Rangieren eines Gyrocopters

  • Welch eine Frage, das kann doch jeder.
    Bis man dann den anderen Hangarbewohnern beim üblichen Hallentetris zuschaut bzw. zu spät kam, um regulierend einzugreifen.
    Kommt bei uns öfters vor, denn der Segelflieger ganz hinten in der Ecke muß raus. Definitiv. Damit natürlich auch alles andere.
    Bei solchen Aktionen sieht es vor der Halle immer wie auf einem Ikeaparkplatz aus und danach ist lustigerweise immer weniger Platz im Hangar als vorher. ;)
    Auch der kleine Gyro, obwohl er sich doch nun wirklich sehr klein macht und unterwürfig in einer Nische verschwindet, soll mal an die frische Luft.


    Der eine packte voller Elan die Rotorfessel, der andere stürzte sich ans Leitwerk. Vereint schwenkte man den "Microflieger" auf der Stelle.
    Wer kann, der kann. 8)
    Danach wußte man auch, was gegen die Hangarwölbung geknallt war. Ach stimmt, der lange Balken über uns gehört ja noch dazu.
    Dummerweise macht der auch noch alle Bewegungen des Bootes mit und ist zudem länger.
    Macht nix, is aus Eisen......


    Ja, so gehts, und ich möchte nicht wissen, was geht, wenn man nicht dabei ist.
    Sämtliches Bemühen saubere Landungen hinzulegen wird durch eine einzige "Aufräumaktion" zunichte gemacht.
    Größere Belastung im Hangar als auf der Bahn.


    Im Wartungshandbuch zum MTOSport steht:
    Nicht am Ruder oder den äußeren Leitwerken schieben. Ein übermäßiges Schwingen der Rotorblätter ist zu vermeiden,
    da wiederholtes
    Durchbiegen letztendlich zu Ermüdung oder Beschädigung führt.


    Mein Lösungsansatz:


    Obligatorisch: Ein großes Schild, auf dem geschrieben:" Hey, wenn ihr den bewegen wollt, vorher kurz drüber nachdenken, ob überhaupt notwendig.
    Spart euch Muskelkraft und mir graue Haare."


    Klappt sporadisch.


    Ansonsten bleibt zum Rangieren lediglich der Griff zum inneren Leitwerk. Allerdings schwingt auch der Rotor seitlich, wenn die Rotorbremse sich entspannt hat.
    Festlegen mit Rotorfessel läßt immer noch genügend seitliches Spiel, eine ganz straffe Fessel ist Gift, da sie auf einen sehr großen Hebel wirkt.
    So würde mans auch kaputt kriegen.


    Bin mal gespannt, was ihr so erlebt habt, und wie ihr dem begegnet.....


    8) Guido

  • Hi, Guido!


    Irgendwie hatte ich beim Lesen deines amüsanten Beitrags den Eindruck, dass meine Hangar-Situation grundlegend besser ist als die, die du beschreibst. Doch dann fallen mir meine bislang erlebten Hangar-Problemchen ein und ich muss feststellen, dass ich im Grunde auch so meine Erfahrungen gemacht habe und deine Erlebnisse deshalb ergänzen und erweitern kann:


    Zunächst "logieren" mein Baby (GyroTec DF-02) und ich auf einem wesentlich kleineren Flugfeld. Und in meinem Hangar stehen ausser meinem Gyro nur noch zwei Tecnam P92 UL-Hochdecker (und der Rasentraktor). Die Piloten dieser zwei Maschinen wissen nach einer Art "Einweisung", wie man den DF-02 Betriebsanleitungs-konform bewegen kann, wie man die Feststell-Bremse löst/arretiert, wie man lenkt und wo man zum Schieben hingreifen darf. Wenn es mit dem Rangieren / Lenken sehr eng wird, kann man meine Maschine durch leichten Druck auf die Seitenflossen (nicht das Ruder!) mit dem Bugrad anheben und so quasi "im Stand" drehen.
    Doch die 7.45 m Rotor sind auch hier eine Herausforderung, weil man die Augen gleichzeitig vorne und hinten und oben und unten haben müsste! Deshalb: alle Bewegungen in Zeitlupe! Oder immer eine Hand dazwischen halten! Der Lerneffekt wird durch Druckschmerz und Schürfwunden verstärkt! Die empfindlichsten Punkte beim DF-02 am Boden sind wohl das Staurohr und die Antenne direkt am Bug, deshalb befestige ich gerne den Rotorsack mit einem Spanngummi am Bugrad, damit keiner versehentlich zu nahe an Antenne und Staurohr kommt.


    Angenehm ist auch, dass die Tragflächen der beiden Tecnams in einer Höhe sind, in der mein Tragschrauber nur noch etwa 30 cm breit ist (der maximale Abstand zwischen dem Mast und den Steuerstangen).


    Auch gehört mir der Platz ganz hinten links, so dass meine Maschine meist gar nicht im Weg steht. Und in diesem Jahr überwintert die Maschine zum zweiten Mal in der Luft an einem elektrischen Flaschenzug hängend, um dem Nagetierbefall Einhalt zu gebieten. Dann noch eine Erhaltungs-Spannung auf die Batterie, mit einer Zeitschaltuhr auf eine Stunde täglich begrenzt und reichlich Frostschutzmittel im Alu-Kühler: so sollte eigentlich nichts passieren können.


    Und dennoch hat es bereits einen Schadensfall im Hangar gegeben: das Höhenruder einer Tecnam P92 hat bei einem Wende-Maneuver im Hangar bedauerlicherweise einen tiefen Kratzer/Riss in meiner Seitenflosse hinterlassen. Der unglückliche "Übeltäter", dem dieses Malheur passiert war, hat sich bei mir gemeldet, der Schaden wurde vom Hersteller perfekt repariert und die Versicherung hat die Kosten erstattet: Schwamm drüber!


    Glück hatte ich in einem zweiten Fall: im Sommer stand die (mit Super E10) vollgetankte Maschine bei großer Hitze im Hangar abgestellt, ich selbst war im Urlaub, als die Hangarkollegen Samstags bei mir anriefen: der Tank war innerhalb kurzer Zeit weitgehend ausgelaufen (gute 30 Liter!), weil eine Dichtung am Wasserabscheider / Schauglas undicht geworden war! Und alle drei Flugzeuge standen in einer Benzinpfütze! Welch ein Glück, dass da ausnahmsweise kein Raucher mit brennender Zigarette unterwegs war! Meine Kollegen haben dankenswerterweise den restlichen Tankinhalt mit eine Schüttelschlauchpumpe in Kanister umgefüllt, das Benzin am Boden aufgewischt und den Hangar zwei Tage gut gelüftet. Inzwischen habe ich einen besseren Wasserabscheider und tanke kein E10 mehr, wenn es sich vermeiden lässt. Ausserdem tanke ich immer nur noch direkt vor einem Flug. Sicherheitshalber!


    Soweit meine Hangar-Erlebnisse ... ich hoffe, es war auch eine brauchbare Erkenntnis für euch dabei?


    Servus, Holger

    "Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

    Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

  • Bei mir schaut's etwas besser aus. Ich stehe in einem "Gyro only" Hangar, der zwei Reihen tief, schön nebeneinander, mit Tragschraubern gefüllt ist. Ich stehe in der hinteren Reihe; es muss also niemand meinen Gyro bewegen, um sein Gerät an die Luft zu bringen. Und ich muss maximal einen Gyro rangieren, wenn ich fliegen will. Da es zwischen Tür und vorderer Reihe noch ausreichend Platz gibt, ist das Rangieren auch relativ einfach -- selbst bei geschlossenem hangartor -- möglich. Und da die möglichen Rangierer selbst Gyropiloten sind, wissen die auch mit dem Eisentrum (=Eisenteil, auf Preussisch ;)) umzugehen und auch, wo man angreift und wie man schiebt und lenkt.


    Habe also, Gott sei Dank, ziemlich ideale Hangarverhältnisse.


    LG, -- Chris.

  • Das freut mich, dass ihr relativ sorgenfreie Verhältnisse habt. Ich übertreib auch ganz bestimmt ein bißchen mit meiner Situation.
    Ich bin sehr zufrieden mit der jetzigen Lösung, dennoch besteht immer die geschilderte Gefahr, insbesondere wenn die jüngeren Segelflugschüler anrücken.


    Gegen leichte Stösse gegen den Rotor hab ich was sehr wirkungsvolles gefunden.


    https://www.amazon.de/Rohrisolierung-Isolierschlauch-Schalldämmung-Climaflex-Abfluss/dp/B0123QZQO8/ref=sr_1_1?m=2WEJSQBEI7J2A&s=merchant-items&ie=UTF8&qid=1485366630&sr=1-1&keywords=isolierschlauch&th=1


    Dies ist Isolierschlauch aus dem Sanitärbereich und wird zur Wärme- und Geräuschdämmung von Abflußrohren eingesetzt. 10 m ca. 35,00 €. Paßt bestens als Verhüterli über den Rotor. Hat eine Dämmstärke von 9mm und ist auch noch signalrot. In anderen Abmaßen ebenfalls für den Propeller zu nutzen.


    Jetzt wirds aber haarig.


    Gegen das unbeabsichtigte seitliche Pendeln möchte ich gerne mit einer Schraubzwinge den Bremsklotz der Rotorbremse an die Scheibe pressen. Dauerhaften Bremsdruck mittels Schraubzwinge erzeugen. Einen großen Wimpel "remove before flight" drantüddeln und in die Vorflugcheckliste aufnehmen.
    Getestet hab ich das schon mal und die erwünschte Wirkung wird erzielt. Rotor bleibt in stabiler Ausrichtung, gerad so als wenn die Pneumatik noch den Bremsdruck erzeugen würde. Das ungewollte Pendeln bleibt aus und das Rangieren ist berechenbarer.


    Gibts da eventuell mir noch unbekannte Bedenken, bevor ich das mal dauerhaft einsetze?

  • Hast du dir schon einmal überlegt, ob du vielleicht statt der einen Leine, die die Rotorkappe am Bug befestigt vielleicht zwei Leinen nimmst, die du jeweils außen an den Rädern (Achsenmuttern evt. Radverkleidung) des Hauptfahrwerkes abspannst. Dann sollte ein Pendeln des Rotors auch weitestgehend unterbleiben.


    -- Chris.

  • Hallo Chris,


    auch eine gute Idee.
    Ich hab nur immer Höllenrespekt vor diesen großen Hebeln. Wenn die Schraubzwinge sitzt, dann ist Ende mit radialer Bewegung.
    Die Fessel verhindert dann noch das vertikale Wippen und Ruhe ist.
    Schaun mer mal...


    ;) Guido

  • Also ich hab das Problem einfach so gelöst, dass mein ArrowCopter in seinem Transportanhänger im Hangar stehen darf und somit komplett unter Verschluss ist, da kommt auch kein Nager rein.


    Die eingebaute, fernsteuerbare Winde macht das Verladen auch zum Kinderspiel.


    Da der Hänger nur um wenige Zentimeter größer ist als die Aussenmaße des AC20 kostet es auch keine extra Standgebühr und der Hänger steht trocken und sauber in der Halle mit direktem Stromanschluss...


    Zum Rangieren ausserhalb des Hängers habe ich mir einen speziellen Trolly angeschafft, der es mir erlaubt den AC20 ohne fremde Hilfe mit guter Übersicht in alle Richtungen zu manövrieren und auch selbst auf der Stelle zu drehen.
    Da der AC20 nicht am hinteren Leitwerk geschoben werden soll und auch das Vorderrad ungesteuert ist, ist das die beste Lösung aus meiner Sicht.


    Cheers,
    AUSSIE

    Dateien

    • IMG_0249.jpg

      (666,7 kB, 50 Mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • IMG_0025.jpg

      (619,28 kB, 51 Mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • IMG_4370.jpg

      (592,67 kB, 39 Mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • IMG_4372.jpg

      (502,2 kB, 38 Mal heruntergeladen, zuletzt: )

    Einmal editiert, zuletzt von AUSSIE ()

  • Moin Guido,


    Danke!


    Hast Recht, das einzige was noch fehlt ist 'ne Toilette, denn zwei Schlafplätze hat der Anhänger auch,
    oben in der ersten Etage neben dem Cabrio Cockpit, welches auch immer mit an Bord ist :thumbsup:


    Der Rotor muss zum Strassentransport nicht demontiert werden, da an der Decke spezielle Halterungen angebracht sind, die zum einen den Mast absolut fixieren und zum anderen den Rotor aufnehmen, ohne ihn unnötigen Spannungen auszusetzen.


    Cheers,
    AUSSIE

  • kleiner Zwischenbericht:


    Die eingesetzte Schraubzwinge verhindert zuverlässig das seitliche Pendeln des Rotors.
    Dadurch kann der Gyrocopter kontrolliert bewegt werden. Grundsätzlich braucht man dann
    beim Rangieren sein Hauptaugenmerk fast nur auf den Rotor zu richten.


    Der Isolierschlauch schützt bei kleineren Karamboulagen vor Kratzern und Kerben am Rotor.
    Immerhin hat er ja eine Dämmstärke von 0,9 cm, verhindert Schmutzablagerungen und sieht am
    Ende in seinem Signalrot auch ganz ordentlich aus. Mittlerweile tragen jetzt alle
    Propeller der Motorflieger unseres Vereins Isolierschläuche kleineren Kalibers.


    Eine Autogarage (dies ist eine Abdeckplane aus dem Kfz Bereich) gabs vor Kurzem beim großen
    Lebensmitteldiscounter Süd. Diese deckt das gesamte Boot incl. Motor ab. Sie wird passend gerafft
    und mit Fixierklammern aus der Schreinerei gehalten.


    Nun noch die Rotorfessel dran und alles ist recht preisgünstig perfektioniert.


    Und jetzt der absolute Hammer gegen Mäuse.


    Eine blutrote Linie um den Gyrcopter auf den Boden zeichnen und eine kürzlich verstorbene
    Maus kurz hinter die Linie in den Kreis legen.


    Abschreckung ist alles.....


    LG aus Aachen


    ;) Guido