Interessierter hat ein paar Fragen

  • Hallo an die Gemeinde,


    ich bin also der nächste, der nach Jahren der passiven Faszination für die Fliegerei nun Ernst machen will. Ich muss allerdings zugeben, dass ich erst am Anfang meiner Entwicklung stehe und von der Materie noch nicht noch nicht wirklich Ahnung habe.


    Prinzipiell bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob ich mich für die Ausbildung zum Gyro-Piloten entscheide, oder lieber für einen Flächenflieger. Grundsätzlich gibt es eine bestimmte Favorisierung meinerseits, welche auch dazu geführt hat, mich genau in diesem Forum anzumelden.


    Warum ich glaube, dass der Gyro das bessere Gerät für mich ist, ist leicht erklärt. Mir wird relativ leicht schlecht, und ich habe bei meinem einzigen Flug mit einer kleineren Maschine (8 Plätze, über den Grand Canyon) extrem kämpfen müssen, um nicht das Speibsackerl (in D wohl Kotztüte?) in Anspruch zu nehmen. Da ich relativ oft in den USA zu tun hatte, hatte ich auch das Vergnügen, 2x mit einem Helicopter über den GC zu fliegen, wo mir nie schlecht wurde. Generell habe ich Heli-Flüge immer wunderbar vertragen.


    Da ich in diversen Beiträgen auf einigen Seiten immer über die relative Unempfindlichkeit gegenüber Turbulenzen als eine der positiven Eigenschaften der Gyrocopter gelesen habe, denke ich, dass schon alleine deswegen die Tendenz Richtung Gyro-Schein geht.


    Da ich farbenfehlsichtig bin, wäre auch eine Nachtflugberechtigung für mich nicht machbar, somit wäre der Einsatzbereich zwischen Flächenflugzeug und Gyro ähnlich.


    Auch bin ich ein leidenschaftlicher Cabrio-Fahrer, und könnte ich mir daher vorstellen, dass das Gefühl in der Luft im Gyro nochmals toller ist. (Obwohl so ein Doppeldecker Für schon auch toll wäre :-) )


    Für ein Flächenflugzeug wiederum würde sprechen, dass ich in Wiener Neustadt wohne, und hier eine Flugschule wäre, die aber meines Wissens nach keine Gyro-Ausbildung anbietet.


    Schlussendlich muss ich aber auch sagen, dass die Kosten eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Hier scheint mir der Gyro ebenfalls (im Sinne von günstiger) die Nase vorne zu haben. Bei den Ausbildungskosten scheint der Unterschied nicht so gravierend zu sein. Mir geht es eher um die Kosten für die Flugstunden später (idealerweise mit einem eigenen Gerät, sehr gerne auch in einer Haltergemeinschaft mit 1-3 anderen Eignern)


    Nun daher zu meinen Fragen an die Gemeinschaft.


    Liege ich mit meiner Annahme, die Übelkeit betreffend, richtig?


    Wie sieht es mit den Kosten aus? Ist meine Annahme hier richtig? Ich weiß, was Gyros so ungefähr kosten. Diesbezüglich bietet das Netz gute Informationen. Aber wie sieht es mit den Folgekosten aus, also Kosten/Flugstunde (inkl. Versicherung, Hangar, Sprit,...)


    Danke für euren Input!


    LG


    Martin

  • Hallo Martin,
    von mir ein herzliches Willkommen in unserem Forum.
    Deine persönliche Vorstellung ist sehr umfassend, was dir bestimmt viele nützliche Beiträge liefern wird.
    Ich bin halt zufällig gerade der erste Leser/Schreiber, der dir vielleicht ein wichtiges Anliegen schon mal
    beantworten kann: Das Unwohlsein bei Turbolenzen.
    Hier bist du beim Tragschrauber wesentlich komfortabler unterwegs als bei der Fläche.
    Ich war mit vielen Fluggästen unterwegs, sowohl mit Fläche als auch mit Tragschrauber und kann aus deren
    feedback nur Positives zugunsten Letzterem bestätigen.
    Die Kostenseite werden dir mit Sicherheit einige Mitglieder/Freunde/Fluglehrer detailiert Schritt für Schritt mitteilen.
    Darüber wurde in der Vergangenheit schon viel dokumentiert, wird aber ständig wieder aktualisiert.
    Manche Kosten sind gleich (Hangar/Landegebühren.....), manche unterscheiden sich (Versicherung/Spritverbrauch/Ausbildung.......)


    Ich wünsche dir auf diesem Wege viele nützliche Informationen, um deinen richtigen Weg zu finden.


    LG Konrad

  • Hallo Martin,
    Willkommen im Forum.
    Zum Thema Speien: es ist wie beim Autofahren. Dem Fahrer (Pilot) wird nie schlecht. Nur dem Beifahrer. Und das liegt wiederum am Fahrer (Pilot).
    Mit den Kosten liegst Du m. E. falsch. Gyrofliegen ist teurer als Fläche. Aber wenn Du mich fragst: das ist es wert.
    Gruß
    Bastian

  • Ich vermute mal, wenn er Fläche sagt, meint er die Echo-Klasse. Die ist wirklich ordentlich teurer, als die UL-Fliegerei.


    Zum Unwohlsein: Ich kann mich an diverse turbulente Situationen während der Ausbildung erinnern, an denen mir im Gyro speiübel war. Als Pilot, wohlgemerkt.

  • Hi, Martin!


    Willkommen im Forum!


    Natürlich sind Menschen verschieden, aber meine Beobachtung ist die gleiche wie die von Bastian: als Pilot hatte ich noch nie Probleme mit Übelkeit, beim Mitfliegen ist es eine Sache der Tagesverfassung (sowohl der Wetterlage als auch der individuellen Anfälligkeit als auch des Geschicks des Piloten). Aber auch der Komfort zählt: nach einer Tour in einer Katana durch Südspanien hatte ich mehr als eine turbulenzbedingte Beule (Prellung) am Kopf, so extrem war das in einem Tragschrauber nie. Andererseits erlebte ich in Costa Rica auch schon mal die eine oder andere wirklich beeindruckende Windscherung. Also ganz ohne "Schüttelei" ist auch der Gyro nicht.


    Und auch bei den Kosten ist Vorsicht geboten: Meinst du mit "Fläche" UL oder Nicht-UL? Die Betriebskosten von Gyrocopter und UL-Fläche überlappen, und generelle Aussagen sind schwer zu machen, da es ja auch einen Gebraucht-Markt gibt und der sich bei den Gyros erst mit etwas Verzögerung gebildet hat. Außerdem fehlen beim Gyro billige Einsteigermodelle und das Angebot entwickelt sich zudem noch in Richtung des Hochpreis-Segments. Eher würde ich die Entscheidung zwischen Gyro und UL-Fläche an deinen späteren Einsatz-Plänen anlehnen: Aus"flüge" unter oder über ~ 300 km Distanz? Große oder kleine Flugplätze als Reiseziele? Hier ergeben sich dann eher deutlichere Einsparungspotenziale. Natürlich ist es auch schön, mit dem Gyro nach Frankreich zu reisen, aber mit der Fläche bist du einen Tag eher dort und hast eine Tasche mehr Gepäck dabei.


    Leider wurde in Österreich die erste Hype der UL-Tragschrauber behördenseitig - sagen wir mal - verpennt (oder doch boykottiert?) und so ist die Szene etwas über deiner östlichen Staatsgrenze deutlich besser entwickelt. Fahr doch einfach mal nach Fertõszentmiklós, kontaktiere die Tragschrauberflugschule dort und/oder teile PNs mit den Kollegen aus deiner Gegend (zu finden unter "Karte"). Ich denke, das sollte dir Impulse zu einer Entscheidungsfindung geben. Egal, was herauskommt: viel Spaß und Erfolg dabei!


    Um die Frage nach der Übelkeit nochmals auszuführen: ich bin ziemlich zuversichtlich, dass das als Pilot kein Problem mehr sein für dich sein wird. Mein Vorschlag: mach doch einmal einen "Schnupperflug" mit einem Fluglehrer, der dich "mitrudern" lässt, und probiere das aus.



    Servus, Holger

    "Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

    Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

  • Hallo an alle!


    Vorweg natürlich danke für die ausführlichen und lehrreichen Antworten. Das mit dem "dem Pilot wird niemals schlecht" habe ich schon mal von einem ehemaligen Schulkollegen gehört, der nach der Matura Pilot bei der AUA wurde. Beim ersten Klassentreffen hat er davon erzählt, dass sein Kapitän mit ihm als Co in Zürich landete. Er selbst hätte es sich alleine nicht zugetraut, wie er meinte. In der Passagierkabine hat anscheinend jeder speien müssen, nur die Piloten blieben verschont. :-)


    Was meine Vorstellungen bzgl. der Nutzung betrifft. Vielleicht erweist sich das alles als Blödsinn, denn was weiß man schon im Vorhinein. Aber prinzipiell geht mein Interesse in zweierlei Richtungen. Einerseits dem Genuss des Fliegens an sich, den ich immer schon, insb. bei Helikopterflügen verspürt habe, zu frönen. Insofern kann ich mir also sehr gut vorstellen, mich einfach nur aus Freude am Tun in die Luft zu begeben und Rundflüge zu machen. Hier stelle ich mir den Gyro eigentlich fast als "romantischer" vor, insb. die Cabrio-Varianten, wobei ich, für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich 2-3 Gleichgesinnte aus meiner Gegend finden sollten, eine Variante bevorzugen würde, die man sowohl offen als auch geschlossen fliegen kann. (Cavalon, oder gibt es da noch anderen Modelle?). Tendenziell würde ich auch eher dazu neigen, einmal in die Tasche zu greifen und Gelt für den Erwerb zu investieren, als jeweils zu chartern. Eine Alleineignerschaft erscheint mir aber weder als sinnvoll, noch als notwendig.


    Darüber hinaus wäre es für mich aber auch interessant, Strecken zu fliegen. Etwa Richtung Süden (kroatisch/slowenisch/italienische Adriaküste) oder speziell nach Salzburg, weil dort meine Eltern leben. (etwa 300km Entfernung für Wiener Neustadt-Salzburg). Letzteres wäre dann insofern besonders interessant (aber nicht die größte Entscheidungsvariable), wenn mind. 2 Personen mitfliegen könnten, wodurch der Gyro logischerweise für diesen Zweck ungeeignet wäre. Auch denke ich, dass man am Flughafen Salzburg (SZG) mit Gyros nicht landen darf, oder? Aus http://www.aviator.at/airport/1lows.htm bzw. den Benutzungsbedingungen des Salzburg Airports werde ich ehrlich gesagt nicht zu 100% schlau. Dort findet sich u.a.

    2.10. Besondere Luftfahrzeugtypen und Flugbetriebsarten

    2.10.1.
    Hubschrauber

    Für An- und Abflüge von Hubschraubern steht am Flughafen Salzburg die Instrumentenpiste 15/33 zur Verfügung. Für die Abstellung von Hubschraubern ist normalerweise der Ostteil der Abstellfläche bzw. der Bereich des General Aviation Center Nord vorgesehen.

    ZFBB Teil III August 2017.docx 10

    2.10.2.
    Motorsegler
    Für selbststartende Motorsegler bestehen keine Beschränkungen, sofern diese Flugbetrieb mit laufendem Motor durchführen und die für Motorflugzeuge geltenden Bestimmungen einhalten. [size=10]



    Um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher, was das genau bedeutet. So weit ich das verstanden habe, ist die Fluglizenz ein Ultraleicht-Flugschein mit spezieller Einschränkung für Tragschrauber. Aber wie sieht das mit dem Fluggerät selbst aus. Darf man damit überall landen, wo Hubschrauberladen dürfen? Oder Ultraleichtflugzeuge? Oder gibt es hier separate Zulassungen?
    Was die Kosten betrifft: Wie schon mehrfach erwähnt ist auch die Übelkeit ein Thema bei mir, welches die Entscheidungsfindung beeinflussen kann (wird?). Ein UL-Flugzeug, so denke ich, wird wahrscheinlich diesbezüglich wohl noch "schlimmer" sein, weswegen sich schon alleine deswegen wohl nur Flugzeuge in der Klasse einer Skyhawk oder so anbieten. Dem Netz entnehme ich, dass der Profi hier von Echo-Klasse spricht, oder? :) Ein Probeflug wird jedenfalls von mir vor der entgültigen Entscheidung mit beiden Geräten stattfinden.
    Diese Klasse hätte natürlich auch den Vorteil, meine Familie transportieren zu können. Ob die Kosten jedoch dafür stehen ist dann wohl eine andere Sache und müsste ggf. ohnehin durchkalkuiert werden.
    Die Idee mit Fertoeszentmiklos scheint mir gut zu sein, auch wenn ich diesen Namen wohl nie aussprechen könnte. Der Ort befindet sich nur eine Autostunde von Wiener Neustadt entfernt. Die Ausbildung dort zu machen erscheint vernünftig, vorausgesetzt, die Ausbildung ist dementsprechend gut. Ich gehe davon aus, dass die Lizenz dann in Österreich (Europa? Weltweit?) gültig ist.
    Jedenfalls vorweg noch einmal Danke für die bereits erteilten Tipps und auch dafür, falls noch jemand zusätzlich antwortet.


    LG


    Martin

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  • Hallo Martin,


    ohne Dir jetzt gleich alle Hoffnungen nehmen zu wollen, aber ich würde mir an Deiner Stelle momentan keinen Kopf über Kosten oder die Übelkeit machen. Zu aller erst würde ich mich vorab mit einem Flugmediziner unterhalten und zwar wegen Deiner Fehlsichtigkeit...
    Zumindest bei uns in D ist das Farbsehen ein Kriterium und zwar NICHT NUR für die Nachtflugberechtigung (die bei UL eh keine Rolle spielt). Ob das ein k.o. Kriterium (in A) ist weiß ich jetzt nicht, aber genau deswegen würde ich mich vorher in kompetente, fliegerärztliche Hände begeben.


    Trotzdem - viel Erfolg und viele Grüße
    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    danke für die Info. Das sollte ich wohl machen. Ich bin eigentlich bisher aufgrund von https://de.wikipedia.org/wiki/…Tauglichkeitsuntersuchung davon ausgegangen, dass mir dieses Manko keine Probleme (für meine eingeschränkten Zwecke) bereiten wird.


    Prinzipiell habe ich seit 30 Jahren den Führerschein. Auch dort bin ich ursprünglich beim Amtsarzt bei der Farbensichtigkeit durchgefallen. Ich konnte jedoch einen grünen und roten Knopf auseinander halten, somit war´s für den Amtsarzt ok. Es ist mir aber klar, dass eine Fliegertauglichkeitsuntersuchung natürlich genauer sein wird.
    Die Ampel kann ich problemlos in den Farben unterscheiden. Hält ein Polizist allerdings die Kelle raus, wird´s schwierig. Dann erkenne ich die Farbe erst in etwa 10m Entfernung.


    Ich werde mich diesbezüglich mal schlau machen. Es wäre ja zu blöd, voll angejunkt zu sein und dann nicht zu dürfen...


    LG


    Martin

  • Willkommen im Club, Martin! Ich würde mir die Flugschulen, die in Frage kommen, einmal persönlich anschauen, bevor ich mich auf eine festlege. Die in Fertöszentmiklòs ist eine Dépendance einer österreichischen Flugschule. Du erhältst also einen Tragschrauberschein, der in Österreich -- und auch international -- gültig ist.


    Viel Spaß, -- Chris.