Nummer 5 lebt

  • Und damit meine ich den Pal-V, ein fliegendes Auto. :search:
    Gestern hatte ich die Möglichkeit mit gut 25 holländischen und ein paar deutschen Helikopterpiloten die Pal-V Schmiede in den Niederlanden bei Raamsdonksveer zu besichtigen.
    Wer es noch nicht kennt, der Pal-V ist ein kleines Auto mit neige Technik und ein Gyrocopter, vereint in einem Gerät. Nach einer kurzen Begrüßung erzählte uns der CEO von Pal-V Robert Dingemanse die Neuigkeiten zum Pal-V. Die größte, wäre das neue Modell des fliegenden Autos mit Side by Side sitzweise. Die bisherige Entwicklung des Pal-V one wird nicht weiterverfolgt, obwohl seit 2012 etliche Testflüge und Fahrten sehr positiv verlaufen sind. Das neue Modell des Pal-V konnte von uns leider nur auf Bildern bewundert werden und diese durften wir auch nicht fotografieren. Die offizielle Vorstellung für die breite Öffentlichkeit erfolgt im September dieses Jahres. Optisch würde ich in zwischen Maserati und Ferrari einstufen und die technischen Daten die uns mitgeteilt wurden lassen großes erahnen. Max Speed im Autobetrieb 170 Km/h, Verbrauch 6,7 Liter Super, mit einer Beschleunigung von unter 10 Sekunden auf 100 km/h.
    Im Flugbetrieb soll er max. 180 km/h schaffen, min. 50 Km/h, mit einer Range von ca. 350 Kilometer bei rund 30 Liter die Stunde. Befeuert wird er von 2 Stück Rotax Motoren über ein Differenzialgetriebe. Das Leergewicht beträgt 650 Kilogramm, das max. MTOW 890 Kilogramm. Nach dem Vortrag hatten wir die Möglichkeit den Pal-V zu fliegen. Das allerdings am Flugplatz Innsbruck in einem Flugsimulator. Tja, ich als einziger Gyrocopterpilot hatte hier die Nase vorn und konnte glänzen. Die meisten Helikopterpiloten versemmelten den schönen Pal-V mit zu wenig Speed während der Landung. Danach ging es zur Besichtigung des alten Modell des Pal-V one. Was mir hier sofort auffiel sind die gewaltigen Rotorblätter und die massive Bauweise.

  • Das Team rund um den Pal-V umfasst nicht weniger als 50 Techniker und Ingenieure, gut 15 Namenhafte Firmen, gepaart mit unzähligen Millionen Fördermittel vom Staat, die alle nur ein Ziel verfolgen: “Ein fliegendes Auto“ Mit so einer gewaltigen Man-Power sollt das Ergebnis auch vorzeigbar sein.
    Als die Frage nach der Fluglizenz kam, wird von der Crew um Pal-V eine Europaweit gültige neue Lizenz klasse angestrebt. Die 2018 zu erwerben sein solle. Man kann bereits jetzt schon Kontrakte für den Erwerb des neuen Pal-V für 300.000 Euro unterzeichnen.
    Ich glaube das könnte was werden mit den Jungs um Pal-V.
    Nach der Besichtigung hatte ich noch die Möglichkeit so einige Spielzeuge von holländischen Helikopterpiloten zu bestaunen. Kurzerhand wurde ich auf eine Probefahrt mit einem nagelneuen Tesla eingeladen. Hier gefiel mir die beeindruckende Beschleunigung des Elektromobiles von 3,1 Sekunden von 0-100 km/h. Auch andere Piloten konnten so einige zu bestaunende Dinge wie den EC 135 von Eurocopter und die AS332 Superpuma ihr eigen nennen. Nun denn, ich werde mal mein Sparschwein füllen und vielleicht habe ich in ein paar hundert Jahren den Kaufpreis von 4.500.000 Euro für so einen schicken Eurocopter EC 135 zusammen. 8)
    Grüße Norbert

  • Hi, Norbert!


    Das klingt ja alles äußerst interessant! Danke für deinen Bericht! Gott sei Dank sind wir ja befreundet, so kann ich neidisch sein auf dieses Erlebnis ganz ohne Missgunst!


    Gerade, weil dieses Projekt PAL-V inzwischen von meinem Radar verschwunden war, dachte ich, es sein wohl in einer ähnlichen Projekt-Spätphase angelangt wie der Cartercopter: seit Jahren im Westen nichts Neues! Eine gewisse Ernüchterung nach einer enthusiastischen Anfangshysterie, angesichts schwindender Fördermittel und der normativen Kraft des Faktischen statt dem Erreichen sehr hoch gesteckter Ziele.


    Doch dein Beitrag verspricht ja das Gegenteil: Vieles von dem, was du berichtest, klingt ja immer noch phantastisch! Denn wenn ich dann Details höre wie: zwei Motore, Treibstoffverbrauch im Flug bei 30 l/h, die Anzahl der Mitarbeiter oder auch den Preis des angestrebten Produkts, dann klingt das für mich viel weniger unglaubwürdig als manch anderes "weltweit einzigartige und revolutionäre Luftfahrzeug".


    Wahrscheinlich gilt hier ebenfalls: "Seeing is Believing"! Denn meine Skepsis gegen die Marktchancen eines Fliewaatüüt bestehen weiter!

    • Rechtfertigt denn der aufwändig erkaufte Zugewinn an persönlicher Mobilität (zu einem zielnahen Flugplatz fliegen => zum Endziel weiterfahren, oder: dichter Verkehr voraus => einfach abheben und weiterfliegen) denn den Mehraufwand und die Mehrkosten?
    • Und: Lizenz hin, Lizenz her: der Flugplatzzwang fällt im dicht besiedelten Europa wohl nicht! Spielt vor diesem Hintergrund das technisch Machbare noch eine Rolle?
    • Auch die Frage des Betriebsgeräusches (ich vermeide hier das emotionsbelastete Wort "Lärm") sind für mich unbeantwortet.
    • Gibt es denn Fortschritte beim faltbaren Rotor? Wie sieht hier die Lösung zu einer zügigen und möglichst automatischen Konvertierung aus?
    • An so ein paar irdische Kleinigkeiten will ich gar nicht erst denken: wer versichert mir das Ding? Ist es dabei ein Auto oder ein Flugzeug oder beides und ich brauche doppelt so viele Versicherungen?

    Vielleicht bin ich ja auch nur so skeptisch, weil man seit über 15 Jahren immer noch keinen Cartercopter kaufen kann, weil ich so viele tolle Konstruktionen am Markt oder in der Luft scheitern sehen musste, und gleichzeitig einem willigen und gutgläubigen Publikum jede Menge Kokolores verkauft wird?


    Egal: ich freue mich über deinen Bericht und die Fotos, ich bin auf ein "Fortsetzung folgt" vom PAL-V gespannt und hege die Hoffnung, dass meine Unkerei sich als falsch erweist!


    Servus, Holger

    "Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

    Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

  • Hi Holger,


    ja über den Sinn des Projektes kann man streiten und deine Argumente sind vollkommen korrekt und es dürften noch einige Dinge geklärt werden. Auch ich teile Bastians Meinung und würde mir, wenn ich 300.000 Euro besitzen würde wahrscheinlich lieber einen Arrowcopter und vielleicht auch einen Ferrari kaufen wollen als ein Pal-V.
    Vielleicht wäre für manche zukünftigen Besitzer eines Pal-V das ausschlaggebende kauf Argument „Nice to have“
    Und trotzdem würde ich mich freuen, wenn es zukünftig einen Pal-V geben wird und die EASA möglichst bald europaweit gültige Regelungen zum Führen eines Flugauto herausgeben würde.


    Ich bin jedenfalls gespannt was aus diesem Hause noch alles kommt.


    Norbert