ersetzen kann. Ich meine vielmehr, dass sich theoretisches und praktisches Wissen ergänzen und gegenseitig in Richtung Erkenntins auf einem profunderen Niveau beeinflusst. Deswegen halte ich die Argumente der reinen Theoretiker sowie der reinen Praktiker für zu kurz gegriffen.


    Ich habe Musik studiert (Kapellleiter und Jazzsaxophon) und kann auch Noten lesen. Es gibt natürlich auch exzellente Musiker (die Mehrzahl, eigentlich) die neben dem Instrument auch die Theorie beherrschen (Johann Sebastian Bach, Mozart und derentgleichen, Friedrich Gulda, Joe Zawinul, etc., etc.) Theoretisches Wissen sollte praktischem Können nicht im Wege stehen und vice versa.


    Zitat von "troed"

    Oh, Chris ! Wenn Du tatsächlich etwas über die Einzelheiten der PRAKTISCHEN und GELEBTEN Önologie wüsstest (abseits von Märchenstunden bei "Weinseminaren") würdest Du Dir Weintrinken ziemlich flott abgewöhnen...


    Ich wohne, wie du weißt, in der selben Weinbauregion wie du und weiß auch ein bisschen über die Gepflogenheiten Bescheid. Dazu habe ich regelmäßigen Kontakt mit etlichen Weinbauern (Bio und konventionelle). Außerdem kenne ich die Leiterin des Bundesamtes für Weinbau in Eisenstadt recht gut. Die Situation ist differenziert zu betrachten; man kann sie nicht mit Pauschalstatements über einen Kamm scheren. Aber das ist, glaube ich, nicht eine Diskussion, die wir hier führen sollten. Vielleicht eher bei einem Achterl...


    -- Chris.

  • Hi!


    Abseits der philosophischen Aspekte dieses Threads zu Wein, (Weib fehlt!) und Gesang/Musik, die ich ebenfalls in einer Woche vor Ort bei einem Glaserl (oder Kaffeetscherl) zu vertiefen hoffe:


    Aussie: was verstehst du unter "dynamischer Autorotation"? Das Gegenteil dazu wäre vermutlich die "statische Autorotation", und dazu kann ich mir nun gar nichts mehr vorstellen!


    Meintest du Autorotation mit einer Vorwärtskomponente?


    Servus, Holger

    "Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

    Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

  • Ich muss mal ganz kurz was anmerken, auch wenn ich dabei vielleicht etwas in den Klugsch.....Modus abrutsche.
    Hier werden die Zahlen 9,81m/s und 9,81 m/s² etwas vermischt.
    9,81m/sec entsprechen 35 km/h. Das wäre eine sehr moderate Sinkgeschwindigkeit.
    Die Zahl 9,81m/s² ist die Erdbeschleunigung, die hat nichts mit der maximalen Abwärtsgeschwindigkeit zu tun, wenn dann nur mit der Zeit bis die erreicht ist.

    “Eine Lüge ist wie ein Schneeball; je länger man ihn wälzt, je größer wird er.”
    Martin Luther King

  • Zitat

    9,81m/sec entsprechen 35 km/h. Das wäre eine sehr moderate Sinkgeschwindigkeit.

    Einspruch!


    Ich bin bei einem Verkehrssicherheitstraining mit einem "Gurtschlitten" mit 7 km/h gegen eine Wand gekracht! Das ist bei abrupter Verzögerung alles andere als moderat!


    Wenn du vertikal mit 35 km/h auf den Boden triffst, dann wird sich dein Tragschrauber (und hoffentlich nur der und nicht auch deine Wirbelsäule!) bleibend verformen!
    Meine Landungen liegen so üblicherweise deutlich unter 0,5 m/s. Da schlägt dann auch das ELT nicht an! :D


    Servus, Holger

    "Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

    Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

  • Schlagschrauber: Ich hab das mit dem Gurtschlitten auch schon gemacht. Da gibt´s danach keine Fragen mehr zum Thema Angurten.


    Meine Hinweis sollte dahingehend sein dass relativ früh die "Geschwindigkeit" 9,81 m/s ins Spiel gebracht wurde und die dann in Relation zur Erdbeschleunigung 9,81m/s² gebracht wurde.
    Das eine hat aber mit dem anderen nix zu tun. Die Erdbeschleunigung sagt nix über die maximal erreichbare "Fallgeschwindigkeit" aus. Die Erdbeschleunigung hat nur was mit der "Beschleunigung" zu tun, wie der Name schon sagt.


    Und falls noch Fragen offen sind!es gibt eine Person die weiss alles!

    “Eine Lüge ist wie ein Schneeball; je länger man ihn wälzt, je größer wird er.”
    Martin Luther King

  • Könnte es sein, daß die Frage von Matthias, nach all dem "Kommastellen-Hickhack" immer noch nicht befriedigend beantwortet ist?


    "Wie groß (zirka) ist die vertikale Geschwindigkeit in m/s?"


    Mein Praxisvorschlag:


    Jeder, der dies wissen will und für sich die Realität dokumentieren will,
    könnte an einem Livetest mitwirken.


    Wir gehen gemeinsam mit jedem Interessenten( welcher Gyro und welche Beladung auch immer) auf mindestens 5000 fuß, im Sicherheitabstand nebeneinander in eine paralelle Reihe.
    Gemeinsam nehmen wir das Gas raus und sinken gemeinsam.
    Der jeweilige Copilot notiert die Daten.....
    Auch am Boden kann ein (mehrere) Beobachter das Schauspiel filmen.


    Wer sich für diese Möglichkeit begeistern kann, melde sich bei mir.
    Dies wäre sogar ein spannender Vergleichstest bei unserem Treffen in Ungarn.


    LG Konrad

  • Zusatz: vertikale Geschwindigkeit bei "AUTOROTATION"!


    Also Motor aus oder zumindest Leerlauf...


    Die Frage ist sehr gut und sollte für jeden Interessenten zufriedenstellend beantwortet werden.
    Dafür gibt es unser geliebtes Forum.


    LG Konrad


  • Hab heute bei einer dynamischen Autorotation eine Sinkrate von 12m/s
    mit meinem AC20 gefolgen.


    Was meinst du eigentlich mit "dynamischer Autorotation"?


    Wenn ich 560 kg als Gewicht nehme, erhalte ich lt. der o.a. Formel eine vertikale Sinkgeschwindigkeit von 2.110 Fuß/min. Du zitierst 12 m/s, also 2.360 Fuß/min. Das ist eine sehr gute Übereinstimmung zwischen einer -- stark vereinfachten -- Theorie und der viel komplexeren Praxis.


    -- Chris.