Fliegen bei schlechten Wetterbedingungen

  • Hallo zusammen,


    bevor meine fliegerische Erfahrung durch Anfängerfehler im Aufkeimen erstickt wird, frage ich doch lieber vorher nach Erfahrungen alter Flughasen.

    Am 03. August hatte ich einen Ausflug von Bohmte nach Bienenfarm geplant. Planerisch dürfte ich alles richtig gemacht haben, aber als ich dann um 08.00 Uhr in Bohmte (Niedersachsen) startete war das Wetter noch nicht so ganz wie vorhergesagt. Zu erwarten war, dass die aufkommende Sonneneinstrahlung die vereinzelten Nebelfelder im Laufe der nächsten Stunde auflösen würde. Als ich im Flugverlauf dann aufgrund der tiefen Wolkendecke von den schon tiefen 1500 ft auf 1000 ft herunter ging und feststellen musste, dass die Nebelfelder immer stärker wurden und die Abgrenzung zwischen Wolkendecke und Nebelfeldern mir auch langsam schwerfiel, kam ein leichtes Unwohlsein auf. Nach kurzem Überlegen, ob ich in die scheinbar immer dichter werdende Suppe fliege oder nach oben über die Wolken steige entschied ich mich für eine 180°C Kurve und machte mich nach ca. 50 km Flugstrecke auf den Heimflug.

    Ich fühlte mich zwar wie Mc Chicken :supersad:, aber trotz meiner Abschätzung, das der Flug über den Wolken zu 80% zum Ziel geführt hätte, (da lt. Wetterbericht die Bewölkung auf der Flugstrecke lockerer werden sollte) war mir die 20% Unsicherheit noch zu hoch.

    Für mich passte die Entscheidung, -dann fliege ich halt bei nächster Gelegenheit-, aber als Lerneffekt für mich nun die Frage an die Profis im Forum. Was wären meine Alternativen, bzw. wie wäre eure Entscheidung gefallen.


    PS: Vielleicht hätte es auch gereicht, dass ich einfach meine Sonnenbrille abnehme 8)

    Gruß Torsten

  • Hi, Thorsten!

    Für mein Flugverständnis alles richtig gemacht! Ich hätte mich ebend so entschieden, zumal du nie wissen kannst wie hoch die absinkende Wolkenschicht reicht und wie sich der Bewölkungsverlauf im weiteren Flug entwickeln wird. Die "Bienenfarm" läuft nicht weg und ist sicher bei deinem nächsten Versuch noch auf exakt den selben Koordinaten 8)


    Gruß Matze

  • Moin Thomas,

    kann mich nur Matze anschließen: wir wollten auch Sonntag los. Nach der Wettervorhersage alles gut. Beim Check der Meldungen von den Flugplätzen und -häfen auf der Strecke war klar, dass es zwar rechtlich ok gewesen wäre. Aber dann hätte nichts mehr schief gehen dürfen und unter der Wolkendecke um die Wolken zu kurbeln ist auch kein Spaß. Wir haben dann halt das Auto genommen. Und unterwegs wurde die Einschätzung bzgl. Fliegen bestätigt, ich wäre wahrscheinlich umgekehrt.

    Was zeigt: Wetterbericht etc. sind nur Berater, aber entscheiden muss man aus der Situation heraus selber.

    Und ich hatte mal so einen Flug: rechtlich ok, aber nicht gerade entspannend. Und eigentlich soll es ja Spaß machen, oder? Damals hab ich mir geschworen, dass ich dies nicht mehr brauche.


    Gruß

    Arwed

  • Bravo, gut gemacht!

    Wenn Alle so denken und handeln würden, hätten wir sicher einen signifikanten Rückgang im Zwischenfall-/ und Unfallgeschehen zu verzeichnen.

    Neben allen Vorschriften und Regelungen ist das persönliche Befinden m.M.n. der beste Indikator dafür, ob man sich noch im Grünen, vielleicht im Gelben, oder möglicherweise schon im Roten Bereich befindet.

    Statt zu sagen, "das wird schon gut gehen, hat ja beim letzen Mal auch hingehauen" , sich lieber einmal mehr fragen, "fühle ich mich der Situation noch gewachsen? Tut das Not?" und dann beim persönlichen Risk-Management den Grundsatz beherzigen:

    "Always a tick to the safety side".

    Wir betreiben hier Luftsport! Alles Andere sollte sich im professionellen Bereich abspielen, wo andere Anforderungen an Personal und Material gestellt werden.


    In diesem Sinne wünsche ich uns Allen einen sicheren und unfallfreien Flugbetrieb.


    Viele Grüße

  • Hallo,

    auch von mir ein "like" für Deine Disziplin.

    Aaaaber: ich muss auch Kritik üben: Allein den Gedanken in Erwägung zu ziehen, in einer solchen Situation "on the top" zu gehen, ist irrwitzig und kann, ohne IFR-Erfahrung/Cockpit mal richtig in die Hose gehen, wenn es sich unter Dir zuzieht. Du hast Dich richtig entschieden. Ein Anfänger könnte, animiert durch Deine Bemerkung, diesen Höllen-Fehler machen.

    Musste raus.

    Gruss

  • Den 300 km Lernflug nach Bienenfarm konnte ich gestern von meiner Agenda streichen. Nachdem ich wetterbedingt aus meiner Komfortzone heraus musste bin ich dann frühmorgens um 6.30Uhr gestartet und nach 140 min gelandet. Rückstart dann gegen 16.15 Uhr und mit einer erwarteten leichten Dusche in der Hannoverkontrollzone sicher wieder in Bohmte (135 min) angekommen.

    Aufgrund der schwachen Turbulenzen konnte ich nebenbei dann auch noch fliegen mit vne 160km/h üben. Und musste dabei feststellen, das ich den Zeitungsartikel über den Horten Nurflügler (280km/h) nicht hätte lesen dürfen.

    Vielleicht bekomme ich ja mal über Crowdfunding soviel Geld zusammen, das ich in die Flügelfraktion wechseln könnte. :pump:


    Danke an alle für die Rückmeldungen auf meinen Kurzthread.


    Gruß Torsten