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Wolle

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Wednesday, July 6th 2011, 5:06pm

100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Vor einhundert Jahren haben sich zum ersten Mal Motorflugzeuge aufgemacht zu eine Flug quer durch Deutschland. Seither - nicht in jedem Jahr - gab es einen Solchen Flug. Seit Ultraleichtflugzeuge ernst zu nehmende Partner d allgemeinen Fliegerei geworden sind, beteiligen sich auch einige wenige UL-Piloten an dieser Veranstaltung, die von der Bundeskommission Motorflug des Deutschen Aero Club ausgerichtet wird. In diesem Jahr, zum einhundertsten Jubiläum, war m ersten Mal auch ein Tragschrauber dabei. Ich will versuchen, fortlaufend von dieser Veranstaltung zu berichten.
Ausgangspunkt der Deutschlandfluges ist in diesem Jahr Hannover. Dafür hat der Flughafen, der der "kleinen" Fliegerei ohnehin freundlich gesonnen ist, eine Menge an Infrastruktur bereit gestellt. 117 Flugzeuge, darunter sechs Motorsegler und 9ULs landeten am Nachmittag fast im Minutentakt auf der grossen Bahn 27 Links. Wir waren in Bremen (EDWM) am Mittag gestartet. Unser Hauptgepäck reiste in einer anderen Maschine der Flugsportgruppe Airbus mit, denn von unserem Verein beteiligen sich insgesamt sechs Team am Deutschlandflug. Weil wir einen grossen Bogen im Westen um die Kontrollzone herum fliegen mussten, brauchten wir für diese Anreise gut eine Stunde. Der Flughafen hatte eine eigene Tower-Frequenz freigeschaltet. Weil alle Piloten sich knapp mit ihrer Position und der Wettbewerbsnummer meldeten, lief alles reibungslos. Am Boden wartete ein Heer von Follow me-Fahrzeugen, um jeden Flieger zur richtigen Parkposition oder zum Tanken zu lotsen. In einer extra frei geräumten Halle, in der sonst wohl britische Soldaten abgefertigt werden, bekamen wir das Begrüßungsgeschenk und die notwenigen Instruktionen für den Rest des Tages. Hilfreich zu wissen: es gibt eine Touring-Gruppe, die über Marburg nach Idar Oberstein und dann weiter nach Bamberg und Oberschleißheim fliegt. Die Wettbewerbsgruppe muss ein paar anspruchsvolle Navigationsaufgabe erledigen und hat eine andere Strecke zu fliegen(Dessau, Kamenz, Weiden, Oberschleissheim). Nach vielen Teilnahmen an nationalen Und internationalen Meisterschaften hatten wir keine Lust, uns dem Wettbewerbsstress auszusetzen und haben uns für die einfachere Variante entschieden. So oder so, mit unserem MTO Sport sind wir auf jeden Fall die Exoten auf diesem Trip.
Ich denke, es macht Sinn, in dieser Rubrik ein wenig über unseren Flug zu berichten. Vielleicht sind dann beim nächsten Mal in zwei Jahren mehr Drehflügler dabei.
Gruß
Wolle

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Sparrow (11.12.2013)

Bastian

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Thursday, July 7th 2011, 8:25am

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Moin Wolle,
besten Dank für Deinen Bericht! Wie muss man sich denn die Durchführung des Fluges vorstellen? Jeder für sich oder einige Verbände? Und was gab es als Begrüssungsgeschenk?? :P
Ich stelle mir grade vor, wie das ganze wohl vor 100 Jahren aussah.....tollkühne Männer in fliegenden Holzgestellen.....und heute: tollkühner Wolle im fliegenden Gurkenhobel zwischen all den grossen Schwestern.
Bleib am Ball und berichte bitte weiter.
Gruss
Bastian

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3

Thursday, July 7th 2011, 10:02am

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Das ist ein wirklich tolles Ereignis, von dem ich gerne mehr lesen würde. Wäre schön, wenn du's schaffen würdest, davon in Etappen zu berichten. Meine Aufmerksamkeit hast du jedenfalls!

-- Chris.

gyro_kai

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Thursday, July 7th 2011, 9:07pm

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Super Geschichte, halt uns auf dem Laufenden, bitte.

Kai.

Wolle

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5

Friday, July 8th 2011, 7:03pm

Bericht vom Start und vom zweiten Tag

Sorry, dass ich nicht ganz kontinuierlich berichten kann. Aber es geht natürlich in erster Linie darum, das Programm zu bewältigen und zu fliegen und dann ist gestern eben keine Zeit für's Tippen auf dem iPad geblieben. Das versuche ich jetzt nachzuholen.
Zunächst mal ein paar Nachträge:Wir sind 123 teilnehmende Flugzeuge. fast halbe/halbe in der Wettbewerbsklasse, die sich mit ein paar navigatorischen Aufgaben quälen muss, und der Touringklasse, die neben dem reinen Fliegen noch ein paar Wissens- und Quizfragen beantworten soll.
Dieser Deutschlandflug ist der 34ste. Beim ersten Mal vor 100 Jahren waren gerade mal 15 Piloten dabei und das pReisgeld war gigantisch. Diesmal muss man Startgeld zahlen und bekommt neben einer Teilnehmerplakette allenfalls einen Pokalteller oder so etwas. Aber darum geht es ja auch nicht.
Am Abend des ersten Tages gab es in einer Abfertigungshalle für britische Militärangehörige einige Ansprachen. Unter anderem der Chef des Flughafens Hannove. Der ist nämlich wirklich ein großer Freund der allgemeinen Luftfahrt. Er hat sehr früh Hannov auch für ULs zugelassen.
Nach einem leckeren Abendessen dann ins Hotel.
Am nächsten Morgen Briefing über die Abflugprozedur. Wettbeweberbs- und Touringklasse sollen in Minutenabständen starten. Wir hatten freie Bahn, weil wir auf jedem Leg Zwischenstopps zum Tanken einlegen mussten. Zwei Besatzungsmitglieder ( einer nicht ganz leicht) und Gepäck - da passt nicht mehr viel Sprit in den Tank. So standen wir dann bereits m 9 Uhr am Rollhalt D der Piste 27 L. Hebel nach vorne, ein bisschen länger Rollen als üblich und dann waren wir in der Luft. Unser erstes Leg führte uns nach Paderborn. Natürlich nicht nach Haxterberg, sondern zum "Grossflughafen" Paderborn-Lippstadt. Sprit nachladen und dann weiter nach Marburg, dem ersten gemeinsamen Zwischenstopp. Tanken, eine Kleinigkeit essen, Karten umstecken und weiter gings nach Koblenz. Hier wie überall wurden wir freundlich empfangen, einfacher und unkomplizierter Anflug, hohe Spritpreise, wenn man gewohnt ist, seinen Treibstoff beim Einkaufszentrum an der Billigtankstelle zu kaufen.
Leider hatten wir während der ganzen Zeit eine leichte Brise von vorne, so dass unserr Geschwindigkeit über Grund mal gerade knapp über 100 km/h lag.
Von Koblenz war es dann nur noch ein kleiner Sprung nach Idar-Oberstein. Unterwegs mussten wir uns noch beim Überflug an einem kleinen Flugplatz ein Codewort abfragen. Klar, das das Wort für uns "Rotor" lautete.
In Idar-Oberstein warteten viele freiwillige Helfer auf uns. Die Flugzeuge wurden bestens versorgt, dicht an dicht abgestellt und festgezurrt, denn es sollte eine Regenfront in der Nacht durchziehen. Wir konnten mit unserem schmalen Flieger in eine Flugzeughalle unterkommen.
per Bus zum Hotel und dann ein bisschen touristisches Programm: Besichtigung des Edelsteinmuseums. Die vielen Achate und Opale sind nicht mein Ding, aber es war schon beeindruckend, was dort alles zusammengetragen worden ist.
Höhepunkt aber war ohne Zweifel das Abendessen am Flugplatz in der Fliegerkantine. Dort gab es ein sensationell gegrilltes riesengroßes Schweinesteak.
Gruß
Wolle

Wolle

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6

Friday, July 8th 2011, 10:37pm

Der zweite Tag

Die erwartete Schlechtwetterfront hatte sich weitgehend abgeschwächt und in der Nacht durch unser Gebiet gezogen. Am Morgen auf dem Weg zum hoch gelegenen Flugplatz von Idar-Oberstein begegneten uns noch ein paar niedrige Wolkenfetzen, aber danach klarte es immer mehr auf. Auch das professionelle Wetterbriefing vehieß nur Gutes. Und in der Tat, als wir gegen zehn in unseren Fliege stiegen, war der Himmel übersät mit keilen schönen Wölkchen.
Etwas nervös machte uns, dass ganz in der Nähe Militärjets in geringer Höhe durch die Gegend düsten. Aber während des Fluges haben wir diese schnellen Flugzeuge dann nicht wieder gesehen.
Die erste Etappe führte uns nach Worms. Ein Grund war das Tanken und der wichtigere Grund: meine Tochter lebt ganz in der Nähe. Also ein kurzes Familientreffen, die Ekelkinder kurz in den Tragschrauber gesetzt, Foto gemacht und dann weiter. Inzwischen war es deutlich wärmer geworden und das Steigen war deutlich mühsamer. Zum Glück wehte der Wind mit etwa 10 Knoten yfast von hinten, so dass wir eine recht flotte Groundspeed rechnen konnten.
Nach der Rheinebene ging es in Richtung Odenwald und wir mussten mühsam ausreichende Höhe machen. Vor uns lagen rech ausgedehnte Waldgebiete, die einen nicht gerade sorglos fliegen lassen. Zwar hat mich mein Motor nach 250 Stunden noch nie im Stich gelassen, aber irgendwann ist immer das erste Mal und über so einem Wald möchte ich das wirklich nicht erleben. Nach der einen oder anderen Mainschleife ksm dann schliesslich Würzburg in Sicht. Der Platz lieg hoch auf einer Kuppe, an seinem Rand ist eine kleine Sonnenkollektorenwand aufgebaut. Auch eine Möglichkeit zum CO2-Ausgleich.
Tanken, bezahlen und wieder ab in die Luft. Sieht man von dem wunderschönen Himmel mit seinen kleinen Cummulus-Wölkchen einmal ab, war es ein ereignisloser Flug nach Bamberg. Der grosse Tross des Deutschlandfluges war bereits am Boden, so dass wir uns ohne Probleme in die Platzrunde begeben konnten. Und wieder ein hervorragender Service von dem Mitgliedern des örtlichen Aeroclubs. Wieder gab es einen Hallenplatz, gleich neben einem anderen MTO.
Für den Nachmittag war eine Stadtführung vorgesehen. Obwohl wir einigermaßen geschafft waren, konnte unsere Fremdenführerin unser Interesse für zwei Stunden fesseln. Danach das Programm wie üblich: frisch machen im Hotel, zuhören bei den Reden vom Vereinsvorsitzenden und vom Vertreter der Stadt und dann gab es regionale Spezialitäten (Schäufela, Knödel, Spätzle usw.)

Nachtrag: ich weiß, ein oder mehrere Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Aber bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft, die Bilder von der Kamera auf's iPad zu bekommen.
Wird nachgeliefert, versprochen.
Wolle
Gruß
Wolle

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7

Saturday, July 9th 2011, 9:21am

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Großartig, Wolle. Ich freu mich schon auf die Bilder. -- Chris.

Green

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8

Saturday, July 9th 2011, 6:42pm

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Vielen Dank Wolle!

Für Deine Mühen uns teilhaben zu lassen.
Und das alles vom Ipad……Ich finde es recht mühselig darauf zu tippen.
Bin schon gespannt auf die Bilder.

Grüße vom Niederrhein
Norbert
Garten- und Landschaftsbau Mähler www.traumgarten.nrw

Wolle

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9

Sunday, July 10th 2011, 8:08am

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Geschafft
Nach vier Tagen sind wir nun glücklich in Oberschleißheim gelandet. Aber der Reihe nach. Das Wetterbriefing am Morgen in Bamberg war nicht ganz so rosig. Das Tief über Engaland schaufelt mit schöner Regelmäßigkeit kleine Fronten mit labiler Warmluft heran, die für eingelagerte Schauer und auch lokale Gewitter sorgen können. Also hieß das für uns so früh wie möglich starten. Das passte ganz gut, denn die Wettbewerbsgruppe war ja von ihrer anderen Streckenführung her auch im Anflug auf Oberschleißheim und bei den Piloten kam es auf präzise Ankunft und eine Ziellandung an und dabei sollten sie nicht gestört werden. Die Touringgruppe würde erst gegen 11 abheben.
Unser Zwischenstopp war Dinkelsbühl-Sinnbronn. Dort in der Nähe lebt meine Schwägerin. Als wir zum Überflug ansetzten, war sie gerade mit ihrer Grundschulklasse auf dem Sportplatz beim Sportfest. Kinder und Lehrer haben tüchtig gewunken.
Dinkelsbühl ist ein freundlicher kleiner Platz mit Motorfliegern, ULs und Fallschirmspringer. Die übten schon mal für das Flugplatzfest am Sonntag. Tanken, den Schwager begrüßen und dann wieder ab in die Luft. Leider ist die Bahn etwas uneben, leicht bergan und der schwache Wind kam auch von der Seite. Entsprechend lange und mühsam quälten wir uns in die Luft. Als ich dann aus dem Gegenanflug auf Kurs drehen und mich verabschieden wollte, gabs erst mal einen gehörigen Schreck: das Display des Funkgerätes zeigte nichts mehr an. Ein paar mal hin und her schalten nützte nichts - Funkausfall. Also einen Vollkreis, wieder in die Platzrunde und landen. Der Grund für den Funkausfall war glücklicherweise schnell gefunden. Der Stecker hatte sich abgerödelt. Ein freundliches Mitglied des Dinkelsbühler Vereins brachte noch einen Kabelbinder, mit dem die beiden Feststellspangen zusätzlich fixiert werden konnten. Also noch einmal mühsam aus dem Platz heraus hungern und dann Kurs auf Oberschleißheim.
Glücklicherweise hatte der Wind etwas gedreht, so dass wir eine akzeptable Groundspeed angezeigt bekamen. Kurz vor unserem Ziel haben wir noch den UL-Platz Altomünster überflogen. An der 300 Meter langen Piste ist Ernst Graf zu Hause. Er ist passionierter Trike-Pilot und Aufgabendesigner für die letzten Deutschen Meisterschaften.
Da wir diesmal zusammen mit den anderen Teilnehmern im Ziel ankamen, war jede Menge los im Funk. Trotzdem schafften es alle irgendwie, störungsfrei zu landen.
Für den Flugplatz war das eine Ausnahme, denn eigentlich dürfen hier pro Jahr nicht mehr als 500 fremde Maschinen landen. Eine Regelung, die vor allem mit der Nähe zum Münchner Flughafen und der niedrigen Untergrenze des kontrollierten Luftraums zu tun hat.
Stahlender Sonnenschein, freundliche Einweiser, Kaffee und Kuchen zum Empfang, so war die Ankunft organisiert. Gleichzeitig hatten wir die Möglichkeit die Luftwerft Oberschleißheim zu besichtigen. Hier ist eine der bedeutendsten Sammlungen historischer Luftfahrzeuge. Alles, vom Lilienthal-Gleiter bis zum Eurofighter ist zu sehen. In diesem Ambiente fand am Abend dann auch die Abschlussveranstaltung statt. Das waren erst mal viele Dankesworte an alle Organisatoren, Sponsoren, Helfer und sonstige Verantwortliche, eine lange Einführung in die Geschichte des Museeums durch den Direktor. Umrahmt wurde das Ganze von vielen Blitzen, kräftigem Donern und zwei heftigen Regengüssen. Vor der Siegerehrung wurde endlich das Buffett eröffnet: bayerische Spezialitäten.
Einen Preis haben wir nicht gewonnen, weder als Exoten noch als erfolgreiche Quizteilnehmer. Aber das war nicht so wichtig. Dabei sein ist schließlich alles.
Jetzt erst mal die Augen zu und schnell schlafen, denn wenn das Wetter mitspielt, steht und morgen ein sehr langer Flug nach Bremen bevor.
Wolle
Gruß
Wolle

Schlagschrauber

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10

Sunday, July 10th 2011, 11:26am

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Hi, Wolle!

Danke für deinen Bericht ... auch wenn ich wie die anderen noch auf Fotos hoffe!

Besonders interessiert war ich auch auf den Teil mit Oberschleißheim, liegt es doch direkt vor den Toren Münchens! Du schreibst: ... Für den Flugplatz war das eine Ausnahme, denn eigentlich dürfen hier pro Jahr nicht mehr als 500 fremde Maschinen landen. Eine Regelung, die vor allem mit der Nähe zum Münchner Flughafen und der niedrigen Untergrenze des kontrollierten Luftraums zu tun hat. ...
Das kann ich so nicht stehen lassen, mag es auch die offizielle Begründung sein! Es gibt rund um München FJS noch mehrere kleinere Plätze, die - bei gleicher Nähe und vergleichbaren Untergrenzen - nicht so strikten Regularien unterworfen sind. Trotz der Tatsache (oder wegen der Tatsache? Siehe Ottobrunn und Riem ...!), dass es sich hier um ein historisches Fluggelände handelt, haben sich hier Fluglärmgegner eben so effizient organisiert, dass man nach meinem Geschmack deutlich über das Ziel hinausgeschossen hat. Insbesondere die Rentnergang, die im Biergarten bei Bier und Brezn, Kaffee und Kuchen direkt in Sicht der Landebahn sitzt und Strichlisten mit ortsansässigen und Gastflugzeugen anfertigt, ist für mich ein ständiges Ärgernis. Flugplatz-Biergarten: ja, Flugplatz: nein? Das nenne ich konsequent an eigenen Ast sägen! Und sie verbringen ja freiwillig ihre Freizeit genau dort, wo es ihnen per definitionem gar nicht gefallen kann: nämlich wo der Fluglärm am intensivsten ist!

Nicht aufregen, Holger! Ich freu mich, dass das mit dem Deutschlandflug für euch geklappt und es dir in Oberschleißheim gut gefallen hat. Ich selbst habe für das Fly-In des Deutschen Museums einen der begehrten Slots ergattert und freu mich, Anfang August daran teilzunehmen.

Danke für den Bericht und Vorfreude auf die Bilder, servus, Holger
"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Wolle

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Monday, July 11th 2011, 8:26pm

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Die Heimreise
Oberschleißheim war das Ende des Deutschlandfluges, aber noch nicht das Ende unseres Fluges. Wir mussten ja noch zurück nach Bremen. Die diversen Wetterprognosen, während der Abschlussveranstaltung aus dem Handy studiert, verhießen nicht unbedingt rosige Aussichten. Trotzdem wurde geplant. Möglichst in gerader Linie nach Norden, ohne unbedingt über die höchsten Höhenzüge zu fliegen.
Also erst mal Bleistiftstriche auf die Karten, so intelligent wie möglich gefaltet, damit es nicht z viel umzublättern gab, Frequenzen notiert, Verfügbarkeit von Sprit geprüft – das ganze Programm.
Am Morgen dann erst mal ausgiebiger Regen. Aber das Regenradar zeigte eindeutig, dass sich nach 8 Uhr die Situation bessern würde. Bis dahin sah der Weg nach Norden frei aus. Und wirklich, nach dem Frühstück stoppte der Regen und als uns ein Taxi mit zwei weiteren Piloten zur Museumswerft brachte, waren schon blaue Lücken am Himmel zu sehen. Zum Glück (wegen des nächtlichen Unwetters) hatten wir unseren Tragschrauber in eine Halle stellen können.
Dar Gepäck war wieder verstaut, das GPS auf Nördlingen gesetzt und ab auf die lange Asphaltbahn. Nach dem Erreichen der Ruderregattastrecke im Westen konnten wir unseren Kurs aufnehmen. Selten hatten wir einen so schönen Flug. In knapp 1000 Fuß hatten sich kleine Wölkchen gebildet, die Sicht darunter war wie blank geputzt. Im Funk konnten wir verfolgen, wie sich auch die ersten „großen“ Deutschlandflug-Teilnehmer auf den Weg machten. Den einen oder anderen sahen wir neben uns dicht unter den Wolken vorbei ziehen.
Wie schon auf den anderen Flügen hat meine Frau iPhone und iPad griffbereit und noch im Start Bilder von den jeweiligen Platzen auf Facebook hochgeladen. Schneller und aktueller geht es wirklich nicht.
Kaum in der Luft, haben wir auf der UL-Frequenz noch Kontakt mit Viktor Wyklicky. Er ist seit vielen Jahren Trikeflieger, war schon zehn Mal Deutscher Meister und ist bekannt für seine Langstrecken-Flüge. Leser des DULV-Infos kennen seine Reiseberichte. Er musste sein Trike nach Berlin bringen.
Nördlingen als Tankstopp war für uns gesetzt, denn dort hatte ich 2006 die erste und bislang einzige UL-Europameisterschaft in Deutschland organisiert. Fünf Minuten vor Erreichen des Ziels meldete sich iemand im Funk. Natürlich haben wir mehrfach geprüft, ob die richtige Frequenz gerastet war. Alles schien korrekt. Na gut, dann erst mal den Platz überfliegen. Und tatsächlich: niemand da, alle Hallentore zu, kein Auto auf dem Parkplatz und das beu bestem Flugwetter um 9:30 Uhr. Da ich den Platz kannte, bin ich nicht auf den Gedanken gekommen, dort vorher anzurufen. Na gut, dann also noch zehn Minuten weiter bis nach Dinkelsbühl.
Dort bekamen wir unsren Treibstoff und konnten so schnell wieder weg, dass wir den Eröffnungsgottesdienst im Hangar für das Flugplatzfest nicht stören mussten. Ein schöner Flug über schöne hügelige Landschaft folgte. In Schweinfurt meldete sich dann schon beim Ersten Versuch jemand am Funk. Auch hier haben wir schnell getankt und weiter ging’s nach Lauterbach. Vorher mussten wir deutlich höher steigen, denn die ICAO-Karte weist für diesen Kurs eine Minimum Safe Altitude von 3.600 Fuß aus.
Lauterbach ist ein kleiner Grassplatz mit leicht ansteigender Piste und Heim einer Tragschrauberschule.
Der nächste Zwischstopp hieß Kassel. Ein sichtlich gelangweilter bis genervter Türmer ließ uns direkt in den Queranflug einfliegen und drehte sogar noch die Landerichtung, weil ich mit einer Rückenwind-Komponente auf keinen Fall landen wollte. Die örtliche UL-Schule versorgte und mit Sprit und zwei Flugschüler nach bestandener Prüfung auch mit einem Stück Kuchen).
Der letzte Zwischenstopp schließlich war Rinteln. Gerade als wir abhoben, kam der ortsansässige Tragschrauber aus Hildesheim zurück. Der Rest war einfach und über bekanntes Terrain. Durch die Porta Westfalica immer an der Weser entlang bis Verden und dann noch ein kleines Stück gerade aus bis EDWM. Unsere Vereinskameraden waren schon vom Deutschlandflug zurück und putzten eifrig die Mücken von Flächen und Cowling.
Mein Fazit:
- Es war ein großartiges Erlebnis, mit vielen Gleichgesinnten unterwegs zu sein, vor allem, wenn das drum und dran so gut organisiert ist.
- Es ist schon recht anstrengend, so lange und so viel zu fliegen. Vor allem der Rückflug hat mich dann doch geschafft.
- Es ist kein Problem, mit dem Tragschrauber auch große Strecken zu fliegen, selbst wenn man, wie in unserem Fall, nur kurze Etappen bewältigen kann, weil die Tanks nicht bis zum Rand gefüllt werden können.
- Es gibt viele hilfsbereite und freundliche Menschen entlang der Strecke, aber gelegentlich auch ziemliche Sturköpfe.
- Es ist besser, sich bei sonnigem Wetter die Nase mit Sonnenschutzcreme einzureiben.
- Die Einladung von Viktor Wyklicky zu seinem Flug nach Korsika und Sardinien werde ich annehmen
Gruß
Wolle

Wolle

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12

Monday, July 11th 2011, 8:45pm

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

So, nun versuche es mal mit ein paar Bildern:
Wolle has attached the following image:
  • IMG_0731.JPG
Wolle has attached the following files:
  • DSCI0122.JPG (120.79 kB - 191 times downloaded - latest: Nov 26th 2013, 3:35pm)
  • DSCI0106.JPG (96.19 kB - 191 times downloaded - latest: Nov 26th 2013, 3:35pm)
Gruß
Wolle

Wolle

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13

Monday, July 11th 2011, 8:49pm

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

So ganz habe ich das mit der Reihung der Bilder noch nicht hinbekommen, aber der Wille zählt.
Wolle has attached the following files:
  • DSCI0073.JPG (139.39 kB - 191 times downloaded - latest: Nov 26th 2013, 3:35pm)
  • DSCI0047.JPG (114.43 kB - 191 times downloaded - latest: Nov 26th 2013, 3:35pm)
  • DSCI0009.JPG (98.74 kB - 191 times downloaded - latest: Nov 26th 2013, 3:35pm)
Gruß
Wolle

Wolle

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Monday, July 11th 2011, 9:08pm

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Gruß
Wolle

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Tuesday, July 12th 2011, 8:55am

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Klasse Bericht, Wolle! Ich fühl mich fast, als ob ich mit dabei gewesen wäre. Das macht Lust, mit dem Gyro auf Reisen zu gehen. Ich hoffe, dass viele Gyronauten, die noch fast ausschließlich in der Platzrunde oder -nähe stecken, sich langsam auch trauen, auf Reise zu gehen. Es ist einfach ein wunderschönes Abenteuer, auf diese Art die Welt zu sehen.

-- Chris.

Bastian

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16

Wednesday, July 13th 2011, 4:50pm

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Vielen Dank für den toll geschriebenen Bericht! Das muss ja, neben all dem Spass, auch ganz schön anstrengend gewesen sein!
LG
B.

Muckylixx

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17

Wednesday, July 13th 2011, 8:17pm

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Hi
Ja Wolle, vielen Dank für deinen Bericht!

LG Maurice
Ohne_Titel_1

gyro_kai

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18

Thursday, July 14th 2011, 8:46am

Re: 100 Jahre Deutschlandflug mit dem Gyro

Supet Bericht, vielen dank

Kai

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