Rotorsystem ausrichten, Vibrationen beseitigen

  • Hallo Freunde,

    Vibrationen an Bord eines Gyrocopters gehören anscheinend zum Fliegen des Selbigen wie die Butter zum Brot. Allerdings habe ich schon ganz ruhige sowie auch sehr heftige Gyrocopter erlebt.


    Vibrationen auf den Grund zu gehen und sie dann zu beseitigen ist sehr vielschichtig. Da gibt es hundert Meinungen. Erfolg kann aber nicht garantiert werden. Selbst teures Vibrexfliegen führt nicht zwangsläufig zu positiven Ergebnissen.


    Das war mir immer schon suspekt; andere Branchen (Automobilbranche, Industrie...) können sehr zuverlässig Vibrationen beseitigen.


    Gestern hab ich nun etwas sehr lehrreiches erlebt.


    Autogyro beschreibt, dass zur Vermeidung von Vibrationen die Ausrichtung der Rotorblätter essentiell ist. Dazu nimmt man den Rotor ab, bockt ihn wie vorgeschrieben auf und verfährt nach ebenfalls vorgegebenem Verfahren.

    Ziel ist eine korrekte Ausrichtung beider Rotorblätter, die Bildung einer Flucht über vorgegebene Fixpunkte.

    Ein Faden wird von einer Seite eines Rotorblattes zum Gegenpunkt auf der anderen Seite des anderen Rotorblattes gespannt. Dabei muss der Faden im Idealfall genau über die Mitte des Schmiernippels der Rotorhub laufen. Weicht diese Linie mehr als 2mm vom Zentrum des Schmiernippels ab, dann gilt die Ausrichtung als fehlerhaft.


    Übrigens, Besitzer eines Rotorsystems 1 dürfen dies regelmäßig jedes Jahr machen.


    Auf der Suche nach Optimierung haben wir gestern ein Rotorsystem 2 überprüft und siehe da, ca. 4 mm Abweichung. Super, haben wir gedacht. Hier ist ja das Verbesserungspotential. Wenn dieser Rotor ausgerichtet ist, dann besteht die Hoffnung einen ruhigeren Gyrocopter zu bekommen.


    Also fleissig ran, aber Pustekuchen.....

    Beim Versuch diese Rotorblätter auszurichten haben wir dann festgestellt, dass so gut wie kein Spiel in den Verschraubungen zwischen Brücke und Blättern ist. Kein Spiel klingt im ersten Augenblick ja sehr positiv, bedeutet traurigerweise aber auch, dass die Ausrichtung bereits konstruktiv vom Hersteller fehlerhaft ist.


    Fazit: Dieser Rotor wird wohl niemals ganz optimal laufen, da die Basics schon nicht eingehalten werden.


    Also Freunde, auch wenn dieses Forum im Moment ein bisschen still geworden ist:

    Teilt doch mal eure Erfahrungen mit.


    Mich würde einfach auch mal interessieren ob und warum z. Bsp. von Rotorsystem 1 auf 2 gewechselt wurde, und vor allen Dingen, welchen Mehrwert ihr davon hattet.

    Autogyro verkauft Rotorblätter 1. und 2. Wahl. Ist die 2. dann wirklich eine gute Wahl?


    … und los geht's :)


    LG Guido

  • Ich hatte meinen mt03 (ganz frühes BJ, angeblich einer der ersten ) vor ca 8 J auch mal beim Hersteller ...weil ich Angst hatte dass er mir in der Luft zerreisst ...Er hatte nur 100 Stunden drauf ...mit 914.

    Es ist nach ca 3 Stunden vor Ort, mit einem Gerät angebaut... Testflug, Gewichte in die Blätter usw ... vielleicht 10 % besser geworden ...


    Das war dann auch einer der Gründe weswegen ich ihn wieder verkauft hatte.


    Habe bisher keinen Gyro geflogen der vibrationsfrei ist, mir hätte es schon gereicht wenn wenigstens der Stick einem nicht die Handbrechen würde, schade das man das nicht entkoppeln kann ...... weswegen ich wieder mehr auf Flächen geschwenkt bin.

  • Mein Stick ist nicht sehr auffällig was Bewegung angeht, aber achte ich bei den nächsten Flügen genauer drauf. Ich lasse den Stick eigentlich nur los wenn ich genauer überprüfen will, ob die Trimmung passt.

    Allerdings muss ich beim Funkfrequenzwechsel sehr konzentriert den Taster drücken, sonst wird's generell ein ungewollter Doppeldrücker. Deutet ja irgendwie auf Vibrationen hin.

    Gruss Torsten

  • Hallo Gyronauten, ich fliege zur Zeit einen MT 03 , Jg.2007, und finde auch dass es grosse Unterschiede gibt betreffend Vibrationen.

    Vorher hatte ich einen Magni M16 und dort war`s ruhiger, abgesehen vom vorrotieren das dort doch ziemlich Kraftaufwand braucht, gegenhalten mit dem Knie.

    Ich denke das die Kunststoffblätter bei Magni ein Grund sein könnten der besseren Laufruhe. schwerer und aerodynamischer.

    Aber auch eine DTA Gyro ist bei den paar malen die ich damit geflogen bin ruhiger gewesen als mein " Oldtimer " .

    Nicht`s desto trotz , solange die Blätter nicht wegfliegen machts dennoch Spass...

    Die Vibrationen sind vermutlich eine Ansammlung verschiedener Makel, Gründe etc. die sich kumulieren , daher wohl schwierig alles weg zu bringen.

    Einen Guten Wochenstart wünscht Peter

  • Hallo Freunde,

    Die Vibrationen sind vermutlich eine Ansammlung verschiedener Makel, Gründe etc. die sich kumulieren , daher wohl schwierig alles weg zu bringen.

    Recht hat er. :)

    Und ich vermute mittlerweile dass es Glückssache ist einen ruhigen Gyrocopter ab Werk zu erhalten.


    Schon während der Fertigung schleichen sich Abweichungen ein, die zu einem schlechten Endergebnis führen. Im Laufe des Gyrocopterlebens führen diese dann (aufgrund der erhöhten Belastungen) zu weiteren Intolleranzen. Wenn schon die Basis nicht korrekt ist (siehe das Beispiel unseres inspizierten Rotors), dann kann auch im Nachgang keine grundsätzliche Besserung bzw. Beseitigung erfolgen.


    "Green" hat dazu einen sehr anschaulichen Bericht in diesem Forum erstellt. Selbst unter Einsatz modernster Messtechnik und Erfahrung wurde nur ein marginal geändertes Ergebnis erzielt. Möchte nicht wissen, was das gekostet hat. Gewünscht war sicherlich ein optimaleres Ergebnis, ansonsten war es m.E. den Aufwand nicht wert.


    Schade eigentlich.


    Autogyro lernt ja nun auch; wie man an der neuen Generation des MTOSport sehen kann. In diesen "neuen" Gyrocopter sind so viele "Erfahrungen" eingeflossen, so dass dieser tatsächlich ausgereifter ist.

    Probleme oben genannter Art sind mir noch nicht zu Ohren gekommen.


    Oder...…..????


    Was mich nun stört:

    Das Problem der Vibrationen ist vorhanden und man findet niemanden, der ein klares Rezept zur Beseitigung hat. Gerne wird natürlich alles ausprobiert (koste es, was es wolle). Ergebnis offen. Die Summe der Gründe, warum Erfolg ausbleibt, ist schier unendlich und das soll man, natürlich nach Einwurf einer Menge grüner Scheine, so akzeptieren.


    Schade eigentlich.


    Kleine Anekdote dazu:

    Mein erstes Motorrad hat ordentliches Lenkerschütteln gehabt. Was hat der Händler nicht alles versucht dieses zu beseitigen. Reifendruck, Auswuchten, neuer Voderreifen, Lenkungsdämpfer...

    Am Ende schickte Kawasaki einen Ingenieur. Der hat den Rahmen vermessen und siehe da: Rahmen schief! Fertigungstoleranz überschritten. Mit neuem Rahmen: alles Tip Top.


    Was ich damit sagen möchte: Viel ausprobieren unter enormem Einsatz, nicht nur finanzieller Art, bringt nicht viel, wenn die Basis schon schief ist.

    Lieber wäre mir eine kompetente Auskunft, gerne auch vom Hersteller, ein vertraulicher Umgang; aber dann auch "Butter bei die Fische".

    Das kann ich akzeptieren.


    LG Guido

  • Moin,

    bei meinem vorherigen MTO 2010 wechselte ich von RS I auf RS II und der Unterschied war gigantisch,v.a. in der Laufruhe.

    Beim jetzigen ist Festhalten eher angesagt.

    Wie schon beschrieben, es ist das Gesamtsystem.

    Inwieweit die Abweichung von 4 mm sich bei dir auswirkt, kann ich nicht sagen, denn es wird ja das Gesamtsystem eingemessen (also z.B. die Distanzscheiben am Kopf und die Unterlegscheiben in den Blättern). Die starke Abweichung verwundert mich, v.a. dass es scheinends noch nie auffiel (aber da ich meinen gelegentlich auf dem Anhänger transportiere, erfolgt bei mir der Test häufiger). Gab es mal einen Kontakt und der Rotor ist vielleicht etwas verformt (wobei das auch ein Wirkung auf die Bohrungen gehabt haben sollte)?

    Die Frage ist, was passieren würde wenn ihr diese Distanz kompensiert, ich denke, es wäre eine größere Änderung. oder aber: gab es mal einen Kontakt und der Rotor ist vielleicht verformt? Man darf nie vergessen, wir fliegen in einem System mit zwei Kreiseln und einem Motor: Ruhe bedeutet viele Euronen.


    Was bei mir im Alltag immer wieder einen merkbaren Unterschied macht:

    - vernünftig gefettet

    - die Buchsen für den Teeterbolzen erneuert, ggfs. selbigen getauscht

    - saubere Blätter (ich bin ein Fan davon, die Blätter mit Autowachs zu versiegeln, macht vieles leichter)


    Aber eines muss auch klar sein: die Technik gibt es in den seltensten Fällen her, einen völlig ruhigen Stick zu kriegen. Zumal die Optimierung immer für einen Geschwindigkeitsbereich ist und jeder Schlag durch Rangierfehler das gesamte System verändert.


    Es ist ja ähnlich wie beim Propeller: man sucht sich die Teile zusammen, die einigermaßen passen und versucht mit ein paar Verstellschrauben ein akzeptables System zu "bauen".


    Gruß

    Arwed

  • Hallo Arwed,


    genau wie ich schon vermutete. Es scheint reine Glückssache zu sein.

    Die Kette der Dinge die stimmen müssen ist unendlich lang, und immer gibt es den Hinweis auf den nächsten Fehlerpunkt, sprich: Was wir jetzt gefunden haben bedeutet noch lange nicht, dass nach Behebung alles gut ist. Und so weiter. Das kann man so lange weiterführen, bis man dann letztendlich einen neuen kauft, der dann funktioniert (hoffentlich).


    Besagter Rotor meines Fliegerkollegen hat definitiv keine schlechte Behandlung erfahren. Auch die Basics (fetten, putzen, neue Buchsen, Bolzen wechseln und, und, und...) wurden regelmäßig gemacht. Hat aber keinen spürbaren Unterschied zur Folge.


    Ich freu mich über deine sehr positive Erfahrung beim Wechsel des Rotors deines Vorgängergyros. Wenn ich eine Garantie auf solch eine Verbesserung hätte, dann würde ich jetzt auch den Austausch meines Rotors erwägen. Ich selbst fliege ein RS 1 Sport und habe ebenfalls Vibrationen an Bord, wie ich sie von keinem anderen Gyro bisher kennen gelernt habe. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass jemand mit einem "Kochrezept" kommt und sagt: Erstens, zweitens, drittens und gut ist. Aber da gibt es niemanden. Am Ende liegt es immer (aber ohne Gewähr) an den Sachen, die man noch nicht gemacht hat. Kann eine endlose Geschichte werden.


    Ich kann mir vorstellen, dass Du über das Verhalten deines neuen Gyros nicht ganz so zufrieden bist. Vor allen Dingen, da Du ja schon die äußerst positiven Erfahrungen mit dem alten Gyro gemacht hast. Sind die Vibrationen so, dass Du über Optimierungen nachdenkst? Wie würdest Du die Sache angehen?


    Ach ja. Ist schon so`n Ding, und trotzdem ist Gyrofliegen die schönste Sache der Welt (trotz Zähneklappern wie bei mir...:hey:)


    LG Guido