Risikobereich: P R O P E L L E R

  • Hier eine Geschichte aus meinem umfangreichen Erfahrungsschatz, die gerade noch mal so gut ging, aber auf die ich nicht so stolz bin:


    Nach einem Besuch des Fly-In bei der Flugwerft des Deutschen Museums in Oberschleißheim bei München hatte ich beim Heimflug Probleme mit der Treibstoffzufuhr zum Motor: der Motor setzte ab einer gewissen Drehzahl stotternd aus (Ursache war letztendlich eine Undichtigkeit im Benzinfilter, das ab einer gewissen Durchflußmenge Luft mitsaugte, da das Kunststoffgehäuse nicht E10-geeignet war). Bei einem Powersetting, das nur noch einen moderaten Sinkflug ermöglichte, lief der Motor noch ohne Mucken.


    Nach einer Kehrtwende nahe der Allianz-Arena und einer Sicherheitslandung in Oberschleißheim berichtete ich hilfsbereiten Mitarbeitern der Flugwerft von meinem Problem, und wir wollten gemeinsam die oben genannte Theorie "Luft (Benzindampfblasen?) im Treibstoffzufluß" überprüfen. Zu diesem Zweck entfernte ich die Motorabdeckung von meinem DF-02, befestigte alle offensichtlich lösbaren Teile (Kühler, Überlaufgefäß, ...) sorgfältig, auf dass nichts in den Propeller geraten könnte. Ein Helfer wollte, in meinem Sichtbereich rechts neben der Maschine stehend, die Treibstoffleitungen im Auge behalten, und die restlichen Zuschauer wiesen wir an, sich aus der Ebene des Propellers herauszuhalten und vor dem Tragschrauber zu bleiben. um nicht gefährdet zu werden.


    Erst danach glaubte ich, an alle Eventualitäten gedacht zu haben, stieg ich in die Maschine, startete den Motor und gab mehrmals voll eingebremst Vollgas.
    Vermutlich durch die heftigen Vibrationen während des vorangegangenen Fluges hatte sich jedoch ein Luftfilter so weit gelockert, dass er sich nach kurzer Zeit löste und durch den Propeller sauste. Was ich nicht bedacht hatte: die Trümmer des vom Propeller zerstückelten Luftfilters flogen etwa 20° bis 30° vor der Propellerebene herum, etwa 50 cm neben dem Kopf eines vermeintlich sicher stehenden Zuschauers vorbei!


    In Zukunft werde ich solche "Versuche" nur noch mit möglichst wenig Zuschauern unternehmen, im direkten Gefahrenbereich vorzugsweise eine Kamera einsetzen statt eines Beobachters. Und dieser sollte in jedem Fall eine Schutzbrille und vielleicht auch einen Helm tragen. Sonst könnte es ja doch einmal "ins Auge gehen"!


    Und: ich werde in Zukunft immer berücksichtigen, dass Gegenstände nach Berührung mit dem Propeller in alle möglichen Richtungen davonfliegen können und nicht nur innerhalb der Propellerebene.


    Und: es ist auch eine gute Idee, die Maschine - zusätzlich zu den Bremsen - sicher zu fixieren, eventuell mit einem Seil an einem festen Punkt befestigen.


    Es wäre schön, wenn ihr euch an diese Geschichte erinnert, bevor ihr mal einen Motor-Testlauf am Boden macht.


    Servus, Holger

    "Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

    Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest