• Moin,


    mein erster Beitrag. Ich hoffe, ich werde nicht gelyncht....


    Warum lese ich hier nichts über den PAL V??? Ich als "Frischling" fand die Idee super...scheint auch wirklich umgesetzt zu werden...


    Gruss


    Thomas

  • Hallo Thomas,


    Willkommen im Forum. Der Pal-V verharrt sei mehreren Jahren in demselben Status. Ein paar beeindruckende Videos, das war's. In Deutschland fällt er in die Zulassungslücke, für UL zu schwer, für allgemeine Luftfahrt nicht zulassbar wegen fehlender Zulassungsvorschriften.


    Erzähl'doch mal von dit, fliegst du auch, oder hast du es vor?


    Kai

  • Hi, Thomas!


    Ein Willkommen auch von mir! Und: wegen einer Faszination sollte auch keiner gelyncht werden, nicht mal bei uns!


    Aber ich sehe neben der von Kai angeführten behördlichen Problematik auch die technische Seite des Problems "FlieWaTüüt" - oder, in diesem Fall: "FlieTüüt". Also ein Zwitter, der in der Luft die unnötigen Komponenten eines Autos und am Boden die sperrigen konstruktiven Details eines Luftfahrzeugs mitnehmen (oder sonst irgendwie konvertieren und verstauen) muss.


    Und das nur, um auf Kosten eines enormen Mehraufwands dann bei höchstens mittelmäßigen, weil kompromiss-behafteten Performance-Daten den absoluten Mobilitätstraum zu verwirklichen.


    Hand auf's Herz: wo ist der Käufer für ein Gefährt, das so viel kostet wie zwei Autos und zwei Tragschrauber zusammen? Das aber bereits an der Infrastruktur jedes normalen Flughafens scheitern wird (wie kriegst du das Ding jedesmal durch das Gepäckradar oder wer untersucht das Gerät jeweils bei der Einfahrt in den Sicherheitsbereich?). Wo ist denn überhaupt die Sicherheitsschleuse zwischen Straße und Vorfeld? Wer glaubt, das 500 Flugplätze jeweils > 50.000 € investieren, um eine Infrastruktur für weniger als 1000 PAL-Vs zu schaffen?


    Ich bin sicher, dass die Kombination Luftfahrzeug / Taxi selbst in ungünstigen Fällen für den Betreiber ökonomischer bleibt als PAL-V, Terrafugia und Co.


    Mein Killerargument ist jedoch das "WaTüüt": wie viele Amphibienfahrzeuge (technisch wesentlich einfacher zu realisieren) begegnen die so in Deutschland auf der Straße oder in Verkehrsgewässern? Außer solche Fahrzeuge mit militärischem Verwendungszweck kann ich mich nur an Liebhaberobjekte aus der Zeitschrift "Hobby", Jahrgang 1960, erinnern (Nein! So alt bin ich nicht, mein Vater sammelte solche Zeitschriften). Ich denke, das wird eine technische Kuriosität ohne Markt dahinter bleiben - bis jemand den lärmfreien Antigrav-Antrieb entwickelt.


    Servus, Holger


    P.S.: Habe ich jein Deja-Vu? Ich glaube, mich an einen ziemlich ähnlichen Beitrag von mir in diesem Forum erinnern zu können, finde ihn aber ebenfalls nicht ... ?(

    "Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

    Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

  • Da ich das PAL-V Projekt seit Beginn sehr genau verfolge kann ich Dir verraten:


    Es "klemmt" nach wie vor an folgenden Punkten:


    1. Klapprotor
    2. Wechsel zwischen Strassenantrieb und Propellerantrieb


    Das PAL-V fährt hervorragend auf der Strasse und fliegt nach relativ komplizierten Umbauarbeiten, kann aber beides (noch) nicht durch "einfaches Umklappen eines Hebels".

  • Erzähl'doch mal von dit, fliegst du auch, oder hast du es vor?

    Gerne. Ich hatte auch schon eine Kurzvorstellung in der entsprechenden Rubrik gemacht. Ja, ich fliege. Allerdings bisher motorisierten Gleitschirm. Ich bin mit einem Bullix 4T unterwegs und es macht einfach genial viel Spaß. Leider ist jedoch das fliegbare "Fenster" zwischen 0...15kn Wind. Das macht das Ganze zu einer Frühmorgens oder Abend Geschichte. Zum Mittag hin, wenn es (zumindest im Sommer) thermisch wird, wird jeder mit der Tüte aus der Luft verschwinden. Das nennt sich dann Parawaiting :D


    Da mich Tragschrauber schon lange faszinieren, habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen die Wartezeit mit entsprechendem Spaß zu füllen. Nachdem ich BZF II gerade abgeschlossen habe, bin ich nun schon zwei Stunden mit einem MTO-Sport unterwegs gewesen. Das Grinsen war gar nicht mehr aus dem Gesicht zu bekommen... ;)


    Ein Fehler habe ich dabei gemacht. Ich habe meiner Frau Abends erzählt, dass ich über der Inversionsschicht bis zum Brocken sehen konnte. Die Nacht hatte ich schlecht geschlafen (warum eigentlich..) und am nächsten Morgen nach dem ersten Kaffee hat mich meine Frau aufgezogen, mit den Armen gewedelt und gewitzelt: "ich kann den Brocken sehen....." :cursing: :cursing:


    Zum PAL V


    Ich hatte auch schon vor 1,5 Jahren die Seite entdeckt und war etwas irritiert, dass sich bis dato wenig bis gar nichts getan hat. Ich gebe der Argumentation recht, dass die Kompromisse natürlich sowohl für Strasse als auch für die Luft immens sind. Abgesehen vom aktuellen Gewicht....> 650 Kg....damit ist es auch nach der Gewichtsänderung für den UL Bereich weit, weit weg.....von den Kosten sowieso...(sprengt etwas meine Portobörse)
    Interessant fand ich es schon und war etwas irritiert, dass ich hie gar keine Diskussion darüber fand.


    Gruss


    Thomas

  • Hallo Thomas,


    vielen Dank für Deinen Beitrag und Deine Vorstellung!


    Irritiert wegen fehlender Diskussion brauchst Du nicht sein, da wir hauptsächlich über unsere bestehenden oder angekündigten Fluggeräte diskutieren.
    Einen lesenswerten Thread hat Angelo,"Troed" ins Leben gerufen: "and the winner is...". Hier geht es um Konstruktionen, die sowohl in der Luft als auch auf der Straße zu bewegen sind.
    Auch dort habe ich, wie Holger, die Zeitschrift "Hobby" zitiert, die mein Vater leidenschaftlich sammelte und uns (Kinder) eine Vision vorspiegelte, nach dem Motto:" Die Zukunft des Individualverkehrs wird in der Luft, statt auf verstopften Straßen stattfinden".....usw. Das PAL-V Projekt ist absolut innovativ, ist aber für meinen Teil (und 2-3 mehreren Teilnehmern hier finanziell zu anspruchsvoll), sodaß wir uns mehr mit der Realität beschäftigen.


    LG Konrad

  • Willkommen hier Thomas und viel Spaß mit dem Quirl.


    Bei uns ist derzeit viel Suppe, aber letztens konnte ich auch mal über die Suppe steigen und der Blick auf die verschneiten Kämme von Rhön und Thüringer Wald war genial.


    (Das sind die Dinge, die man nicht entsprechend fotographieren und beschreiben kann.)

  • PAL-V


    Hi Thomas,
    hier noch eine ergänzende persönliche Annahme, warum hier nicht sonderlich mehr über den PAL-V geschrieben wird:
    -Das Flugauto wurde in Belgien mit staatlichen Förderungen entwickelt und fliegt.
    -Basis ist der Carver-One, ein 3-rädriger "Sportwagen", geschloßen, 2-Sitzer in
    Tandemanordnung mit Kurvenneigungstechnik.
    Technisch, optisch und qualitativ vom Feinsten, absolutes Alleinstellungsmerkmal,
    in Deutschland vertreten durch Harry Stüdemann, der ebenso Ansprechpartner für
    die neueste Xenon-Serie ist.
    -Hier wurde nun die Tragschraubertechnik adaptiert, wobei noch manche Details
    zu lösen sind (siehe einschlägige Berichte)
    -Fluglizenzen sind noch nicht geklärt, keinesfalls ist dieses Gerät im direkten
    Regelwerk für "UL" angesiedelt.
    Bei ca 680kg Leermasse und ca 910kg Abfluggewicht wird man eine Heli-Lizenz
    mit spezieller Einweisung benötigen.
    -Um die mögliche Serienfertigung einzuleiten, werden Sponsoren gesucht.


    Vielleicht habe ich damit einen Teil deiner Fragen beantwortet,


    LG Konrad

  • Hallo Konrad,


    ja, das beantwortet ein Haufen Fragen.....


    vielen Dank auch an all die anderen für die umfassenden Informationen. Selbst wenn das tatsächlich irgendwann einmal in die Serienfertigung geht, wird das fernab meiner Möglichkeiten sein.


    Gruß


    Thomas

  • So, jetzt muss ich doch mal ein paar Worte hier zum Thema PAL-V verlieren...


    Ja, der PAL-V basiert auf dem Carver-One, den ich nicht nur vertrete, sondern dessen Hersteller ich mittlerweile bin.
    Die Produktion des Carver-One findet im Saarland statt und wir haben gerade wieder 3 neue Carver im Bau.
    Produziert wird im BTO Verfahren in Einzelfertigung in Handarbeit.


    Der Carver hat eine europäische Zulassung und ist mittlerweile mit ca. 220 Stück weltweit auf der Straße.
    Von daher sind mir die Themen Produktion und Zulassungsverfahren sehr gut bekannt.
    Auch die hier vermuteten Kostenrahmen einer Zulassung oder Modifizierung gehen weit über das hinaus, was hier im Forum verbreitet wird.


    Nur mal so als Beispiel: Die Entwicklung des Carvers mit der patentierten Neigetechnik (DVC) hat bis zur europäischen Straßenzulassung einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet und mehr als 12 Jahre gedauert.


    Dafür ist er heute eines der seltensten Fahrzeuge weltweit mit einer interessanten Kundschaft 8)


    Sollte jemand mal Interesse haben, sich die Produktion des Carver anzusehen stehe ich dafür nach Absprache übrigens gerne zur Verfügung...


    Den ersten Prototyp des PAL-V habe ich schon 2008 in den Niederlanden bei Carver gesehen und natürlich auch im Hintergrund immer verfolgt.
    Beim PAL-V ist ja nicht nur die EASA im Spiel da wir hier nicht über eine UL reden, sondern auch noch die Straßenzulassung erforderlich.
    Aufgrund dessen, dass die hinteren beiden Räder als Hauptfahrwerk genutzt werden, musste die bestehende Konstruktion des Motorrahmens, des Antriebs der Hinterräder sowie die gesamte Federungsstruktur der hinteren Räder geändert werden. Auch die Neigetechnik wurde angepasst und der während der Fahrt mögliche Neigungswinkel von 45 Grad beim Carver wurde beim PAL-V eingeschränkt. Dies sind auch nur ein paar Punkte, die mir so auf Anhieb dazu einfallen. Das lässt sich noch um diverse Dinge erweitern.


    Obwohl der PAL-V ein interessantes Projekt ist, schätze ich persönlich die Chancen, jemals einen PAL-V kaufen zu können, als sehr gering ein.
    Es gibt - derzeit - zuviele Unwägbarkeiten aufgrund der Zwitterfunktion. Allein das Thema Lizenz PPL-A/PPL-H, Straßenzulassung, TÜV?, Jahresnachprüfung? etc bietet Grundlage für endlose Diskussionen. Dazu kommt dann noch das notwendige Zusammenspiel diverser Behörden und Organisationen um zu einem Ergebnis zu kommen.


    Ein weiterer Punkt: Flugplatzzwang - Was nützt es, wenn ich mit dem PAL-V auf dem Kölner Ring auf dem Weg zum Startflugplatz im Stau stehe und nicht von einer Raststätte aus abfliegen kann und darf oder nach der Landung z.B. im Münchner Umfeld auf dem Weg zum Termin dann doch wieder auf der Straße nicht weiterkomme...


    Aber vielleicht sehe ich das auch einfach nur zu pessimistisch 8|



  • Hi Thomas,


    sehr schönes Zitat!


    @ wizkid:


    prima Statement, für jeden verständlich und nachvollziehbar...
    Eine primäre Information für uns, welch gigantische Vorlage ein Unternehmer in
    Deutschland leisten muß, um ein fantastisches Produkt auf den Markt zu bringen!
    Von Herzen wünsche ich den verdienten Erfolg,


    LG Konrad

  • Hallo,


    der Flugplatzzwang spielt den fly-drive Lösungen aber eher in die Hände. Flugplätze sind selten genau da, wo man hin will. z.B. vom Flughafen Koblenz aus kann man auf Koblenz herabblicken, das war's dann aber schon. Wenn man nun ein Gefährt hat, mit dem man in die Stadt fahren kann, wäre da toll.
    Allerdings kann man sich da auch sehr viele Taxifahrten leisten, bevor man die Mehrkosten wieder drin hat.


    Kai.