Rotordrehzahlanzeige

  • Ich vermute als 300 h + Flieger sollte man eine solche Frage nicht stellen,... aber lieber Unsicherheit preisgeben, als durch technische Probleme hart aufschlagen.

    Kann mir jemand beruhigend zureden bzw. meine Panik komplett machen?

    Mein Anzeigeinstrument bei meinem ELA07 tänzelt bei der Rotordrehzahl ca. 310/320 im Flug (100km/h), d.h. er ist schon im roten Bereich.

    Im Sonderfall senkrechter Sinkflug ist die Gewichtskraft Fg=m x g. Der Rotor muss die gleiche Gewichtskraft Fr aufbringen damit der Schrauber moderat sinkt. Nehme ich den ELA mit Leergewicht und 30 l Kraftstoff inkl. meiner 84kg komme ich da auf nr= 310 Umdr./min (Rotordrehzahl). Aber das er mir auch im Vorwärtsflug den gleichen Wert anzeigt kann ich mir gerade nicht erklären. Um die 340 Umdr./min würde ich eigentlich viel lieber auf der Anzeige sehen. Leider finde ich gerade mein Nachschlagewerk nicht um mich hier zumindest rechnerisch wieder auf belastbaren Grund zu bewegen. Suche ich mal am Wochenende.


    Bis dahin: Ich denke das die Anzeige einfach nicht stimmt. Also Sensor und Display überprüfen lassen.


    Falls jemand noch sachdienliches Tragschrauberwissen abrufbereit einstreuen kann, gern her damit.


    Gruß Torsten

  • Hallo Torsten,

    ja - Du hast recht. Das Forum ist seit der "Neuauferstehung" praktisch gar nicht mehr besucht :(
    Warum Du keine Antwort bekommst liegt zusätzlich aber wahrscheinlich auch daran, dass die ELA's in D fast so eine seltene Spezies sind wie Dein Username :grin:


    Ich hab keine Ahnung, welches die normale Drehzahl eines ELA sein soll. Ich kann Dir nur sagen, dass sowohl mein MT03 (der ja weitgehend dem alten ELA entspricht), als auch mein Cavalon mit deutlich höherer Drehzahl unterwegs sind (beide 8,40m Rotor V2). Bei mir liegen die Drehzahlen, je nach Beladung, zwischen 360 und 390/400 UPM (angezeigte Werte der Bordinstrumente...!). Bei beiden Typen übrigens relativ identisch.
    Hoffe, das hilft Dir wenigstens ein bisschen bei Deinen Überlegungen.
    Gruß
    Wolfgang

  • Moin Wolfgang,

    ja die Gyroscene ist im Koma. Da wollen wir mal hoffen, dass sie aus der Versenkung wieder auftaucht.


    Dickes Danke für deine Info. Bin gestern gerade wieder von einem Wochenendflug nach Rendsburg zurück und hatte während der Flüge die Drehzahl schwer unter Beobachtung. Über 340 Umdr./min waren da nie zu sehen, aber soweit ich die Physik verstehe wird immer dafür gesorgt, dass die nötige Drehzahl für den Auftrieb vorhanden ist, daher bin ich relativ "entspannt".

    Bin ja auch mittlerweile mit dem ELA schon fast 100h unterwegs und er hat mich immer sehr zuverlässig an Ziel gebracht.

    Ich hatte meine Ausbildung hauptsächlich mit dem MTO Sport gemacht, da hatte ich nie so wirklich auf die Rotordrehzahl geachtet, daher sind deine Vergleichswerte für mich sehr interessant. Da grabe ich beizeiten mal tiefer, um den Grund für die Unterschiede zu verstehen.

    Werde auch mal bei den Spaniern deren Drehzahlen anfragen.


    Viel Spaß bei dem Wetter mit deinem Autogyros. Das nenn ich Luxus, ich muss mir meinen Schrauber vom Mund absparen und du fliegst gleich 2. :)8)

    Gruß Torsten

  • Ist korrekt. Bei uns im südlichen Niedersachsen waren heute alle 3 am Flugplatz aktiv.

    Ich hatte heute mit 90kg Passagier die 360 UPM geschafft, war irgendwie beruhigend das die Physik noch die Erwartungen erfüllt. :hey:

    Jetzt ist meine Welt wieder i.O.

    Mir fehlt's halt an der gewichtigen Persönlichkeit.

    Schönes Rest Wochenende

    Torsten

  • Hallo Thorsten , ich kann Dir auch sagen dass bei meinem MT 03 , Jg.2007 meistens um die 340 - 370 Rotorumdrehungen anliegen, was einfach zu vermeiden ist im Flug sind Drehzahlen unter 280 , hat man mir eingeflösst.

    Also bist Du da sicher in einem guten Bereich mit dem ELA.

    Viel Spass Peter

  • Moin,

    bei meinem MTOSport 2010 mit RSII "Standard" (die roten Kappen) stellt sich je nach Ladezustand und Fluglage auch eine Rotordrehzahl zwischen 360 und 390 Umdrehungen nach der Anzeige ein. Ich habe ehrlich gesagt nie überprüft, ob die Anzeige korrekt ist, aber ich denke das im Groben unerheblich ist.

    Ich würde sagen, dass v.a. die Masse/Länge (oder Trägheitsmoment) des Rotors maßgeblich für Vergleiche ist. Beim MTO 2010 wäre das somit Rotorsystem II Standard, Sport oder Topp, etc.

    Solange die Werte aber plausibel (schwerer, höhere Drehzahl) sind und konstant sind, sollte alles im Lot sein


    LG

    Arwed

  • Lieber Torsten,

    hier noch meine :twocents: zu deinem Problem mit der Rotordrehzahlanzeige.


    Wenn ich auf eine Anzeige im Cockpit eines Gyrocopters verzichten müsste, dann wäre es die Rotordrehzahlanzeige.


    Begründung:

    Tragschrauber der frühen Generation (Bensen etc.) hatten gar keine Rotordrehzahlanzeige und auch keinen Prerotator, da wurde der Rotor noch per Hand auf „angeworfen“ und dann mit vorsichtigem Beschleunigen die Drehzahl bis zur Abhebegeschwindigkeit aufgebaut.


    Nun haben wir es jetzt ein bisschen leichter mit unseren Prerotatoren, die Physik und das Grundprinzip der Zweiblattrotoren an Tragschraubern ist jedoch immer noch das Gleiche. Da ich weiß, dass sich bei meinem Calidus bei einer Motordrehzahl von 3.600 RPM eine Rotordrehzahl von 200 RPM einstellt, bräuchte ich die Anzeige auch nicht zwingend für eine sicheren Start mit Vollgasfestigkeit des Rotors (Blade-Flapping Gefahr).

    Da sich im Fluge ein Gleichgewicht der Kräfte einstellt, welches ich bei Manövern innerhalb des vom Hersteller vorgegebenen Flight Envelope nicht in kritische Bereiche bringen kann, interessiert mich die Rotordrehzahl in dieser Flugphase nur äußerst peripher.


    Die Drehzahl variiert im Fluge abhängig von diversen Parametern wie Gesamtgewicht, anströmender Luft (Böigkeit), Fallwinde im Lee von Bergen, Anstieg des Lastvielfachen bei engen Kurven etc. und führt mit ein wenig Verzögerung zu einem ansteigen oder abfallen der Rotordrehzahl, was wiederum zu mehr oder weniger starkem Steigen oder Sinken führt. Das ist genau DAS, was das Flugverhalten des Tragschraubers im Gegensatz zum Flächenflieger so herrlich angenehm macht ;-)


    Verlässt man jedoch den zugelassenen Flight Envelope, dann kann das katastrophale Folgen haben, dann rettet dich aber auch nicht mehr die Rotordrehzahlanzeige.


    Da ich nur Fluglehrer und weder Physiker, Konstrukteur oder R.W. bin, hier der Link zu einer Studie der DLR zum Thema Flugdynamik im Seitengleitflug https://elib.dlr.de/88528/ . Im Kapitel 2 sind die grundsätzlichen Zusammenhänge m.M.n. noch einmal gut verständlich erklärt.


    Beim Hubschrauber verhält sich das etwas anders, da ich hier für die Autorotation den kollektiven Blattverstellhebel (und damit den Einstellwinkel der Rotorblätter) zügig in die richtige Position bringen muss um möglichst schnell die geeignete Drehzahl für das Manöver zu erreichen. Dafür ist eine Rotordrehzahlanzeige unerlässlich. Dies bleibt uns beim Tragschrauber erspart, weil hier der Einstellwinkel (zum Glück) fest vorgegeben ist und wir ja nun mal ständig autorotieren.


    Also, damit ich jetzt nicht falsch verstanden werde, eine Rotordrehzahlanzeige ist auch beim Tragschrauber nicht ganz unwichtig, m.A.n. allerdings nur für die Blade-Flapping kritischen Bereiche unter 200 RPM beim Start und nach der Landung.


    Ich hoffe ich konnte deine Bedenken damit etwas relativieren.


    Manchmal tut es vielleicht gut etwas mehr mit dem Hintern als mit dem Kopf zu fliegen, das schafft Freiraum für andere wichtige Dinge wie Luftraumbeobachtung, kurze Crosschecks, etc. „to be ahead of the aircraft“ und natürlich auch für das eigentliche Gefühl der Freude beim Fliegen.


    So long and always happy landings


    P.S.

    Der grüne Bereich der Rotordrehzahlanzeige bei meinem Calidus geht von 200 bis 550 RPM, der rote Strich ist bei 610 RPM!.

    Wenig beladen liegt die Drehzahl bei mir bei ~300 RPM voll beladen bei ~400 RPM.

  • So ähnlich sah ich das auch ( als nur "Pilot") immer ...daher wunderte mich hier die Frage nach rpm etwas ... ausser beim Starten habe ich ( auch in der Umschulung damals) niemals grossartig geschaut wie oft die Flügel sich drehen ... solange man mit Last am Mast hängt ...ist eh alles gut nach dem Start ....

    (solange man normale Flugzustände hat und nicht grad am Kunstflug-Üben ist ... :) )

  • Super , vielen Dank an alle für die Infos. !

    Ich fliege mittlerweile wieder entspannter, da ich mir leider die Theorie autodidaktisch vermitteln musste, bin ich nicht immer voll überzeugt, ob ich wirklich alle wesentlichen Parameter in ihrer Wichtigkeit erfasst habe.

    Daher hinterfrage ich lieber einmal mehr als einmal zu wenig.


    Speziellen Dank an Heidekopter für die Zusammenfassung des Wesentlichen , besonders auch für den Hinweis etwas mehr mit dem "Hintern" zu fliegen, das trifft meine Problematik recht genau. Auch der Wink die Flüge zu genießen, da mangelt es bei mir noch gewaltig.

    Dieses kopfgesteuerte Verhalten bei mir etwas zu reduzieren ist ein wichtiges Ziel.

    Klingt komisch, aber da muss ich tatsächlich konzentriert dran arbeiten.

    Freu mich schon auf den Moment wenn ich's endlich gelernt habe.

    :waiting: Geduld gehört bei mir einfach dazu.

    Danke

    Gruß Torsten