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Green

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Sunday, August 11th 2013, 12:00pm

Re: Frankreichtour 2013

Flug zum Mont Blanc Massiv
Green has attached the following images:
  • 11 Mont Blanc Massiv.JPG
  • 10  Mont Blanc.JPG
  • 9 Mont Blanc Massiv.JPG
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Green

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Sunday, August 11th 2013, 12:06pm

Re: Frankreichtour 2013

der nächste Teil. Es gehen wohl nicht mehr als 3 Bilder in einem Post
Green has attached the following images:
  • 8 Mont Blanc.JPG
  • 6 Megeve.JPG
  • 12 Sisteron.JPG
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Green

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Sunday, August 11th 2013, 12:13pm

Re: Frankreichtour 2013

... und noch mehr Bilder
Green has attached the following images:
  • 17 Hafen von Saint Tropez.JPG
  • 16 Hafen Saint Tropez.JPG
  • 15 Bucht von Saint Tropez.JPG
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Green

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Sunday, August 11th 2013, 12:20pm

Re: Frankreichtour 2013

........
Green has attached the following images:
  • 18 Landung Avignon.JPG
  • 19 Felder mit Algen Mittelmeer.JPG
  • 20 Flugplatz Montpellier.JPG
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Green

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Sunday, August 11th 2013, 12:24pm

Re: Frankreichtour 2013

der vorletzte Post
Green has attached the following images:
  • 23 DTA Montélimar.JPG
  • 22 Kanu fahren auf der Ardeche.JPG
  • 21 Fahrt mit dem Raptor.jpg
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Green

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Sunday, August 11th 2013, 12:29pm

Re: Frankreichtour 2013

.... so das sind die letzten 3 Bilder, ich hoffe ich habe Euch nicht genervt
Green has attached the following images:
  • 26 wieder in Freiburg.JPG
  • 25 Xenon Plattfuß.JPG
  • 24 Flug Montélimar to Bourg.JPG
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Schlagschrauber

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Sunday, August 11th 2013, 2:47pm

Frankreichtour 2013 - Vorbereitungen, Anreise

Danke, Norbert!

Mich nervst du damit nicht! Ich meinerseits plane hier eine textlastigere Darstellung, so eine Art Reisetagebuch einzustellen, das die Highlights und auch den Alltag unserer Reise ein wenig dokumentiert.

Damit der Text nicht zersplittert wird, mache ich aus jedem Tag einen eigenen Beitrag. Los geht's!

"Planen bedeutet, den Zufall durch einen Irrtum zu ersetzen."

Hier der Plan des Reiseleiters: Mit Kurs Südwest über das Elsass ins französische Jura, Genfer See, vorbei am Mt. Blanc auf den Höhenflugplatz Megève. Weiter nach Sisteron, das Tor zur Provence. Über Fayence nach Avignon, von dort bei Montpellier ans Mittelmeer. Über die Südausläufer des Zentralmassivs und die Cevennen an die Schlucht der Ardêche. Mit Zwischenstop in Montélimar entlang des Rhonetals nach Lons-le-Saunier, dann Heimflug nach Freiburg.
Flugstrecke: ca. 2.100 km (plus die An-/Abreise nach/von Freiburg).

Man mag sich wundern, aber: irgendwie hat es geklappt, oder um das Mantra von Sabine, unserem guten Geist der Tour (Mädchen für „Alles“: „Qualitätsmanagerin“, Fahrerin des Begleitfahrzeugs, MOGAS-Versorgung, Tank- & Getränkeabrechnungen, Proviant für Unterwegs, …) zu zitieren: Alles wird gut!"

Mein Plan: Anreise nach Freiburg mit Chris („Sixpack“) im Verbandsflug am Sonntag, da ich nach hektischen Tagen im Büro (auch Kollegen haben Urlaub, auch wenn einige Projektmanager das nicht einplanen!) noch jede Menge am Samstag vorbereiten wollte. Das Gros des Gepäcks hatte ich in bewährter Manier bereits am Mittwoch per DHL an das erste Hotel vorausgeschickt.
Doch das Wetter verschlechterte sich absehbar (CBs am Schwarzwald morgens und abends), so dass ich doch noch versuchte, von Samstag auf Sonntag zwei Hotelzimmer zu reservieren, um einen Tag früher loszufliegen – vergebens! So vereinbarten Chris und ich, am Sonntag möglichst frühzeitig loszufliegen, um nach einem schnellen Tankstop in Tannheim während der prognostizierten Gewitterpause zwischen 11:00 Uhr und 14:00 Uhr auf der Route über die Erhebungen des Schwarzwalds zu fliegen, die ich im letzten Jahr ausgesucht hatte, weil sie unterwegs hinreichend viele Notlandemöglichkeiten bietet, Grob: Donaueschingen, Titisee, Glottertal, Einflug in die Platzrunde von Freiburg aus Nordost über die Rotor-Einflugschneise.

Reisetagebuch: Vorbereitung / Anreise:
Die Vorbereitung war ja gut und der Plan nicht schlecht: ich wartete in Straßham bereits um 9:00 Uhr fix & fertig auf den Überflug von Chris, der aus Mühldorf kam. Vorfreude, „alte Bekannte“ zu treffen, meine erwartungsvolle Urlaubsstimmung und der immer wieder beeindruckende Kick des DF-02 beim Start versetzten mich in eine zuversichtliche Stimmung und Chris und ich flogen gemeinsam in Richtung 240 in einen sonnigen Sonntagvormittag, südlich vorbei an München in Richtung Starnberger See. Doch - wie sollte es anders sein - direkt über dem See, nach etwa 45 Minuten Flugzeit, kam es bei konstanter Leistungseinstellung plötzlich zu einem signifikanten Drehzahlabfall an meinem Hirth-Motor. Dieses Phänomen war mir schon im vergangenen Herbst hin und wieder aufgefallen, aber nach aufwändiger Fehlersuche, Austausch bzw. Reparatur einiger Kabel an der Motorelektronik und einem einstündigen Testlauf mit Startleistung am Boden ohne weitere Anzeichen einer Störung war ich überzeugt, das Problem sei behoben. Auch meine Flüge vor der Abreise zur Frankreich-Tour hatten keine Probleme aufgezeigt (waren aber alle kürzer als 45 Minuten gewesen).
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sich meine Stimmung in Sekundenschnelle vermieste: ich prüfte die einzelnen Zündkreise, änderte ständig die Stellung des Gashebels, um die Motorleistung aufrecht zu erhalten und erwog meine Optionen. Im Fluge konnte ich keine Lösung für das Phänomen mit der unzuverlässigen Leistungseinstellung finden, sondern nur durch ständiges Korrigieren einen permanenten Leistungsabfall verhindern. Auf keinen Fall wollte ich mit diesem Problem über dem Schwarzwald herumgondeln, geschweige denn in den Alpen fliegen. Auch eine weitere Stunde, um mich so nach Tannheim zu schleppen, erschien mir nicht angebracht: käme es zu einem vollständigen Motorausfall, würde mich jeder zu Recht als Trottel bezeichnen, nicht bei ersten geeigneten Gelegenheit gelandet zu sein. Also war eine Sicherheitslandung angesagt und zehn Minuten vor mir lag Kaufbeuren, wo ich zumindest jemanden am Platz kenne: Jochen Steinbeck von Rotortec.

Während all dieser Aktionen und Überlegungen hatte ich sicherheitshalber auch etwas Höhe gemacht, permanent nach geeignetem Notlande-Terrain gesucht und schließlich teilte ich Chris über Funk mit, dass ich eine Sicherheitslandung in Kaufbeuren machen würde und er ohne mich weiterfliegen solle.

Den Anflug auf Kaufbeuren legte ich zur Sicherheit sehr hoch an, da ich direkt in den Queranflug auf die Piste 20 steuerte, der über bebautem Gelände liegt. Doch bei einem Power-Setting deutlich unter der Reiseleistung muckte der Motor nicht mehr und so war die Landung absolut unspektakulär. Da ich die Landung am Funk als Sicherheitslandung deklariert hatte, war auch die fehlende Anfluggenehmigung (PPR!) kein Problem.

Jochen Steinbeck war nach einem Anruf von mir bereits eine halbe Stunde später vor Ort. Ich hatte mich inzwischen entschlossen, auf weitere hektische Reparaturversuche auf der Basis von Hypothesen zu verzichten (wo kriegt man Sonntags auch Ersatzteile her?) und die Tour durch Frankreich im Begleitfahrzeug oder – wo das möglich wäre – als Passagier zu begleiten. Also brachten wir meinen DF-02 in Jochen’s Hangar unter und ich kontaktierte meinen Freund Nick, der mich frühmorgens in die bayrische Pampa bei Straßham gefahren hatte, mich nun schleunigst aus dem schönen Kaufbeuren nach Hause zu holen.
Nachmittags begann für mich die Reise nach Frankreich ein zweites Mal, nun aber im Auto …
Chris hatte inzwischen – wie geplant – Freiburg erreicht. Ich stieß gegen 21:00 Uhr nach vier Stunden in dichtem Verkehr über den Schwarzwald mit großem Hallo in einem Lokal in der Freiburger Altstadt zur Truppe, und wenig später trafen auch Michael Obermaier (Tour-Organisator) und seine Partnerin Sabine (Echo-Klasse-Pilotin in Tragschrauber-Umschulung) ein. Ein netter Abend, der zu kurz wurde, weil es so viel zu planen und zu erzählen gegeben hätte …

...
"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Schlagschrauber

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Sunday, August 11th 2013, 2:47pm

Frankreichtour 2013 - Tag 1

Reisetagebuch: Tag 1:
Hatte ich gehofft, dass die präzise Planung der Reise weitere Komplikationen verhindern würde, so wurde ich am ersten Reisetag eines Besseren belehrt: (fast) alles, was schiefgehen konnte, ging auch schief! Quasi: Murphy hoch 2!

Pünktlich nach dem Frühstück traf anstelle des bestellten Mercedes Vito-Tour-Bus ein Ford Transit Kastenwagen als „Ersatz“fahrzeug ein. Allerdings: ohne Anhängerkupplung (und wie uns später in Südfrankreich schmerzlich bewusst wurde: auch ohne Klimaanlage und einem fehlenden Griff zum Öffnen des Schiebefensters!): ein Buchungsfehler des Vermieters.

Zu allem Unglück konnte weit und breit kein wirklich geeignetes Ersatz-Ersatzfahrzeug aufgetrieben werden. Die beste Notlösung des Mitarbeiters, der uns das Auto übergeben sollte und der wirklich alle Hebel in Bewegung setzte, um uns zu helfen und den Fehler eines Kollegen zu kompensieren (was im Grunde unmöglich war), war dann, am vorhandenen Ersatz-Fahrzeug auf die Schnelle eine Anhängekupplung nachzurüsten. Bereits gegen 16:00 Uhr, mit mehr als 6 Stunden Verspätung war der Bus (unser Gepäck- Taxi- und Tankfahrzeug) dann einsatzbereit und beladen. Die Piloten-Truppe schlug die Zeit im Flugplatzrestaurant „Mistral“ tot und starrte in den grauen Himmel, der uns das Schauspiel zahlreicher Variationen von Niederschlag gab.
2013-07-29 - Reisebeginn Freiburg - Weltuntergangsstimmung.jpg
16:00 Uhr - jetzt aber Tempo: das Wetter klarte von Westen her auf, die Maschinen waren betankt, und Besançon als Zwischenziel ausgegeben, wo wir allerdings mit etwa sechs Stunden Rückstand gegenüber dem Plan zügigst tanken müssten, um das Tagesziel Bellegarde (Hotel am See, Diner) noch vor Sunset zu erreichen.

Da ich den Flugplatz in Besançon kannte, war ich halbwegs zuversichtlich, dass wir den ersten Tag trotz aller Widrigkeiten plangemäß abschließen können würden und bei unserem ersten Diner auf der Seeterrasse des Hotels L'Embarcadère in Bellegarde sur Valsérine dem Rest der Tour viel entspannter entgegenblicken würden.

Doch 1. kommt es anders, und 2. als man denkt: irgendwann auf der Autobahn bei Montbéliard klingelt mein Telefon, Michael ist dran, berichtet von seiner Außenlandung querab der Strecke wegen Leistungsverlust am Motor (die exakte Ursache ist inzwischen ermittelt und behoben: ein Bruch des Kabels zwischen Spannungsregler und Batterie).
[attachment=4]<!-- ia4 -->1~1 - nach der Sicherheitslandung.JPG<!-- ia4 -->[/attachment]
Er gibt uns die GPS-Koordinaten, an denen wir ihn treffen würden. Sch…ande! Wir hatten im Begleitfahrzeug schon einen so schönen Vorsprung herausgefahren! Also: umdrehen, südlich der Autobahn die Koordinaten ansteuern und am Schluß mit Kastenwagen und Anhänger über matschige Feldwege hoppeln. Michael ist nicht zu finden. Aber er kört unsere Hupe! Er sieht einen Kirchturm, den wir von unserem Standort nicht finden können. Es ist nicht einfach: eine erneute Absprache und Korrektur der Koordinaten, ein neuer Feldweg, und ein dritter. Schließlich sehen wir den goldgelben DF-02 mit Michael zwischen zwei Maisfeldern.
[attachment=3]<!-- ia3 -->1~2 - Rotorstrike durch Regenbogen.JPG<!-- ia3 -->[/attachment][attachment=2]<!-- ia2 -->1~3 - der Experte.JPG<!-- ia2 -->[/attachment][attachment=1]<!-- ia1 -->1~4 - die restlichen Gendarmen.JPG<!-- ia1 -->[/attachment]
Da Michael per Funk den grenzüberschreitenden Flugplan in Langen aktiviert hatte und danach seine Außenlandung melden musste, wurden die Behörden in Zürich informiert, die informierten ihrerseits die französischen Behörden und so wurde Michael gebeten, vor Ort auf das Eintreffen der Gendarmerie zu warten und an seinem Fluggerät nichts zu verändern. Die Gendarmerie hätte uns natürlich auch nicht gefunden, wäre ich ihr nicht entgegengelaufen. Zwei nette, junge Beamte stellten dann fest, dass tatsächlich ein Luftfahrzeug auf einem Feldweg gelandet war und informierten die zuständige Gendarmerie de l'Air, die bereits 40 Minuten später eintraf und nun sachkompetent den gleichen Sachverhalt feststellte. Man gratulierte Michael zu seiner exzellenten Landung auf 20 Metern, ohne auch nur einen einzigen Maiskolben angekratzt zu haben. Und man bat ihn, nach der behördlichen Dokumentation (Abschreiten der Landestrecke, Fotos vom nicht vorhandenen Flurschaden und dem Tragschrauber, Mutmaßungen über die Ursache des Leistungsverlustes, Protokolle, …) zur Dienststelle zu folgen, um dort sein eigenes Protokoll aufzugeben. Michael brachte seine Maschine auf einem Bauernhof unter einem Scheunenvordach unter.

Inzwischen war der Rest der Truppe ( Rotax : Hirth => 5 : 0 ) nach einer regenschauerbedingten Zwischenlandung in Montbéliard nach Besançon weitergeflogen und saß dort ohne Taxi und Hotel an einem verwaisten Flugplatz. So schnell und so gut es ging, organisierte der Reiseleiter telefonisch Hotelzimmer und Taxi von Flugplatz in die Innenstadt. Von den Abenteuern in der Altstadt muss jemand anderes berichten, denn ich saß mit Sabine und Michael bis gegen 23:00 Uhr auf der Gendarmerie, wo ein umfassendes Protokoll erstellt wurde.

Fast entschuldigend erklärten die Beamten, dass der Papierkram eine Notwendigkeit sei wegen Drogenschmuggels und ähnlicher grenzüberschreitender Probleme. Ich kapier das zwar nicht so ganz an einer europäischen Binnengrenze (und die Schweiz ist ja auch kein „Dritte-Welt-Land“) und kann deshalb jedem Drogenschmuggler nur raten, keinen Flugplan aufzugeben, damit er nicht in die Mühlen der französischen Bürokratie gerät. Ich würde mangels Stauraum auch keinen DF-02 als Transportflugzeug wählen, nur so ganz nebenbei!

Wie immer auch: erst kurz nach Mitternacht traf die Transportcrew im Hotel ein, wo sie von einer erstaunlich lustigen Flieger-Truppe empfangen wurde, die gerade die teuersten Pizze ihres Lebens konsumiert hatten im letzten Restaurant, das ihnen nicht die Türe vor der Nase geschlossen hatte.
[attachment=0]<!-- ia0 -->1~5 - sooone Pizzas ham die da.JPG<!-- ia0 -->[/attachment]
Gepäckverteilung aus dem Gyro-Tour-Bus heraus, aufgrund des langen Tages und all der Aufregung kam es zu einem kurzfristig einberufenen Matratzenhorchdienst. Jeder übernahm dabei ein Zimmer! Nur die Reiseleitung teilte sich die Arbeit des Matratzenhorchens.

Für die, die statt Abendessen Gendarmerie-Protokolle auf dem Programm gestanden hatten, gab es noch mikrowellen-gewärmte Pizza, der man noch deutlich anmerkte, dass sie bereits beim ersten Garungsprozess und ohne Mikrowelle sehr gut geschmeckt haben muss. Sabine tröstet: „Alles wird gut!

...
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Schlagschrauber

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Sunday, August 11th 2013, 2:48pm

Frankreichtour 2013 - Tag 2

Reisetagebuch: Tag 2:
Der Tag beginnt mit typisch französischem Frühstück: Baguette, Croissant, Marmelade (oder doch Konfitüre?), einem Kaffee, dem ich durch meine Wahl nach schwarzem Tee entrinne.

Durch die Schicksalsschläge des Vortages mental gestärkt blicken wir optimistisch auf das bestens geeignete Flugwetter und die fliegerischen Herausforderungen des kommenden Tages. Schnell noch mal so 200 Liter „Super 98 sans plomb“ in die zahlreichen Kanister mit 20, 25 und 30 l Inhalt tanken (wir sind uns nicht ganz sicher bezüglich der Alkoholbeimengungen im französischen 95-Oktan-Benzin, die möglicherweise über 5% liegen), und dann ab zum Flugplatz.
[attachment=14]<!-- ia14 -->2~01 - auf dem Weg zum Hangar.JPG<!-- ia14 -->[/attachment][attachment=13]<!-- ia13 -->2~02 - Preflight Check.JPG<!-- ia13 -->[/attachment][attachment=12]<!-- ia12 -->2~03 - Preflight Check.JPG<!-- ia12 -->[/attachment][attachment=11]<!-- ia11 -->2~04 - ich per Anhalter.JPG<!-- ia11 -->[/attachment]
Norbert hat mir angeboten, das kommende Leg als Passagier mit ihm zu fliegen, und Volkmar leiht mir den Helm seiner Frau, den er mitführte. Nur mit der Kompatibilität der COM-Systeme innerhalb der MTOsport-Flotte hapert es ein wenig, denn trotz identischer Steckverbindungen muss Norbert an der Eingangsempfindlichkeit seines InterComs drehen und trotzdem wird mein Mikro nur dann aufgeschaltet, wenn ich aus Leibeskräften hineinbrülle – absolut ungewohnt.

Ich habe zwar seit dem letzten Jahr einige Kilo abgespeckt, aber trotzdem packt mich das schlechte Gewissen, Norbert eine Menge Ballast aufzuhalsen und dadurch seine Reichweite zu reduzieren. So lasse ich jedes entbehrliche Gewicht(chen) im Begleitfahrzeug.

Ich merke beim Start, dass der MTOsport sich noch müder vom Boden löst, als ich es in Costa Rica erlebt hatte. Auch Norbert macht eine diesbezügliche Bemerkung, die ich mir ausdrucken und an die Kühlschranktür heften werde. Doch auch die Steigleistung ist so bescheiden, dass ich den Rest der Formation (Norbert und ich waren bei diesem Flug in Position 1) beim Abflug hinten über uns sehe. Die navigatorischen Herausforderung auf diesem Leg ist anfangs das Timing, denn die militärischen Tieffluggebiete, die wir passieren müssen und die nicht bis zum Boden reichen, sind zu gewissen Zeiten inaktiv. Mit Planung und etwas Glück treffen wir die inaktiven Zeiten aller für uns relevanten Beschränkungsgebiete, umflogen jene, die wir nicht durchqueren durften, und befanden uns schließlich im Anflug auf die Alpen und deren erste größeren Ausläufer.

Hin und wieder machen sich Hangaufwinde und das Einsetzen einer leichten Thermik bemerkbar. Alles noch unspektakulär, ... sozusagen piano.

Für einen Piloten ist es etwas seltsam, mal nichts zu tun zu haben und die Landschaft in aller Muße betrachten zu können. Anhand der Wolkenschatten und deren Bewegung auf der Landschaft und insbesondere in der Nähe von Objekten, deren Längen ich abschätzen konnte, war ich mir des Gegenwinds und seiner Stärke auf einem Großteil der Stecke bewusst, und kontrollierte still und heimlich anhand der Flugzeit und der Wendepunkte, dass immer alles im „grünen Bereich“ war. (Sorry, Norbert: das war kein Misstrauen, nur meine Routine, die ich nicht unterdrücken konnte. So wie ein Beifahrer „mitbremst“.)

Im Anflug auf Bellegarde setzte Norbert eine Meldung per Funk ab, ..., keine Antwort. Ich versuchte dann nochmals, auf französisch brüllend, eine Anflugmeldung abzusetzen, ..., doch wiederum keine Antwort.

Hatten wir die ganze Zeit Wind aus südlichen Richtungen gehabt, machte ich mir um die Frage der Landerichtung: 01 oder 19 eigentlich keine Gedanken. Und so hab ich auch dem Norbert zugerufen, dass ich die 19 nehmen würde. Doch die Windverhältnisse in den Bergen haben so ihre Besonderheiten und so konnten die beiden Piloten, die zum Zweck der Einweisung in die Alpen im Allgemeinen und Megève im Besonderen vor uns mit einem Motorsegler am Platz eingetroffen waren und auf uns warteten, fünf astreine Rückenwindlandungen begutachten. Sie waren so freundlich, uns zu unterstellen, dass dies eine Übung für eine mögliche Rückenwindlandung in Megève gewesen sei.

Da das Begleitfahrzeug mit Michael und Sabine noch mindestens zwei Stunden brauchen würde, nutzten wir die Zeit zu einem ausgiebigen Briefing in drei Sprachen: Französisch => Englisch => Deutsch. Die beiden erfahrenen Bergpiloten teilten uns mit, dass sie an der Spitze der Formation vorausfliegen würden (sie hatten keine Vorstellung über die Airspeed eines Gyrocopters) und dann von oben den Anflug der Tragschrauber in die sehr spezielle Platzrunde beobachten bzw. koordinieren würden. Eine Landung (bwz. ein Start) in Megève sei mit ihrem Motorsegler nicht möglich und sie würden nach getaner Arbeit weiter nach Hause fliegen, erklärten uns die beiden.

Voller Ungeduld warteten wir in sengender Mittagshitze auf Michael und Sabine, die den erforderlichen Treibstoff für Maschine & Mensch brachten. Wie es Sabine während der Fahrt geschafft hatte, unsere Baguettes mit den regionalen französischen Köstlichkeiten (Wurst, Schinken, Käse, Rillettes de Canard, Pasteten, Butter, Gurken & Tomaten, …) zu belegen, ohne sich dabei mit dem Messer zu verstümmeln oder das Auto nachhaltig zu beschmutzen bleibt mir ein Rätsel.
[attachment=0]<!-- ia0 -->Nektar und Ambrosia.JPG<!-- ia0 -->[/attachment]
Interessant ist in einem solchen Fall auch, seine Fliegerkameraden zu beobachten: es bilden sich zwei Gruppen: die, die erst tanken und dann essen und die, die es umgekehrt machen. Komisch, mit welch unnützen Überlegungen sich der Geist quasi „im Leerlauf“ beschäftigt, wenn er nichts Wichtigeres zu tun hat.

Leider kann mir Norbert angesichts der erforderlichen Flughöhen, Steigleistungen und der Landebahn mit Steigung nicht anbieten, auf diesem Leg mitzufliegen. Und ich hätte es auch nicht gewollt. So blieb der um zwei Personen gewachsenen Bodenmannschaft, Sabine, Michael und mir, die Zeit, einmal alle Maschinen beim Start zu fotografieren und zu beobachten, wie sich alle Tragschrauber hinter den Motorsegler setzten.
[attachment=10]<!-- ia10 -->2~05 - vor dem Start im Verband.JPG<!-- ia10 -->[/attachment][attachment=3]<!-- ia3 -->2~06 - Chris.JPG<!-- ia3 -->[/attachment][attachment=9]<!-- ia9 -->2~07 - Volkmar.JPG<!-- ia9 -->[/attachment][attachment=8]<!-- ia8 -->2~08 - Norbert.JPG<!-- ia8 -->[/attachment][attachment=2]<!-- ia2 -->2~09 - Ralf, im Auftrag Ihrer Majestät.JPG<!-- ia2 -->[/attachment][attachment=7]<!-- ia7 -->2~10 - Ralf.JPG<!-- ia7 -->[/attachment]
Der Flug muss einzigartig gewesen sein! Als wir nach einer anstrengenden Autofahrt deutlich später als die fliegende Truppe am Flugplatz Megève eintrafen, rauchten Volkmar und Chris stolz Zigarillos und die Begeisterung war in ihren Gesichtern abzulesen. Alle Piloten grinsten wie Honigkuchenpferde. Sie berichteten von den Eindrücken in den Bergen, der Annäherung an Hangkanten (wo der vertikale Mindestabstand zum Grund auch noch dann gegeben ist, wenn man recht nahe neben dem Fels fliegt), Turbulenzen, Hangaufwinde.

Offensichtlich war die Tatsache, dass man bei Tragschraubern mit einer Sinkrate von zwischen 1 : 2.5 bis 1 : 4.5 rechnen muss und deshalb manche Passagen des gewählten Flugwegs ein wenig „unsafe“ waren, den vorausfliegenden Motorseglerpiloten nicht bewusst (Da hätten wohl wir sie besser briefen müssen!).

Allen war die schwierige Landung ohne der Möglichkeit durchzustarten gelungen und wir waren unter anderem auch stolz, mit unserem Reiseprogramm wieder im Plan zu sein mit der Aussicht auf mehrere Tage stabiles Hochdruckwetter.
[attachment=1]<!-- ia1 -->2~12 - Volkmar in Megeve.JPG<!-- ia1 -->[/attachment][attachment=6]<!-- ia6 -->2~13 - Peter in Megeve.JPG<!-- ia6 -->[/attachment][attachment=5]<!-- ia5 -->2~14 - Norbert und Chris in Megeve.JPG<!-- ia5 -->[/attachment][attachment=4]<!-- ia4 -->2~11 - erleichterter Reiseveranstalter.JPG<!-- ia4 -->[/attachment]
Und in dieser grandiosen Landschaft einen weiteren Tag verbringen zu können. Zum Abschluss werden wir von der Rundflug-, Restaurant- und Flugplatz-Betreiberfamilie noch eingeladen auf ein interessantes Mischgetränk. Ingredienzien sind u.a. Fruchtsaft, Alkohol und Vanilleschoten. Zuerst hatte ich vermutet, all die schwarzen Punkte in dem Drink wären Insekten oder deren pürierte Überreste, aber ab dem Moment, in dem ich wusste, dass das die Kerne der Vanilleschoten waren, schmeckte mir dieser Cocktail, den dort die Piloten am Ende des Tages trinken, ausgezeichnet.

Nach der Übernahme von Gepäck und Zimmern im Ort unterhalb des Flugplatzes machten wir uns zu Fuß auf zum ersten richtigen Menü dieser Tour. Ich war sehr angetan von den drei Gängen, gab es doch als Vorspeise Foie Gras du Canard (Entenstopfleber), nicht nur meine Leibspeise, sondern auch die von Peter. Nur ein einziger „Kulturbanause“ klassifizierte diese Köstlichkeit als „Leberwurst“-Variante … in nenne keine Namen!

Satt und zufrieden („ Alles wird gut! “), nicht Böses ahnend, kehrten wir nach ereignisreichem Tag zurück in unsere Kemenaten, und drei Piloten nahmen sich von den Trinkwasserflaschen, die im Foyer aufgestellt waren, einen Vorrat für die Nacht mit.

...
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  • 2~01 - auf dem Weg zum Hangar.JPG
  • 2~02 - Preflight Check.JPG
  • 2~03 - Preflight Check.JPG
  • 2~04 - ich per Anhalter.JPG
  • 2~05 - vor dem Start im Verband.JPG
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  • 2~08 - Norbert.JPG
  • 2~10 - Ralf.JPG
  • 2~13 - Peter in Megeve.JPG
  • 2~14 - Norbert und Chris in Megeve.JPG
  • 2~11 - erleichterter Reiseveranstalter.JPG
  • 2~06 - Chris.JPG
  • 2~09 - Ralf, im Auftrag Ihrer Majestät.JPG
  • 2~12 - Volkmar in Megeve.JPG
  • Nektar und Ambrosia.JPG
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Schlagschrauber

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Sunday, August 11th 2013, 2:48pm

Frankreichtour 2013 - Tag 3

Reisetagebuch: Tag 3:
In kleinen Grüppchen treffen wir beim Frühstück ein und die Wassertrinker beschweren sich über den furchtbaren Geschmack der Plörre aus den Mineralwasserflaschen von der Hotelbar. Die Ursache ist schnell geklärt: der Wirt hatte diese Flaschen nur als Demonstrationsobjekte gedacht, um zu zeigen, was man in der Bar hätte bestellen können, wenn sie noch offen gewesen wäre.
Und um zu vermeiden, dass Gäste diese Flaschen verwenden, hatte er sie einfach mit Seifenwasser gefüllt. Darauf war auch in einem ausschließlich in Französisch verfassten und hinreichend gut versteckten Hinweisschildchen hingewiesen worden. Ein typischer Fall von „Kleingedrucktem“.

Nun: wer den Schaden hat, braucht auch unter Freunden für den Spott nicht sorgen … weiter will ich das Thema hier gar nicht ausführen!

Getreu dem Motto: Sind wir wieder gut miteinander? – Von mir aus, aber der Hass bleibt!

Hinauf zum Flugplatz, der oberhalb der Stadt liegt. Wer einen Tragschrauber hat, bereitet ihn auf einen Rundflug in großer Höhe vor.
[attachment=19]<!-- ia19 -->3~03 - Peter beim Start.JPG<!-- ia19 -->[/attachment][attachment=18]<!-- ia18 -->3~04 - Chris.JPG<!-- ia18 -->[/attachment][attachment=9]<!-- ia9 -->3~05 - Volkmar.JPG<!-- ia9 -->[/attachment][attachment=0]<!-- ia0 -->Ralf am MontBlanc-1200.jpg<!-- ia0 -->[/attachment][attachment=17]<!-- ia17 -->3~06 - Peter zur Landung.JPG<!-- ia17 -->[/attachment][attachment=8]<!-- ia8 -->3~07 - Chris schleppt seinen Xenon den Berg hinauf.JPG<!-- ia8 -->[/attachment]
Und wer keinen hat, der bucht sich beim ortsansässigen Rundflüge-Familienclan eine Tour.
[attachment=21]<!-- ia21 -->3~01 - Start in Megeve.JPG<!-- ia21 -->[/attachment][attachment=20]<!-- ia20 -->3~02 - ... und die Landung.JPG<!-- ia20 -->[/attachment][attachment=7]<!-- ia7 -->3~08 - die anderen Drehflügler vor Ort.JPG<!-- ia7 -->[/attachment]
Michael arrangiert für Sabine, dass sie ihr Flugzeug auch selbst steuern darf, und ich dachte, ich hätte ein vergleichbares Arrangement getroffen, muss dann aber später im Flugzeug feststellen, dass es gar kein Doppelsteuer hat. Vielleicht hätte ich damals in der Schule eventuell doch besser Französisch statt Latein gewählt?

Dumm gelaufen, aber so hatte ich zumindest die Gelegenheit, dutzende Fotos zu knipsen von einem absolut nicht mehr zu steigerndem 40-Minuten-Flug durch Hochgebirgstäler, über Gletscher, entlang von Felswänden und über Firnfelder, auf denen scheinbar ameisengroße Bergsteiger und ihre Spuren auszumachen sind.
[attachment=6]<!-- ia6 -->3~09 - nach dem Start.JPG<!-- ia6 -->[/attachment][attachment=5]<!-- ia5 -->3~10 - nordwestlich von Chamonix.JPG<!-- ia5 -->[/attachment][attachment=4]<!-- ia4 -->3~11 - Gletscher.JPG<!-- ia4 -->[/attachment][attachment=3]<!-- ia3 -->3~12.JPG<!-- ia3 -->[/attachment][attachment=16]<!-- ia16 -->3~13.JPG<!-- ia16 -->[/attachment][attachment=15]<!-- ia15 -->3~14.JPG<!-- ia15 -->[/attachment][attachment=14]<!-- ia14 -->3~15.JPG<!-- ia14 -->[/attachment][attachment=2]<!-- ia2 -->3~16 - Bergsteiger.JPG<!-- ia2 -->[/attachment][attachment=13]<!-- ia13 -->3~17.JPG<!-- ia13 -->[/attachment][attachment=12]<!-- ia12 -->3~18 - Refuge du Requin links unten.JPG<!-- ia12 -->[/attachment]
Der Pilot ist ein junger Kerl, der diese Tour wohl sechsmal am Tag und sieben Tage die Woche durchführt. Die Maschine brummelt mit ihren 180 PS beruhigend vor sich hin. Die Steig- und Sinkflugstrecken sind für jede Streckenführung optimiert. Bevor er in über einen Gletscher oder in ein Hochtal einfliegt, funkt er, ob jemand drinnen ist. Er kennt hier jede Almhütte, jeden Berggipfel, jede Stromleitung oder Seilbahn. Auch Start und Landung: offensichtlich alles ganz easy, wenn man es hunderte Male gemacht hat!
[attachment=11]<!-- ia11 -->3~19 - Anflug auf Megeve.JPG<!-- ia11 -->[/attachment][attachment=1]<!-- ia1 -->3~20 - auf der Piste oder auf der Schnauze landen.JPG<!-- ia1 -->[/attachment][attachment=10]<!-- ia10 -->3~21 - Landung in Megeve.JPG<!-- ia10 -->[/attachment]
Ich weiß noch nicht wie, ob mit meinem DF-02 (wenn ich seinem Motor wieder trauen kann) oder einem anderen Fluggerät, ob mit Michael oder ohne (nach meinem Französisch-Kurs in der Volkshochschule), aber hierher werde ich sicherlich noch einmal kommen! Um selber zu fliegen!

Heute Abend hat Michael unser Diner in einem sehr vornehmen Schuppen gebucht. Wir sitzen im Freien zwischen auf Almhütten getrimmten Häusern. Hatte ich schon erwähnt, dass es sehr warm war? Zumindest bevor es Nacht wurde.

Ich genieße jeden Gang und habe nette Tischgespräche mit jenen, die nicht gerade eine Zigarette rauchen oder telefonieren gehen. Trotz guter Motivation und charakterlich tief verankerter Freude am Essen scheitere ich fast am Dessert-Buffet – allerdings ersetze ich dann die Crème brûlée einfach durch eine etwas leichtere Topfen(= Quark)-Obst - Creme. Voila - Mission erfüllt!

Heute Abend sind die Seifenwasserflaschen sicherheitshalber vom Hotelbesitzer entfernt worden.

Alles ist gut!

...
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"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

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Sunday, August 11th 2013, 2:49pm

Frankreichtour 2013 - Tag 4

Reisetagebuch: Tag 4:
Abermals schönes Flugwetter, wahrscheinlich ist einiges an Turbulenz zu erwarten. Aber über die weitere Streckengestaltung gibt es bei der Flugvorbereitung unterschiedliche Vorstellungen.
Doch im Grunde genommen ist es ja weder vorgeschrieben noch notwendig, immer im Pulk zu fliegen. So ist die Situation für alle zufriedenstellend zu lösen: Ralf wählt die Variante, über L'Alp d'Huez zu fliegen, der Rest der Piloten entscheidet sich für einen Direktflug nach Grenoble le Versoud.

Diesmal beobachten wir „Tour-Bus-Fahrer“ den Start nicht: denn wir brauchen jede Menge Vorsprung zum Tanken von Bus und MOGAS-Kanistern und für die extrem kurvenreiche, gebirgige und mit LKWs, Wohnmobilen und Wohnwagen-Gespannen verstopfte Strecke durch die letzten Schluchten der Hochalpen. Hinzu kommt, dass ein Gutteil dieser Wege nur unteres Landstraßen-Niveau erreicht: Gegenverkehrsbereiche, Fahrbahnschäden, unbefestigte Banketten, fehlende Markierungen. Doch wenn man all das auf Französisch liest, klingt es nur halb so schlimm. Mein Favorit ist: „chaussée déformée“. Klingt wie ein Stabreim: „Du bist - Buddhist“.

Am Ende ist der Lohn für diese Quälerei auf der Straße eine absolut hinreißende Landschaft! Es wäre wunderbar, hier mal mit Muße (und einem Französisch-Wörterbuch) ohne Zeitvorgabe durch die Gegend zu fahren und Land und Leute zu erkunden.
Bislang war dieser Teil Frankreichs für mich „Terra Incognita“, also ein weißer Fleck auf meiner persönlichen „Landkarte“ gewesen. Doch auch jetzt kenne ich leider nur das, was man von den Straßen aus bei Tempo 30 bis 120 km/h sehen kann.

Unterwegs, auf der Strecke zwischen Autobahn und Flughafenzufahrt sehen wir unsere Formation aus 4 Tragschraubern im Endanflug auf Grenoble. Doch bis wir wegen missverständlicher Navigationsanweisungen endlich am Parkplatz eintreffen, sind die vier Maschinen schon gelandet.
Bis auf Ralf. Doch gegen Ende unseres Picknicks im Stehen ist der MTOsport mit dem 914er Rotax und der James Bond-Bemalung auszumachen (erst nur akustisch, dann auch visuell). Ralf fliegt in großer Höhe über den Platz, landet dann flott und rollt zur Abstellfläche. Er hüpft wie ein Springteuferl aus seiner Maschine, umarmt Michael und kann seine Begeisterung kaum in Worte fassen: l'Alp d'Huez war für ihn der absolute Höhepunkt der Alpenetappe. Fliegerisch eine Herausforderung, trotz Sprachbarriere hatte er keine Probleme, traf sehr nette Leute am Platz, die ihn spontan auf einen Grillabend eingeladen hätten, wäre da nicht der strenge Reiseplan gewesen.
[attachment=2]<!-- ia2 -->5~01 - von Hitze gezeichnet.JPG<!-- ia2 -->[/attachment][attachment=1]<!-- ia1 -->5~02 - in Grenoble.JPG<!-- ia1 -->[/attachment]
Ralf tankt sofort, isst nicht viel und so könnten die fünf verbliebenen Maschinen zügig abheben in Richtung Sisteron. Wäre da nicht der administrative Kram!
Die schriftliche Genehmigung jeder einzelnen Maschine, die Wochen vorher zu beantragen und dann im Original mitzuführen ist (!), reicht noch nicht ohne eine zeitnahe telefonische Rücksprache mit der Flugleitung vor Ort. Doch die ist nicht zu erreichen. Unter der in den Anflugblättern und den sonstigen Dokumenten angegebenen Telefonnummer meldet sich niemand, es gibt keine veröffentlichte Festlegung, wie in diesem Fall zu verfahren ist und keine andere Flugsicherheitsstelle erklärt sich für kompetent oder zuständig.
Michael als Organisator ist hart gefordert und wäre fast verzweifelt, da er in Sisteron niemanden erreicht und seine Kunden bei brüllender Hitze untätig in einem unzureichend klimatisierten Flugvorbereitungsbereich des lokalen Aero-Clubs sitzen und frustriert zu murren beginnen. Klar, bei den Temperaturen!
Ich mag mir ja gar nicht vorstellen, die das ohne Schatten und Klimaanlage ausgesehen hätte!

Irgendwann fällt dann die Entscheidung zum Abflug nach Sisteron. Michael fliegt in einem Xenon mit, falls im Anflug oder nach der Landung Diskussionen und französische Sprachkenntnisse erforderlich werden sollten. Die Entscheidung zum Abflug war richtig gewesen: die Telefonnummer des Sisteron-Turms war wegen minimalen Flugbetriebs auf die Fliegerkneipe umgeschaltet, doch die Wirtin hatte bis gegen 16:00 Uhr Besorgungen und so war das Telefon einfach stundenlang unbesetzt! Was für eine Diskrepanz zwischen dem administrativen Anspruch und der Realität!

Der Flugplatz in Sisteron ist ein wahres Eldorado für Segelflieger. Dort gibt es mehr als 300 Sonnentage im Jahr und recht vorhersehbare Windverhältnisse. Man trifft dort mehr deutsche Piloten als an den meisten anderen Flugplätzen in Frankreich. Doch mir als Mitfahrer im Auto blieb vor allem das dringend benötigte kühle Bier auf der schattigen Gasthausterrasse in Erinnerung.

Sisteron zeigt, von Norden kommend, seine beeindruckende Zitadelle. Doch die wollte ich mir für den folgenden Ruhetag aufheben, denn schon während der Einfahrt in das hübsche Städtchen hörte ich laut und deutlich die kühle Dusche in meinem Zimmer nach mir rufen.

Doch vorher erwartete uns eine Überraschung: Kathi, die Ehefrau von Volkmar, die uns auf der Gyro-Tour im vergangenen Jahr begleitet und die diesmal ihre Teilnahme abgesagt hatte, saß unerwartet mit ihrer Freundin Bettina im Cafe vor unserem Hotel. Zunächst eine Begrüßung mit ganz großem Bahnhof! Die beiden Frauen hatten sich vorgenommen, als Überraschung ihren Urlaub an die von Michael geplante Tour ab Sisteron über Avignon bis nach Montpellier mehr oder minder anzugleichen. Eine reizende Idee, doch in der Praxis hat der der Spagat zwischen vorbereiteten Events und der unerwartet notwendigen Flexibilität nicht so ganz geklappt, zum Beispiel bei Tischreservierungen.
In Analogie zu Schrödingers Katze könnte man hier von Schrödingerschen Reisebegleitern sprechen. Und so ging es etwas drunter und drüber. Bedauerlicherweise konnte ich mich nicht einmal mehr persönlich verabschieden.

Unser Diner an diesem Abend fand jedoch ohne Komplikationen im Freien vor dem Restaurant des Hotels in etwas größerer Runde statt. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was ich im Detail so alles aß, aber ich denke, dass Foie Gras und Jakobsmuscheln den Anfang und Variationen der Crème brûlée das Ende bildeten. Doch: wenn ich die Augen schließe und mich konzentriere, kann ich es noch schmecken!

P.S.: Wenn ich irgendwo Koordinaten lese, werde ich neugierig! Doch wie kommst Ralf ohne seine "Little Nellie" in die Altstadt von Istanbul? Muss wohl im Auftrag Ihrer Majestät gewesen sein ...
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Sunday, August 11th 2013, 2:49pm

Frankreichtour 2013 - Tag 5

Reisetagebuch: Tag 5:
Heute war die Besichtigung Sisterons am Vormittag und Baden in einer Schlucht am Nachmittag angesagt. Neben Avignon, dem einzigen Tag, an dem 100% der Piloten nicht geflogen sind, waren es heute 80%, die auf die Fahrt zum Flugplatz verzichteten und einen Tag Urlaub im Urlaub nahmen. ;)
Nur unser Ralf, der "Überflieger" (ich bezeichne ihn hier so im Speziellen wegen der von ihm bevorzugten Reiseflughöhe knapp unterhalb einer stabilen Umlaufbahn), der Mann, der zuerst seine "Little Nellie" akribisch versorgt und erst danach an sich selbst denkt, unternahm einen 2.5 Stunden-Flug über Sisteron und die einzigartigen Klippen und Steilwände in der Umgebung. Wie immer hat er dabei jede Menge UL-Flugplätze ausgemacht, mehr, als in den Karten verzeichnet sind. Und allemal mehr, als wir hier in Deutschland haben. Er kehrte auch von diesem Flug mit diesem euphorischen Gesichtsausdruck zurück und machte uns scharf mit dem Hinweis auf die tollen Videos, die er bei seinem Soloflug gemacht hat. Wenn sich einer die Alpen voll gegeben hat, dann unser "Ralle Bond"![attachment=11]<!-- ia11 -->(C) Ralf - Sisteron-01-1.jpg<!-- ia11 -->[/attachment][attachment=10]<!-- ia10 -->(C) Ralf - Sisteron-02-1.jpg<!-- ia10 -->[/attachment][attachment=9]<!-- ia9 -->(C) Ralf - Sisteron-03-1.jpg<!-- ia9 -->[/attachment][attachment=8]<!-- ia8 -->(C) Ralf - Sisteron-04-1.jpg<!-- ia8 -->[/attachment][attachment=7]<!-- ia7 -->(C) Ralf - Sisteron-05-1.jpg<!-- ia7 -->[/attachment][attachment=6]<!-- ia6 -->(C) Ralf - Sisteron-06-1.jpg<!-- ia6 -->[/attachment][attachment=5]<!-- ia5 -->(C) Ralf - Sisteron-07-1.jpg<!-- ia5 -->[/attachment][attachment=4]<!-- ia4 -->(C) Ralf - Sisteron-08-1.jpg<!-- ia4 -->[/attachment][attachment=3]<!-- ia3 -->(C) Ralf - Sisteron-09-1.jpg<!-- ia3 -->[/attachment][attachment=2]<!-- ia2 -->(C) Ralf - Sisteron-10-1.jpg<!-- ia2 -->[/attachment][attachment=1]<!-- ia1 -->(C) Ralf - Sisteron-11-1.jpg<!-- ia1 -->[/attachment][attachment=0]<!-- ia0 -->(C) Ralf - Sisteron-12-1.jpg<!-- ia0 -->[/attachment]
Leider hatte ich mir im Vorfeld der Reise einen höchst spannenden Krimi auf meinen funkelnagelneuen E-Book-Reader heruntergeladen. War ich am Abend zuvor aus Erschöpfung über dem Display eingeschlafen, wurde die Handlung schlagartig so spannend, dass ich mich nun kaum noch bremsen konnte. Ich machte den Kindle Paperwhite zu meinem Vademecum und steckte in jeder freien Minute meine Nase rein.

Also auch im Bett vor dem Aufstehen, vor und nach dem Frühstück, und auch während des Spaziergangs durch das pittoreske Städtchen hatte ich das E-Book in der Hosentasche dabei.

Ich entschied mich, lieber auf einer Steintreppe unter einem kühlen Baum zu sitzen als im prallen Sonnenschein Sightseeing zu betreiben. Mit einem wunderbaren Ausblick über die Dächer der alten Häuser hockte ich lesend herum, statt in der alten Zitadelle, an deren äußerer Mauer mein Rücken lehnte, in der Vormittagshitze herumzuklettern. :oops:

Später ging ich dann in eines der Cafes im Freien - richtig - um dort weiterzulesen!

Selbst zu unserem Ausflug zum Wildbach, der Méouge, einem Seitenflüsschen der Buech, in einer malerischen Schlucht konnte ich nicht auf mein Buch verzichten. Die Zeit am und im Wildwasser, Stromschnellen, Felsspalten, … wurde mir nicht zu lang. Obwohl dieser wunderbare Ort heutzutage etwa als Geheimtipp auf einer Stufe mit dem Eiffelturm in Paris oder der Freiheitsstatue in New York zu rangieren scheint. Zu Recht! Erst am späteren Nachmittag wurde ich endlich etwas „mutiger“ und traute mich, an den engeren Stellen (= tieferes Wasser) in die Strömung zu springen und mich an die flacheren Stellen (= langsameres Wasser) treiben zu lassen oder in von der Strömung ausgewaschenen, moos-glitschigen Kuhlen festzukrallen. Doch mit „Mut“ hatte das im Grunde nichts zu tun, denn ganze Familien und selbst kleine Kinder machten mir vor, dass meine Vorsicht offensichtlich übertrieben war.

In Österreich würde man nach stundenlangem Baden in einem derartig schnellen Gewässer direkt aus den Bergen vermutlich erfrieren, hier hatte das Wasser hingegen geschätzte 28°C. Wegen meines Krimis saß ich so lange unter einem Felsüberhang in einem schattigen Bereich, dass mir der obligate Sonnenbrand erspart blieb. :thumbup: Und meine Füße furchtbar fest einschliefen. :thumbdown:

So bekam ich auch nichts von der Aktion mit, als ein ganz Großer aus unserer Reisegruppe zwischen großen Felsen in einen heftigen Strudel geriet, in dem das Wasser wegen zahlreicher hineingesprudelter Luftbläschen deutlich weniger als gewohnt trägt und aus dem er sich erst nach einigen Schrecksekunden befreien konnte. Doch dieses Ereignis blieb nicht die einzige Gelegenheit, als Gyro-Tour-Teilnehmer kräftig Wasser zu schlucken (siehe etwas weiter unten in Montpellier und an der Ardêche).

Abends wurde der Tisch zu unserem Menü leider im Inneren des Restaurants gedeckt und das Einschalten der Klimaanlage vergessen. Fast hätte ich mir kühleres, schlechteres Wetter gewünscht!

Doch auch dieses zweite 3-Gänge-Menü in Sisteron abends im Hotel war wiederum ein Höhepunkt am Ende eines schönen Tages. Es fällt mir nachträglich schwer, das beste Menü dieser Tour zu benennen, weil jeder Abend neue Überraschungen für den Gaumen, neue Variationen oder Spezialitäten bereithielt. In Analogie zum berühmten Spruch des weisen Fußballtrainers Sepp Herberger möchte ich festhalten: Nach dem Menü ist vor dem Menü. Und das nächste Menü ist jeweils das Beste.

Gott sei Dank habe ich vor dem Einschlafen das Ende des Krimis erreicht und war ab sofort wieder jederzeit ansprechbar.

"Alles wird gut!"

(In eigener Sache, Reisekollegen: Dieser blöde Krimi ist vermutlich schuld, dass ich meine Kamera zwar überall mitgenommen habe, aber am ganzen Tag kein einziges Foto geschossen habe. Wenn mir einige schöne Bilder mailt, kann ich sie nachträglich in den Text einbetten)

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Sunday, August 11th 2013, 2:50pm

Frankreichtour 2013 - Tag 6

Reisetagebuch: Tag 6:
An diesem Samstagmorgen sollte der Flugweg die fünf verbliebenen Tragschrauber von Sisteron nach Fayence und später, am Nachmittag, in Richtung Avignon führen. Doch diverse Wetter-Apps auf Systemen, die ich unter dem Begriff „iScheiß“ (1) zusammenfasse, ließen vermuten, dass dabei eine Regen- oder Gewitterfront zwischen Sisteron und Avignon zu durchfliegen sein würde.

Mächtige Wolkensysteme waren auch in der nicht-virtuellen Realität am westlichen Horizont auszumachen. Aus diesem Grund wurde bei den Piloten lange diskutiert, wie die zwei heutigen Legs anzulegen wären, aber schlussendlich erwies sich der ursprüngliche Plan von Michael als die vermutlich beste Variante: zuerst nach Süden, nach Fayence, dann (nach der Front oder um sie herum?) nordwestlich nach Avignon.

Für die Begleitfahrzeugfahrer hatte diese in der Luft nur 130 km lange erste Etappe ihren ganz besonderen Reiz: die Fahrzeiten waren bei der Vorbereitung eklatant unterschätzt worden!

Irgendwie war das Routenplanungssystem im Internet von viel schnelleren Verbindungen ausgegangen als das Navi im Fahrzeug, das uns immer öfter auf abenteuerlich enge Straßen lotste. Schlimmer noch: Armadas von Wohnmobilen (eigentlich waren es nur drei, aber egal: man konnte sie ja nicht überholen!) und LKWs quälten sich über die gleichen Wege wie wir. In Zeeiiiitttttlllllllllluuuuuppppppeeeeeeee!

In einer Ortschaft knapp vor dem Flugplatz Fayence wurde es schließlich so eng, dass wir den Spiegel anklappten mussten und im Falle des Falles eine Frontscheibe hätten einschlagen müssen, um zwischen den uralten Steinhäusern aus dem Kastenwagen aussteigen zu können (o.k. – das war jetzt etwas übertrieben, denn hinten hat der Bus ja eine Tür, die man meist öffnen kann, wenn der Anhänger nicht zu quer steht).

Der Höhepunkt an Unverfrorenheit: nachdem das Navigationssystem uns so tief in die Patsche geritten hatte, tut es so, als verlöre es urplötzlich den Empfang und macht danach ganz auf unschuldig: „Keine Ahnung, wo ihr jetzt seid, wo ihr herkommt und wie ihr da wieder herauskommen werdet“. Noch ein Glück, dass zumindest hier kein Campingbus vor uns war!

Als wir nach anstrengender, pausenloser Fahrt (Hatte ich schon erwähnt, dass das Auto nur laut Vertrag eine Klimaanlage hatte und das Fenster hinten nicht geöffnet werden konnte?) den Flugplatz in Fayence gegen 14:30 Uhr endlich - und auch noch querfeldein über eine verbotene Zufahrt - erreicht hatten, war das ersehnte Flugplatzrestaurant „le vol à voile“ (was so viel wie „Segelflug“ bedeutet) leider schon am Zusperren. Hämisch grinsend – so mein durch Hunger und Durst geprägter subjektiver Eindruck, verließ das Personal das Etablissement. Man muss meine aufkeimende Bereitschaft zu einem Amoklauf erkannt haben, denn man versuchte, mich durch ein Stück Aprikosenkuchen (= Marillenkuchen) zu besänftigen. (Hatte ich schon erwähnt, dass ich während der Tour 1.5 kg abgenommen habe?).

Im Grunde neige ich weder zu Neid noch Missgunst, aber diesmal war ich knapp davor. Besonders, wenn man die Speisekarte lesend von seinen Freunden erfährt, dass das Mittagessen gar nicht schlecht geschmeckt hatte und dabei gleichzeitig vom Wirt aus dem Lokal gedrängt wird.

Eine ausgleichende Gerechtigkeit (?) sorgte dafür, dass uns die am Flugplatz ansässigen Gendarmen nach ihrer Mittagspause nicht mit Auto und Benzinanhänger auf das Fluggelände fahren ließen und infolgedessen diejenigen, die rechtzeitig zum Essen gekommen waren, nun die Packeselarbeit: „Benzinkanister schleppen“ selbst erledigen mussten. Ich setzte mich stattdessen in ein kleines Fleckchen im Schatten und tat mir leid.

Wieder gab es bei der Vorbereitung des nächsten Legs einige Abstimmungsschwierigkeiten und unterschiedliche Meinungen zum Thema: Wie kommen wir nicht in diese in der Wetter-App sichtbare Front?

Die unerträgliche Hitze tat ihr übriges, um Stress aufkommen zu lassen. Ich glaube, es war Norbert, der schließlich die Variante: „entlang der Küste über Saint Tropez“ entdeckte und favorisierte. Etliche Male kontrolliert: alle Sperrgebiete sind entweder inaktiv oder können unter- oder überflogen werden. Super! Konsens! Prima! Genial!

In einträchtiger Harmonie wurden die Wegpunkte festgelegt, Striche in die Karten gezeichnet und die Aufgaben und Positionen im Verband verteilt. Peter (spricht am besten Englisch) wurde die Aufgabe zugedacht, mit Avignon Control den Funkverkehr für die ganze Meute abzuwickeln.

Da ich Angst hatte, auch das Abendessen zu versäumen (Hatte ich schon erwähnt, dass ich trotz Kuchen ziemlich hungrig war?), fuhren wir mit dem Auto früher los als sonst. Nur noch wenige Kilometer Zicki-Zacki-Straßen, vorbei am malerischen Lac de Saint-Cassien (der eher zum Baden als zum Vorbeifahren eingeladen hätte), danach legten wir die verbleibende Reise nach Avignon auf gut ausgebauten Autobahnen zurück. Ich kann leider nicht viel berichten, denn ich habe diese Fahrt verschlafen (Hatte ich schon erwähnt, dass mich die Entbehrungen entkräftet hatten?).

Doch! Als ich vor Aix-en-Procence einmal die Augen öffnete, sah ich sie, die Erhebungen, die zu groß für Hügel aber zu klein für Berge sind, und die Landschaft, die ich aus den zwei Verfilmungen nach Motiven eines meiner Lieblingsbücher kenne und liebe.
(Marcel Pagnol: Eine Kindheit in der Provence: Marcel / Marcel und Isabelle
Link zum Buch: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.amazon.de/Eine-Kindheit-Provence-Marcel-Isabelle/dp/3492228089/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1376553810&sr=8-1&keywords=marcel+pagnol+eine+kindheit+in+der+provence">http://www.amazon.de/Eine-Kindheit-Prov ... r+provence</a><!-- m -->
Link zu den Filmen: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.amazon.de/meines-Vaters-Schloss-meiner-Mutter/dp/B0007GDUA4/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1376554019&sr=8-4&keywords=marcel+pagnol+eine+kindheit+in+der+provence">http://www.amazon.de/meines-Vaters-Schl ... r+provence</a><!-- m --> ).
Überhaupt: wenn man einen absolut entschleunigten Film ohne „Aktschn“ erträgt - ein Freund meinte: gepflegte Langeweile - dann kann ich diese Filme echt empfehlen: keine „Schenkelklopfer“, aber mir einer feinsinnigen Heiterkeit.
Mir gefallen die Romane und Filme, aber lest den Beipackzettel selbst, ich will später keine Vorwürfe hören, wenn es für euch ein Fehlkauf gewesen wäre!

Wettermäßig war die von der „fliegenden Truppe“ beschlossene Streckenführung optimal gewesen, denn sie führte in die aufgelockerten Wolken hinter den dicken, dunklen Cumulus-Wolken. Allerdings hat man unterwegs feststellen müssen, dass man im Kartenmaterial ein einzeles, unscheinbares Sperrgebiet übersehen hatte, das aktiv und weder zu unter- noch zu überfliegen war. Wie man dort durchgekommen ist? Keine Ahnung: ich war ja nicht dabei, sondern im Auto und ohnmächtig!

Kurz vor Avignon konnten wir unsere „Patrouille d’autogire“ am spätnachmittäglichen Himmel finden, aufgereiht wie die Perlen auf einer Schnur. Auch wenn im Vorjahr abfällige Bemerkungen über die Qualität der Formation im Streckenflug verbreitet worden waren: in diesem Jahr haben die Manöver in der Gruppe immer erstaunlich gut funktioniert, je näher an einem Flugplatz, desto besser! Alles „alte Hasen“ eben!

Der Aeroclub in Avignon hatte eine gut gekühlte Lounge mit Panorama-Fenstern zum Vorfeld und super-bequemen Ledersofas. Ich wurde nicht müde, dem geschäftigen Treiben meiner Freunde, die ihre Tragschrauber in einer Wiese am Rande des asphaltierten Abstellplatzes abstellten und mit den Planen wetterfest machten, zuzuschauen. Auf großen Flugplätzen sind leider auch die Wege weit und so dauerte es fast 45 Minuten, bis Peter, Chris, Volkmar, Norbert und Ralf (im Verband die Nummern 1 bis 5) die Sicherheitsschleuse passierten.

Noch 10 Minuten Fahrt in die Stadt, 10 Minuten, um unterwegs den Bus zu betanken und weitere 15 Minuten bis in das Labyrinth der Altstadt von Avignon. Ohne Klimaanlage! Als uns das Navigationssystem bis auf etwa 50 Meter an das Hotel Médieval herangeführt hatte, erkannten wir, dass auch hier die Straße nur unwesentlich breiter als das Auto war. Also sprangen wir alle vor einem hinter uns wartenden Linienbus heraus, jeder krallte sich in Sekundenschnelle sein Gepäck und wir schritten zügig ins Foyer des Hotels und zur Zimmerverteilung, während Sabine Auto samt Anhänger weit entfernt in einer Parkgarage unterbringen musste.

„Médieval“ bedeutet „Mittelalter“ und das beschreibt auch das Hotel beziehungsweise den Standard einiger seiner Zimmer ganz treffend. Ich habe im gesamten Internet selten eine Homepage entdeckt, die aus so wenig so viel macht, ohne dabei explizit zu lügen. Auf den Fotos erstrahlt das Hotel in einem nicht (mehr) vorhandenen Glanz. Im Grunde waren ja fast alle Zimmer halbwegs akzeptabel, nur Norbert hatte eine echte Arschkarte gezogen (Raum ohne Fenster zum Innenhof!). Nach kurzer, aber heftiger Diskussion mit dem Portier sorgte die Reiseleitung für ein besseres Zimmer und ich war nach fünf Minuten unter einer kühlen Dusche auch wieder halbwegs einsatzbereit.

Wegen der Unterbringung des Busses und Diskussionen mit dem Hotelpersonal und der Verteilung der höchst unterschiedlich ausgestatteten Zimmer war der Termin zu unserem Abendessen in einem Bistro direkt im Zentrum auch schon fast verstrichen, als wir endlich aufbrachen, leider fünf Minuten vor der abgesprochenen Zeit.
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Bedauerlicherweise machte sich die Vorhut auf den Weg durch die verwinkelte Altstadt, ohne der Nachhut etwas Zeit zu lassen oder die Route vorzugeben. Kathi und Bettina waren ebenfalls im Lokal eingetroffen, mussten aber feststellen, dass der Tisch nur für 8 Personen Platz bot. Auf vorwurfsvolle Telefonanrufe der Nachhut gab es von der Vorhut eine flapsige Antwort.

Die Situation artete zu einem Lehrstück aus, wie Hitze, Stress, Erschöpfung, nicht befriedigte Erwartungshaltungen, unzureichende Kommunikation und das eine oder andere unbedachte Wort oder auch nur der falsche Ton mit der Harmonie in einer Gruppe anrichten können.

Ich versuchte, die Gemüter zu beschwichtigen (leider erfolglos), doch ab einem gewissen Punkt habe ich mich dann ausschließlich noch auf mich selbst und die „trotzdem“ erfreulichen Dinge um mich herum konzentriert. Ich bedauere es zwar für die, die nicht mehr ins Bistro kamen, für die, die vor Beginn des Menüs oder zwischen den Gängen gegangen sind (o tempora, o mores tabulae!), denn ihnen ist einer der kulinarischen Höhepunkte der gesamten Tour entgangen: die Variationen von vier Schokoladen: Unterschiedliche Kakaonuancen, verschiedene Konsistenzen von cremig bis knackig: ein Abenteuer für Zunge und Gaumen! (Hatte ich schon erwähnt, dass ich nicht zu Mittag gegessen hatte?)

Bei allem Verständnis für die Befindlichkeiten jedes Einzelnen ist es in Summe doch irgendwie frustrierend und beschämend, wenn am Ende trotz aller Gastlichkeit und Kochkunst an acht Tellern, an die sich anfangs mal zehn Leute setzen wollten, nur noch fünf Personen sitzen. Wäre ich der engagierte Koch in diesem Lokal gewesen, ich hätte die ganze Situation als Missachtung oder Beleidigung empfunden. Oder mit den Schultern gezuckt und das Vorurteil von teutonischen Barbaren zur Anwendung gebracht. Da gab es doch schonmal einen Franzosen, den größten Tragschrauber-Konstrukteur aller Zeiten, heute Manufakteur einer "Stradivari der Lüfte", der konstatierte: "All Germans are Assholes!"

Wieder zurück im Hotelzimmer hab ich mich dann unter der Dusche gekühlt, bis ich fror, einen Ventilator ins offene Innenhoffenster gestellt und dann bin ich im Verlauf von etwa zwei Sekunden oben auf meinem Bett liegend eingeschlafen, bevor mir wieder heiß werden konnte. Abblende! Filmriß!
Falls ihr euch fragt, wie es weiterging: Gott sei Dank: Alles wurde wieder gut!

(1) Bevor ich jetzt einen Sturm der Entrüstung lostrete: das „iScheiß“ bezieht sich bei mir nicht konkret auf Apple-Produkte, sondern auf die Unsitte, mittelmäßige oder selbst grottenschlechte Software beliebiger Hersteller durch voranstellen eines „i“ in den Sog der iPad und iPhone-Euphorie zu platzieren.

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Sunday, August 11th 2013, 2:50pm

Frankreichtour 2013 - Tag 7

Reisetagebuch: Tag 7:

:!: An einem Sonntag in Avignon!

So um 1970 herum hatte Mireille Mathieu mit einem Schlager recht großen Erfolg: „An einem Sonntag in Avignon“. Ich war damals etwa 12 Jahre alt, kann mich aber noch genau an die betonierte, schwarzglänzende Glockenfrisur der kleinen Französin, dem Spatz aus Paris und die Melodie dieses Liedes erinnern. Wurde es doch im Radio rauf und runter gespielt. Wenn ich mir heute den Text des Liedes und seine Aussage angucke, zweifele ich an der Intelligenz der Generation vor mir – aber das sagen meine Töchter ja auch von mir und meiner Musik …

Ich hab mir jetzt mal die Mühe gemacht und den Text hierher kopiert. Dabei habe ich die Textpassagen, die ich nach persönlichem Augenschein vollinhaltlich bestätigen kann, rot markiert – wenig genug!

Quoted

An einem Sonntag in Avignon spielt la musique in Avignon.
Da brennen tausend Laternen am Fluss.

Und alle Mädchen, die träumen heut' von einem Kuss.
An einem Sonntag in Avignon.

Da kommt die Liebe nach Avignon. Da ist die Einsamkeit vorbei.
Oh! C'est si bon! Oh! C'est si bon!

Und es geschieht so allerlei an einem Sonntag in Avignon.
Du bist nie mehr so jung wie heut'.


Bleib' nicht allein, nimm dir die Zeit und komm' mit mir, es ist nicht weit.
Und komm' mit mir nach Avignon.

An einem Sonntag in Avignon spielt la musique in Avignon.
Dazu im Kreis dreht sich das Karussel.


Bist du noch traurig, steig ein und das ändert sich schnell.
An einem Sonntag in Avignon

Da kommt die Liebe nach Avignon. Da ist die Einsamkeit vorbei.
Oh! C'est si bon! Oh! C'est si bon!

Und es geschieht so allerlei an einem Sonntag in Avignon.

Ich denke, das Lied bräuchte mal dringend ein Update und dabei sollten auch die bewegungslos herumstehenden lebenden Statuen und der Touristen-Bimmelbahnzug in der Altstadt erwähnt werden.

Auch wir waren an einem flugfreien Sonntag in Avignon und nutzen das zunächst, um mal eine Stunde länger auszuschlafen. Zum Frühstück trafen wir in kleinen Grüppchen ein, und es wurde unter 4, 6 oder 8 Augen das eine oder andere klärende Gespräch zum gestrigen Abend geführt. Schließlich sind wir alle ja erwachsene Menschen! Trotzdem war es gut, anschließend mal in mehreren kleinen Rudeln (bis hinunter zum Individualrudel) die Stadt zu erkunden.

Vor dem Papstpalast gibt es besagten (aber noch nicht besungenen) touristischen Bummelzug, der geh-faule Zeitgenossen auch ohne Karte und eigene Navigation an den Top-10-Sehenswürdigkeiten der Altstadt vorbeikarrt. Kathi und Bettina hatten die Tour am Vortag schon gemacht.

Aufgrund der bereits früh einsetzenden Hitze entschloss ich mich, mich Norbert, Chris, Peter und Ralf auf dieser bequemen Besichtigungsfahrt anzuschließen. Doch kaum saßen wir in unserem Wagon, setzte bei mir schlagartig Schmerzen in der Speiseröhre und das kaum in den Griff zu bekommende Bedürfnis ein, mir unverzüglich nochmals mein eher karges Frühstück anzuschauen. So ließ ich die Gyrocopter-Kollegen alleine und eilte ins Hotelzimmer zurück, bevor ein Malheur geschehen konnte. :sick:

Eine Tablette gegen Übelkeit, eine gegen Sodbrennen, zwei heiß / kalte Duschen und ein Mützchen Schlaf später, also quasi nach einem vollständigen Reboot, fühlte ich mich wieder fit für „Avignon light“: ich schnappte mir Fotoapparat (und einen neuen Krimi), schlenderte in ein nahe gelegenes Straßenkaffee. Setzte mich in den Schatten eines Gebäudes, trank in kleinen Schlückchen lecker Pfirsich-Eistee und machte einen auf absolut cool und relaxt.

Doch irgendein erstaunliches gruppendynamisches Verhalten, möglicherweise aber auch mathematisches Phänomen aus der Gruppentheorie bewirkte, dass sich inmitten tausender Touristen aus aller Welt die Mitglieder unseres doch überschaubaren Reisezirkels immer wieder zufällig über den Weg liefen: zuerst fand mich Bettina im Straßencafe, nach einem sehr interessanten und netten Gespräch besichtigten wir dann die vielbesungene „Pont d’Avignon“, die in Wirklichkeit Pont Saint-Bénézet heißt, beim Stöbern in einem Souvenirshop liefen uns unvermittelt Kathi und Volkmar über den Weg, und als wir vier uns am Place de l’Horloge auf ein kühles Getränk niedersetzten, waren Chris, Peter und Norbert ebenfalls schon da, nur wenige Tische weiter.
[attachment=9]<!-- ia9 -->7~02 - Sur le pont d'Avignon ....JPG<!-- ia9 -->[/attachment][attachment=7]<!-- ia7 -->7~03 - Sur le pont d'Avignon ....JPG<!-- ia7 -->[/attachment][attachment=8]<!-- ia8 -->7~04 - Stadtmauer.JPG<!-- ia8 -->[/attachment][attachment=6]<!-- ia6 -->7~05 - Kommt mir irgendwie bekannt vor (Angoulême) ....JPG<!-- ia6 -->[/attachment]
War Ralf auch dabei? Ich kann mich nicht erinnern, von wegen Elefantenhirn! Vermutlich musste er jedoch die Ausbeute seiner zahlreichen Foto- und Video-Kameras auf den Computer sichern und dutzende Akkus und widerspenstige Fernbedienungen laden? Ich muss mir merken, auf das Ausrüstungsverzeichnis für eine Gyrocopter-Tour auch mindestens eine Mehrfachsteckdose aufzunehmen. Für Ralf. Erstaunlicherweise hatte Peter eine eingepackt.

Keine zehn Minuten später flanierten Sabine und Michael an unserem Tisch vorbei. Bettina schwärmte zum Schuheinkauf (?) aus. Doch ich schlenderte mit Kathi und Volkmar los, um nachmittags die Bimmelbahn-Tour mit einem wieder eingerenkten Magen nachzuholen.[attachment=5]<!-- ia5 -->7~06 - Volkmar und Kati.JPG<!-- ia5 -->[/attachment][attachment=4]<!-- ia4 -->7~07 - Der Unbesungene.JPG<!-- ia4 -->[/attachment]
Besonders amüsierte ich mich dabei über die freundlichen englischen Pensionisten in meiner Sitzreihe und deren amüsanten Kommentare zur englischen Tonspur im Kopfhörer. Doch auch die deutsche Tonspur war äußerst liebenswert unvollkommen, mit einer weiblichen Stimme und deren süßen französischen Akzent, die Männer mit Fantasie (wie ich) als erotisch empfinden, einem leichten Lispeln und so manchem Frankizismus (?) – oder wie heißt das französische Pendent zum Anglizismus?
Leider kann ich "... den akustische(n) Eindrück nich ssufriedenssdellend nachmache(n), also müss ihr, wenn ihr in Avinioh seit, sälber mit die Bimmelssug fahre(n) ...". ;)
[attachment=3]<!-- ia3 -->7~09 - Altstadtimpressionen.JPG<!-- ia3 -->[/attachment][attachment=2]<!-- ia2 -->7~10 - andere Impressionen - wozu der Regenschirm.JPG<!-- ia2 -->[/attachment][attachment=1]<!-- ia1 -->7~11 - Blick ins Mittelalter.JPG<!-- ia1 -->[/attachment]
Am Rückweg zum Hotel fiel es mit plötzlich auf, dass da mitten in der Menschenmenge eine Autorotationsplattform stand! Eine Auto-Rotations-Plattform! Mitten in Avignon! Nicht nur das: es rotierten neben Autos auch Kutschen und Pferde, hauptsächlich zum Zweck der Kinderbelustigung. Auf einer hölzernen Plattform! Später auf der Reise haben wir noch mehrere dieser Auto-Rotations-Plattformen gesehen, vor allem an touristisch erschlossenen Punkten und in der Nähe von größeren Menschenansammlungen.
[attachment=10]<!-- ia10 -->Auto-, Kutschen- und Pferderotations-Plattform.JPG<!-- ia10 -->[/attachment]Großteils wurden diese Systeme allerdings nur von Kindern genutzt. Bei der Klientel (Kinder gibt es mehr als Piloten!) wird es nicht leicht sein, Weltmarktführer zu bleiben! Ob der Herr R. W. aus Ja-wo-ist-er-denn-gerade-wenn-nicht-in-Oshkosh-? diese Plagiate bald mit Unterlassungsklagen aus dem Business drängt, sobald an den kleinen roten, immer im Kreis fahrenden Polizei- oder Feuerwehrautos eine Antenne (= Aerial) angebracht ist? Mal sehen!
[attachment=0]<!-- ia0 -->7~12 - Anmut und Schönheit.JPG<!-- ia0 -->[/attachment]
Abends trafen wir uns in deinem der Restaurants am Nordostende des Place de l’Horloge. Es gab sogar eine eigens erstellte Menüfolge auf einer „Gyro-Tours“ Speisekarte (Ralf hat sie weiter vorne schon ins Forum gestellt). Leider war es auf die Schnelle nicht möglich, den Tisch um zwei Gedecke zu verlängern, und so verzichteten Sabine und Michael auf dieses Menü und suchten sich ein anderes Restaurant. Vielleicht waren sie ja auch mal ganz dankbar um zwei, drei Stündchen Auszeit vom anstrengenden Los eines Reiseveranstalters?

Ich fand diesen Abend sehr gelungen, auch ohne den Kontrast zum Abend zuvor. Nur einmal hat mich Chris sprachlos gemacht, als er eine Foie Gras de Canard als „Leberstreichwurst“ deklarierte. :o
Peter spendierte einen vorzüglichen Rotwein, und als der zur Neige gegangen war, hatte in meinen Augen dieser Abend einen angenehmen Tag abgerundet und mit einem satten, undurstigen, mit Gott und der Welt zufriedenen und angenehm müden Holger geendet.

P.S.: Vielleicht oute ich mich jetzt ja selbst als Banause, aber: hat von euch jemals einer verstanden, worin die Kunst der als Statuen geschminkten Herumsteher besteht?
:thumbup: Positiv: sie lärmen nicht, sie schmutzen nicht, sie drängen sich nicht auf!
:thumbdown: Negativ: wofür erwarten sie eigentlich eine Anerkennung oder Geldspende? Fürs Nichtstun?
Ich kam, um Avignon zu sehen, um die Einzigartigkeit eines Reiseziels zu erleben. Herumstehkünstler aller Klassen finde ich überall: München, Hamburg, Venedig, Barcelona, … wie vorhersehbar, wie austauschbar! :yawn:
Möglicherweise werden (Über-)Angebot und Nachfrage hier eines Tages Spreu von Weizen trennen, bis dahin gebe ich mein überflüssiges Kleingeld aber lieber an gute Straßenmusikanten, wenn ich die Zeit finde, ein wenig zuzuhören und eine echte Leistung jenseits von 0-8/15 anerkennen möchte.


...
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  • 7~02 - Sur le pont d'Avignon ....JPG
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"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Schlagschrauber

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Sunday, August 11th 2013, 2:51pm

Frankreichtour 2013 - Tag 8

Reisetagebuch: Tag 8:
Heute wurde wieder geflogen, der zweite von drei Puffertagen war in Avignon aufgebraucht worden.

Auch dieser Tag begann, wie fast alle Flugtage, mit Aufstehen gegen 7:15 Uhr, Duschen, Zähneputzen, Haare bändigen, Kleider und Utensilien umsortieren und einpacken. Dann auf zum Frühstück. In Avignon war dies ein selbst für französische Verhältnisse absolut unspektakuläres 0-8/15 Frühstück ab 8:00 Uhr … und zur Vermeidung von Kalorien, die es nicht wert sind, geschluckt zu werden, nahm ich in diesem Fall nur Tee und Fruchtsaft. Auch um weitere Komplikationen mit meinem am Tag zuvor so kapriziösen Magen zu vermeiden.

Michael will uns die Gepäck-Schlepperei bis zu einem Parkplatz ersparen und fährt mit dem Auto direkt bis vor das Hotel. Durch die Gasse mit mittelalterlicher Standard-Breite. Doch sein hinterlistiges, niederträchtiges, fieses Navi-System in Kombination mit einer aufgrund von Hausrenovierungsarbeiten zeitlich befristeten Sperre des einzigen angezeigten Auswegs aus dem Altstadt-Labyrinth bringen uns in eine Situation, in der es mit dem Anhänger weder vor noch zurück geht.

Ich bin überzeugt, wir sollten wenden und dazu den Anhänger abhängen und separat aus dem Schlamassel schieben, um dann mit dem Bus rückwärts aus der Sackgasse zu kommen, aber Michael hat den LKW-Fahrer an der Baustelle so lange bequatscht, bis dieser den Weg für uns freigibt, indem er selbst eine Schleife durch die eng verwinkelten Gassen fährt. Also: Anhänger flott wieder herschieben und am Auto festmachen. Weiter geht’s!

Es ist wie verhext: jeden Tag kommt zu der geplanten Abfahrtszeit, meist 8:30 oder 9:00 Uhr, jeweils aus einem anderen, nicht vorhergesehenen Grund, eine Verspätung von etwa 30 bis 60 Minuten dazu, diesmal durch die unvorhergesehene Baustelle.

Da man in Avignon am Airport nicht mit eigenen MOGAS-Kanister hantieren darf und alle noch ausreichend Treibstoff an Bord haben, entfällt der Betankungsvorgang der Kanister. Sabine muss heute alleine fahren, und die arme Bettina in Kathis BMW Cabrio hinterher. Die eine hätte eine Klimaanlage, die andere bräuchte eine! Die Welt ist ungerecht!

Michael fliegt mit Chris und ich mit Norbert. Ich glaube, es war geplant, dass Michael funkt. Aber da die Antenne am Xenon von Chris nach einem Bodenkontakt den Geist aufgegeben hatte, musste der Peter als Ersatzmann einspringen. Ich hab von diesen Problemen nichts mitbekommen … ich konnte ja nix hören. Da Kathi ihren Volkmar auf diesem Leg als Passagier begleitete, war für mich diesmal kein Helm übrig und ich entschied mich dafür, mir den Wind durch meine Haupthaar-Restbestände pfeifen zu lassen. Darüber hinaus war der Kopfhörer, den mir Peter geborgt hatte, wegen mechanischer Inkompatibilität der Stecker zur Buchse nur als Schutz gegen Lärm geeignet und ich war für die Dauer des Fluges diesmal in meiner eigenen, taubstummen Welt.
[attachment=7]<!-- ia7 -->(C) Ralf - Tag 8 Flug von Avigion-1.jpg<!-- ia7 -->[/attachment]
Bei den Verbandstarts ist die Mannschaft inzwischen schon so gut eingespielt, dass es nirgendwo an Sicherheitsabstand mangelt und Startlauf und Abflug einen sehr koordinierten Eindruck machen. Nur außerhalb der Kontrollzone, quasi in freier Wildbahn, da macht sich der Drang zur Individualität bemerkbar und die Formation fächert etwas mehr auf, und zwar in jeder zur Verfügung stehenden Dimension. Spätestens bei der Landung wird dann aber wieder eine Perlenschnur draus, wobei die ersten immer weit in die Bahn landen und der Ralf, in diesem Jahr immer als Nummer 5 besetzt (mir wäre Nummer 7 für ihn lieber gewesen!), hat dann immer die kürzeste Rollstrecke, dafür aber die längste Nachlaufzeit, bis sein 914er Rotax abgestellt werden kann … so gleicht sich alles aus.
Doch so weit sind wir noch gar nicht: in Arles ist schon aus weiter Entfernung das Amphitheater auszumachen. Ich frage mich, wie die Landschaft wohl in der Römerzeit ausgesehen haben mag. Plötzlich sind vor meinem geistigen Auge fast alle Straßen verschwunden und ein Großteil der landwirtschftlich genutzten Flächen wieder Wildnis. Seltsame Gedankenspiele.

Danach ging es nach kurzem Herumgekreise (Ursache war die schlechte Verständlichkeit der führenden Maschine) weiter an die Mittelmeerküste an der Camargue. Rieselfelder, die der Salzgewinnung dienen, große Flamingo-Bestände - sie sehen wie hellrosa Tüpfelchen auf brackigen Wasserflächen aus, und die berühmten weißen Pferde, die aus der Distanz aber eher schmutzfarben wirken. Alles Dinge, die man nicht jeden Tag sieht.
[attachment=6]<!-- ia6 -->(C) Ralf - Tag 8 Flug nach Montpellier-3.jpg<!-- ia6 -->[/attachment][attachment=5]<!-- ia5 -->(C) Ralf - Tag 8 Flug nach Montpellier-2.jpg<!-- ia5 -->[/attachment]
Der Wind steht, wie so häufig, von schräg vorne auf der Schnauze, und streckenweise fliegt man so lange unter den niedrigen Cumuluswolken, dass es sogar etwas kühl wird im dünnen T-Shirt. Ich bin glücklich über das Mitflugangebot von Norbert, und wie glücklich ich war, könnt ihr auf Norberts Foto von mir etwas weiter unten in diesem Thread sehen.

Ich war selbst mit Flächenfliegern schon häufiger in dieser Gegend gewesen, bei meinen Flügen nach Montpellier, Toulouse und nach Spanien. Aber noch niemals so tief. Und auch in Montpellier bin ich schon mindestens sechs mal gelandet, aber noch nie auf dem kleinen Flugplatz Candillargues nördlich des großen Flughafens Aéroport Montpellier Méditerranée.

Diesmal sind wieder einmal die Begleitfahrzeuge schneller gewesen als die Tragschrauber – aber die waren ja auch nicht so tief in der Camargue und kriegen weniger vom Gegenwind mit!
[attachment=4]<!-- ia4 -->(C) Ralf - Tag 8 Flug nach Montpellier-1.jpg<!-- ia4 -->[/attachment]
Der Flugplatz Candillargues wartet mit zwei Überraschungen auf:
Überraschung 1) Es befinden sich im UL-Hangar 17 (!) Tragschrauber, noch ganz ohne die fünf, die wir über Nacht hier einstellen würden. Dabei sind vor allem MTOsport, Magni M16, M22, M24, und Calidusse vertreten. Ich denke, es sind hauptsächlich die Windverhältnisse, die das Tragschrauberfliegen in dieser Ecke der Welt so attraktiv machen. Hier bekommt Chris sogar Ersatzteile zur Reparatur seiner Funkantenne.
[attachment=12]<!-- ia12 -->Ralf-Imbiss Montpellier-1.jpg<!-- ia12 -->[/attachment]
Überraschung 2) Die unscheinbare „Frittenbude“ bei der Einfahrt entpuppte sich als ganz ordentliche Mittagessensgelegenheit. In Anbetracht der 3-Gänge-Menüs am Abend und der davor geplanten Wassersportaktivitäten bestellte ich mir nur ein Käsesandwich (das dann in Frankreich doch wieder ein halbes Baguette mit Käse ist), doch als ich die Teller der Anderen sehe, bereue ich fast meine Zurückhaltung. Der Wirt und seine Bedienung waren recht lustig aufgelegt, und beinahe hätten wir den rechtzeitigen Aufbruch zu unserem Hotel und dem Wassersport-Termin versäumt.
[attachment=3]<!-- ia3 -->8~1 - Norbert.JPG<!-- ia3 -->[/attachment][attachment=2]<!-- ia2 -->8~2 - Sixpack.JPG<!-- ia2 -->[/attachment]
Bedauerlicherweise gibt es in Carnon zwar nur ein Hotel Le Neptune, aber mehrere Yachthafen, so dass die Adresse nicht eindeutig im Navi gespeichert worden war und missverständliche bis unbrauchbare Anweisungen gab. Michael musste unser Hotel umzingeln und erfragen, statt es direkt ansteuern zu können. Irgendwo auf dieser Strecke haben wir Kathi und Bettina verloren, und während der restlichen Reise nicht mehr gesehen.

Dass wir uns zum Treffpunkt des Schnellboots „Le RAPTOR“ (einem MOGGARO M700 mit 440 PS und einer Geschwindigkeit von 50 kts, siehe: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.youtube.com/watch?v=g6A70r3XpGk">http://www.youtube.com/watch?v=g6A70r3XpGk</a><!-- m --> ) so beeilen mussten, dass ich keine gemütliche Dusche mehr nehmen konnte, störte mich nur bis zur Überfahrt von Carnon nach La Grande Motte - warum wohl? Vor der Abfahrt des Schnellbootes hatte mein bewährter Partner für nautische Unternehmungen aus der Vorjahrestour, Peter, befunden, dass er keine Lust auf eine Seefahrt mit einem „Raubtier“ hatte (er muss kurzfristig nochmals das Reiseprogramm studiert haben). Als Konsequenz führte mich das zum „wilden Ralf“ als Partner auf dem AquaJet. Doch dazu später …

Denn zunächst ging es nach dem Anlegen von Schwimmwesten langsam mit brabbelndem 440 PS Motor aus dem Hafenbecken hinaus aufs Meer mit einer Dünung 2 bis 3. Inzwischen wurden uns die wenigen Sicherheitshinweise vorgetragen („Festhalten!“) und alle nicht wasserfesten Habseligkeiten abgenommen („Her damit!“). Die letzte Boje lag hinter uns und plötzlich brüllt der Motor auf und du merkst, was es bedeutet, keine Federung zu haben.

Wasser hat keine Balken? So ein Quatsch! Die Wellen prügeln einen unsanft auf den Hintern! Wenn das Boot von Wellenkamm zu Wellenkamm hüpft, fühlt sich das noch vergleichsweise sanft an, wenn es aber frontal auf eine aufsteigende Welle trifft, dann kracht es ganz ordentlich. Während so eines Manövers schlug ich mit meinem Ellbogen an der Bordwand an, ihr kennt alle den Punkt, und ich dachte zunächst, der Unterarm bricht mir ab. Doch als der erste Schmerz nachließ, ich meine Finger wieder kontrollieren konnte und sich der blaue Fleck bildete, verbuchte ich den Schmerz unter Erfahrung und spürte ihn nach wenigen Minuten auch nicht mehr.
[attachment=10]<!-- ia10 -->Raptor-2.jpg<!-- ia10 -->[/attachment][attachment=1]<!-- ia1 -->Raptor-3.jpg<!-- ia1 -->[/attachment]
Die Fahrt? Alles in allem: spektakulär! Besonders das Power-Brake-Manöver: da unterschneidet der Bug die Wasserlinie, es schwappen so ein paar hundert Liter Seewasser über dir zusammen und du bist in unter 0.5 Sekunden komplett geduscht und deine Füße sind unter Wasser! Und der Bootsführer schalte sie ein, die Turbo-Lenzen! ;)
[attachment=9]<!-- ia9 -->Raptor-4.jpg<!-- ia9 -->[/attachment][attachment=8]<!-- ia8 -->Raptor-5.jpg<!-- ia8 -->[/attachment]
Hier ein Tipp: sollte euch jemals jemand eine Gelegenheit anbieten, eine Fahrt mit so einer Maschine zu unternehmen … sagt: „JA!“ ... Und haltet euch fest! Dann schneidet auch ihr solche Grimassen wie wir auf den Fotos!

Etwa zehn Minuten Verschnaufpause, dann bekamen wir eine kurze Einweisung, wie man so einen Jet Ski fährt. Alle anderen schienen schon etwas Erfahrung damit zu haben, bis auf Ralf und mich. Somit ergaben sich die Teams: Ralf und ich, und anderen Teams waren: Norbert und Chris, Michael und Sabine und Volkmar als Solist, also 4 Jet Skis für Gyro-Tours.

Langsam mussten wir aus dem Hafen und in ein überwachtes Arreal auf See tuckern, aber schon auf dem Weg dorthin drehten die drei anderen Jet Skis richtig auf, während ich mich noch eher vorsichtig an die Sache herantastete. Nach so etwa 20 Minuten moderatem Hin- und Herfahren wollte ich das Ruder an Ralf übergeben, aber beim Umstiegmanöver entfernte ich mich unabsichtlich von Sportgerät in Richtung "unter Wasser". Bei meinem Versuch, wieder auf den Jet Ski zu krabbeln, wurde mir deutlich vor Augen geführt, wie sich ein gestrandeter Wal fühlen muss. :oops: Es fehlte die Badeleiter, die ich von meinen Segeltörns gewohnt bin. :thumbdown: Doch mit Ralfs Hilfe klappte es schließlich. :clap:
[attachment=15]<!-- ia15 -->8~3 - WaveRunner.JPG<!-- ia15 -->[/attachment][attachment=14]<!-- ia14 -->8~4 - WaveRunner.JPG<!-- ia14 -->[/attachment][attachment=13]<!-- ia13 -->8~5 - WaveRunner.JPG<!-- ia13 -->[/attachment]
Ralf machte seine Sache besser als ich davor und ich musste mich schon ordentlich festhalten, um nicht über Bord zu gehen. Den spektakulärsten Stunt sah ich hingegen bei Sixpack, den Norbert bei voller Fahrt von der Rückbank katapultierte.

Doch wenig später leitete Ralf ein Manöver ein, bei dem er enge Linkskurven fuhr. Als Norbert um 180° versetzt ebenfalls in unserem Kielwasser zu kreisen begann, brachte das Ralf und mich aus dem Gleichgewicht und wir gingen beide zum zweiten Mal aufgrund unterschätzter Zentrifugalkraft ins Wasser. Nur dass ich diesmal größere Schwierigkeitn hatte, wieder auf den Jet Ski zu klettern. Schließlich kam das Rettungsboot und nahm mich auf. Wie peinlich! Ich wollte gar nicht mehr zurück auf das Jet Ski: vom Rettungsboot aus sah ich mir in aller Bequemlichkeit und ohne Risiko an, dass Ralf ohne mich sowieso viel mehr Spaß und Tempo hatte als mit mir. So machte ich noch 15 Minuten Smalltalk mit unserem Aufpasser, bis unsere Mietzeit abgelaufen war.
[attachment=11]<!-- ia11 -->Ralf-Rueckfahrt Raptor-1.jpg<!-- ia11 -->[/attachment]
Zurück zu unserem Hotel ging es mit einem wesentlich gemütlicheren Schlauchboot, das nur etwa halb so schnell, aber genauso laut wie der Raptor war. Ich freute mich schon auf unser abendliches Drei-Gänge-Menü am Swimming Pool, das wir uns redlich verdient hatten.
[attachment=0]<!-- ia0 -->Ralf-Essen am Hafen.jpg<!-- ia0 -->[/attachment]
Doch dieser Abend wurde eine der zwiespältigsten kulinarischen Erfahrungen auf der ganzen Reise: Die Speisefolge und die Zubereitung waren tadellos, doch die Ineffizienz der beiden (leider nur) hübschen Mädels, die unserem Tisch als Kellnerinnen zugeteilt waren, machte alles Positive zunichte. Das Aufnehmen der Getränkebestellung dauerte trotz der Tatsache, dass wir ständig auf uns aufmerksam gemacht haben, wenn die jungen Damen einmal auch zu uns blickten, etwa 35 Minuten. Auch nach einer Stunde hatten Brot oder der Gruß aus der Küche noch nicht zu uns gefunden! Die Getränke kamen in kleinen Grüppchen, und nicht immer war das, was wir bekamen auch das, was bestellt worden war.

Mit einer Verspätung von etwa 90 Minuten begann dann für unseren Tisch das eigentliche Drei-Gänge-Programm. Insbesondere an die Jakobsmuscheln in einer köstlichen Sauce kann ich mich erinnern. Ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Diensteifer des Personals hätten aus einem netten Abend mit gutem Essen ein perfektes Event machen können.
Ich vermute, es müssen Mädchen wie diese gewesen sein, die die Vorlage zu den unsäglichen Blondinenwitzen geliefert haben.

Die Nacht: herrlich! Der Schlaf: tief und fest! Die Erholung: perfekt! Grund: Klimaanlage!

...
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  • (C) Ralf - Tag 8 Flug nach Montpellier-1.jpg
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  • 8~2 - Sixpack.JPG
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"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

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Sunday, August 11th 2013, 2:52pm

Frankreichtour 2013 - Tag 9

Reisetagebuch: Tag 9:
Oh, diese Geheimniskrämer!!! Da sitzt man mit Freunden, Piloten, Landsleuten zusammen, kutschiert erdgebunden mit dem Tourbus mit, teilt Freud und Leid (jedoch kein Seifenwasser!)! Und dann sehe ich erst auf dem KMZ-Track von Norbert nachträglich, dass die Kerle die Pont du Gard aus der Luft besichtigt haben, ohne mir gegenüber vorher oder nachher auch nur ein einziges Sterbenswörtchen zu verlieren. Nun gut. Ich hab auch meine Geheimnisse. Ha!

Doch der Reihe nach: ich kann nur berichten, dass bereits beim Frühstück eifrig Karten gewälzt wurden. Und Zigaretten gedreht. Und Hände über dem Kopf zusammengeschlagen:[attachment=2]<!-- ia2 -->9~1 - Frühstück.JPG<!-- ia2 -->[/attachment]
Diesmal verzögerte sich die Abreise um die obligaten Viertelstunde(n) wegen Diskussionen beim Abrechnen der Hotelzimmer, von denen nicht alle der zugesagten Kategorie entsprochen hatten, außer, wenn man beide Augen zudrückte und den fehlenden Blick zum Hafen dadurch nicht vermisste.
Ich muss den Hotelbetreibern mal vorschlagen, dass sie vis-a-vis der Rückseite des Hotels einen Spiegel anbringen könnten, dann hätte man von beiden Seiten des Hauses den versprochenen Blick auf den Hafen.
Aber: alle hatten gut geschlafen (ich sogar verschlafen!) und es gab eigentlich nichts zu Meckern.

Mit dem Bus in Richtung zum Flugplatz, und während die Kollegen ihre Maschinen betankten, schlenderte ich nochmal mit glänzenden Augen durch das Tragschrauber-Eldorado im Hangar. So viele Maschinen an einem Platz hab ich weder auf irgendeiner Aero in Friedrichshafen noch in Fertőszentmiklós gesehen.[attachment=1]<!-- ia1 -->9~2 - Katzebett.JPG<!-- ia1 -->[/attachment][attachment=0]<!-- ia0 -->9~3 - Katzebett.JPG<!-- ia0 -->[/attachment][attachment=3]<!-- ia3 -->9~4 - freundliches Interesse.JPG<!-- ia3 -->[/attachment]
Magni M16 und M22, ELA 07, MTOsport und Calidus: alle bin ich sie schon geflogen, und doch jetzt muss ich mir die ganze Reise vom Boden aus ansehen. Auch ich könnte mir in den A**** beißen: Warum hab ich nicht den Mumm, mit einem Motor mit steilem Drehmomentverlauf zu fliegen (… ebenfalls ein Insiderwitz!)?
[attachment=4]<!-- ia4 -->9~5 - Zahlemann und Söhne.JPG<!-- ia4 -->[/attachment]
Zur Erläuterung des Fotos von Ralf und Sabine: wie Chris schon erwähnt hat, schlucken unsere Gyrocopter jede Menge. Und auch bei MOGAS-Preisen von zwischen 1,60 und 1,70 €/l (Megève !) summiert sich das bei so einer Reise zu einem schönen Sümmchen. Nebenbei: nicht nur die Maschinen sind durstig, sondern auch deren Piloten. Und die Literpreise für vorzügliche Weine („Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“), Cola Zero (ich), Apfelschorle (Ralf) Whisky-Cola (sag ich nicht!), Pastis (sag ich auch nicht!), Mineralwasser mit Kohlensäure, und noch ausgefallenere Getränke lassen Treibstoffpreise geradezu lächerlich erscheinen. Um nicht in Vorleistung gehen zu müssen oder Unmengen an Bargeld mitzuschleppen kassierte die Reiseleitung in personam der gut organisierten Sabine, von Zeit zu Zeit die ausstehenden Beträge. Sie machte das zwar nachdrücklich und konsequent , doch gleichzeitig so diskret und charmant, dass es fast nicht wehtat. (Zumindest nir nicht!)
Und auf dem Bild hat es Ralf getroffen: Superbenzin 98 Oktan und Apfelsaft! Ich denke mal, „Little Nellie“ hat an diesem Tag mehr gesoffen als Ralf auf der ganzen Tour!
Ansonsten galt für uns jederzeit die berühmte Pilotenregel: „12 meters from bottle to throttle!“

Ich tippe die Koordinaten aus dem Anflugblatt von Ruoms in das Straßen-Navi, und dann ging es los: Sabine am Steuer, ich am GPS. Flugplatzkoordinaten sind aufgrund der Erfahrungen, die ich auf dieser Tour gemacht habe, fast immer besser als jede andere, fragwürdige Flugplatz-Adresse, die möglicherweise irgendwo in die Pampa führt. Selbst in Avignon liegt die Avenue de’l Aérdrome beispielsweise in einem Industriegebiet einige Kilometer nördlich des Flugplatzes ohne direkte Verbindung zum Abfluggebäude.
Unterwehs gerieten wir noch in einen Stau, und auch die Kanisterbetankung an einer überfüllten Supermarkttankstelle wurde zu einer nervenaufreibenden Verzögerung.
Die Fahrt war bis Alès unkompliziert, aber staubedingt langsam, danach wurden die Wege hübscher und zunehmend verwinkelter. Und schlechter beschildert. Der Hammer waren die letzten 2 Kilometer zum Flugplatz in Ruoms: zwar war an der Hauptstraße in Peyoche der Flugplatz grundsätzlich beschildert, allerdings ohne Angabe der Richtung oder Pfeil zum richtigen Weg. Drei Abzweigungen ohne Schild, dafür dutzende Fußgänger auf dem Weg zum Ufer des Flusses. Und im Navi waren keine Wege dieser Größenordnung mehr gespeichert. Erst nach zwei Wendemanövern fanden wir die richtige Zufahrt.

Dort wurden wir schon von den vor einer Viertelstunde gelandeten Piloten sehnsüchtig erwartet, auf dem Anhänger befanden sich nämlich auch Flaschen mit Mineralwasser und Restbestände von Bier, es war ja kein Flug mehr geplant in den kommenden 40 Metern, ääh, Stunden.

Michael sprang sofort ins Begleitfahrzeug, der Anhänger mit dem Benzin blieb vor Ort, und während alle Maschinen vollgetankt wurden, besorgten Sabine und Michael alle Zutaten für ein Picknick unter Bäumen.

Michaels Versuche, für die fünf Tragschrauber einen Platz in einem der Hangars zu bekommen, waren leider nicht von erfolg gekrönt. Und so wurden die Maschinen zwischen Bäume geschoben und wegen das absehbaren Schlechtwetters am kommenden Tag so wasserdicht wir möglich verpackt. Alle hatten Bedenken, die Tragschrauber auf offenem Gelände unbeaufsichtigt zwei Nächte stehen zu lassen, aber da es keine Alternative gab, musste dieses Risiko akzeptiert werden.
Gott sei Dank waren die Vandalismus-Bedenken gegenstandslos, nur die Wasserdurchlässigkeit der Planen und der Wasserpegel in einigen der Tragschrauber zwei Tage später war als beachtlich zu bezeichnen!

Nach wir über Baguettes, Rillettes, Pâtés, diversen Käse, Gurken und Tomaten hergefallen und für die nächsten Stunden gesättigt waren, ging es etwa 20 km weiter zu unserem Appartement-Hotel in Chames an einer der malerischsten Stellen der Gorges de l’Ardèche, auf gut deutsch: Schluchten der Ardèche.

Die Verteilung der höchst unterschiedlichen Zimmer entwickelte sich zu einem mittleren Drama: in den schönen Appartements mit Garten gab es nur weiche Bettcouchen, wie Volkmar reklamierte, die Räume im Nebengebäude lagen über dem Restaurant (Küchengerüche, Musikberieselung, Blick gegen eine Steinwand). Ich dachte mir: "Für zwei Nächte lang kann ich mich mit jeder Situation arrangieren, halte mal lieber deine Klappe und warte ab!", und auch Chris, der die kleinste Kemenate und dann noch ohne Seife erwischt hatte, beruhigte sich nach kurzer Zeit.

Ich denke mal, es ist einfach nicht möglich, an einem so einzigartigen Ort, der großteils von Kanu- und Kajak-Touristen aufgesucht wird, mitten in der Hauptsaison sieben perfekte Räumlichkeiten zu bekommen.
Und: Hand auf’s Herz: ich habe dort prächtig geschlafen und noch viel prächtiger gespeist.

Ich trug also mein Gepäck in das mir zugeteilte Appartement direkt neben dem von Chris, verschloss die Tür von außen und begab mich unverzüglich auf die Terrasse des Restaurants direkt oberhalb des Flussufers. Dort suchte ich mir den schönsten Tisch und wollte mir ein Eis bestellen und Krimi lesen.

Die einzige Kellnerin des Restaurants kam zu meinem Tisch und bat mich, doch an einem anderen Tisch, weit vom Ufer entfernt, Platz zu nehmen: sie sei alleine und wolle den Tisch für den Abend aufdecken. Soweit hatte ich sie ja verstanden, dennoch wurde ich ziemlich sauer, nicht bedient und von diesem idyllischen Platz vertrieben zu werden.

Ich blaffte sie auf Englisch an so in der Art: „Frechheit, dass man hier nicht bedient wird“, klappte mein E-Book zu (neuer Krimi!) und dampfte in Richtung Zimmer ab. Selbst als sie mir nachlief und sich entschuldigte, dass sie nicht Englisch spräche und das Ganze für ein Missverständnis hielte, reagierte ich ungewohnt schroff.

Nun: ich bekam mein Eis, aber ich war nicht glücklich damit, denn ich musste erkennen und anerkennen, dass die junge Dame einen echten Knochenjob wirklich freundlich, aufmerksam und zuvorkommend und höchst effizient erledigte. Mit einem Lächeln im Gesicht. Später am Abend rannte sie sogar jeden Rückweg vom Gastgarten in die Küche, um alle Speisen jeweils zeitnah an die Tische zu bringen.
Diese junge Frau alleine hätte mindestens 5 Tussis aus dem Hotel l’Neptune ersetzt. Ich hoffe, sie hat meine ernst gemeinte Entschuldigung verstanden …

Mit Handtuch und in Badehose versuchte ich nach dem Eis, zum Fluss zum Schwimmen zu gehen, aber an vielen Stellen war das Ufer zu steil und die flachen Stellen waren von den Bootsverleihern okkupiert. So wurde das Badevergnügen auf den kommenden Tag verschoben, für den Michael eine 24 km lange Kanufahrt auf der Ardèche geplant hatte.

Auf dem Baum über unserem Tisch musizierte unermüdlich eine Zikade. Erstaunlich, dass man diese Tiere, Meister der Tarnung, nicht sehen kann, obwohl sie permanent und aufdringlich nahe ziemlich laute Töne von sich geben. Die Theorie, dann Zikaden nur bei Temperaturen über 24°C geräuscheln, mussten wir dahingehend erweitern, dass sie auch unter 24°C Krach machen. Eine Zirp-Temperatur-Untergrenze konnten wir auch mit der zunehmenden Kühle im Verlauf des Abends nicht ausmachen.

Auch dieses Abendmenü war ausgezeichnet, und ich beschloss, die (in der Nacht jedoch nicht mehr vorhandenen) Küchengerüche in meinem Zimmer als angenehm zu empfinden. Nachts bin ich aufgewacht: heftiger Regen und Gewitter und beeindruckende Blitze und ein Donner mit dem Echo aus allen Ecken der Schlucht!
Umdrehen, weiterschlafen!

...
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Sunday, August 11th 2013, 2:52pm

Frankreichtour 2013 - Tag 10

Reisetagebuch: Tag 10:
Nachdem in dieser Nacht möglicherweise mehr Wasser von oben nach unten durch die Schlucht geregnet war, als die Ardêche in ihrem Bett von rechts nach links (vom Hotel aus gesehen) hindurch transportiert hatte, war es nach dem Aufstehen trüb mit tiefen, aus Südwest über den Himmel eilenden Wolken. Aus der Ferne konnte man das eine oder andere Donnergrollen vernehmen.

Das Wetter wäre für einen Weiterflug sowieso absolut ungeeignet gewesen und wie ideal für eine Tour mit dem Kajak auf dem Fluss … … … nee, eigentlich auch nicht.

Trotzdem erschien unser Reiseleiter Michael in bester Laune, drehte sich eine Zigarette nach der anderen und veranlasste das nette Mädel von gestern, vor dem Restaurant einen Tisch im Freien zu trocknen und zu decken. Erstmals gab es den Kaffee einmal auf die französische Art: in diesen unbescheiden großen henkellosen Schälchen, mit viel Milch zum Eintunken der Croissants.

Eine weitere, wesentliche Beobachtung konnte ich machen: Zikaden zirpen nicht, wenn sie nass sind. Oder sie zirpen mit einer Frequenz < 15 Hz oder > 25 kHz. Oder sie zirpen nicht unter 18°C. Oder sie sind weg, weil sie sich intelligenterweise ins Trockene verzogen haben. Eine fünfte Möglichkeit gibt es nicht, denn beim Frühstück war nicht der geringste Laut zu vernehmen.

Bezüglich der Kanu-Tour auf unserem Reiseporgramm waren zwei Optionen möglich:
:arrow: die „kleine Tour“, die etwa zwei Stunden dauern kann, bei der man vom Kanuverleih etwa 6 Flusskilometer aufwärts transportiert wird, oder
:arrow: die „große Tour“, bei der man einsteigt und 24 Kilometer in etwa sechs Stunden den Fluss abwärts fährt (durch den wesentlich beeindruckenderen Teil der Schlucht und über einzigartige Stromschnellen, wie Michael nicht müde wurde, uns zu motivieren). Danach wird man von Verleiher abgeholt.
Die dritte Option der Kanuverleiher: 6 km + 24 km war mangels Zeit und Kondition nie vorgesehen gewesen.

Peter, mein bewährter Kanupartner aus dem Vorjahr auf der Dordogne entschied sich definitiv und bestimmt für die kleine Tour, und ich folgte seiner Entscheidung gerne, denn sie bot mir die Möglichkeit, durch den Pont d’Arc, einem etwa 20 m hohen und 30 m breiten natürlichen Felsentor zu fahren. Und auch die Kiesbank- und Stromschnellen seien weniger spektakulär, wie man der Restaurantbesitzer versicherte. Er hielt das für ein Argument für die große Tour, ich nicht. Und sollte sich das Wetter verschlechtern, wäre man schneller wieder im trockenen Zimmerchen im Hotel, das ja am Ende der kleinen Tour lag.

Ich behielt meine Überlegungen für mich, um nicht Michaels bewundernswerte Motivationsbestrebungen zu sabotieren („Einzigartig!“, „Hier kommt ihr lange nicht mehr her!“, "So was habt ihr noch nicht gesehen", …). Doch auch Chris und Norbert entschieden sich für die kurze Tour. Volkmar muss sich wohl für ein Programm mit Kathi und Bettina ganz ohne Wasser entschieden haben. Honni soit qui mal y pense! Einmal Wasserschlucken reicht!

Doch Sabine und Ralf ließen sich für die lange Tour begeistern. Tatsächlich waren Ralf und Michael nach ihrer Rückkehr begeistert, aber Sabine war so o.k., dass sie die Teilnahme am Abendessen absagte und sich im Zimmer ausruhte.

Doch auch die 6 km Variante hatte so ihre Tücken. Zunächst stand die Entscheidung: „Kajak ein- oder zweisitzig?“ an. Doppelsitzer (bis auf Ralf)! Danach erhält man vom Bootsverleiher eine Schwimmweste und je Boot einen wasserdichten, tonnenförmigen Behälter für Proviant und Fotoausrüstung. Dann die nächste Entscheidung: „Stechpaddel oder Doppelpaddel?“: Stechpaddel! Und dann gingen die Langstreckenpaddler zu Wasser und die Kurzstreckenpaddler ins Auto.

Als wir die flussaufwärts gelegene Abfahrstelle erreicht hatten, bekamen wir unsere Kajaks zugewiesen und machten uns abfahrbereit. Das Wetter hatte sich inzwischen wieder zugetrübt, Donnergrollen alle paar Minuten und einzelne leichte Regenschauer. Also jetzt möchte ich keine sechs Stunden mehr unterwegs sein, dafür aber die kommenden zwei Stunden umso mehr genießen!

Andererseits hatte das schlechte Wetter auch seine Vorteile: der Fluss war keinesfalls so überfüllt wie am gestrigen Schönwettertag und so konnte ich mich intensiver auf die wirklich einzigartige Natur konzentrieren.

Peter saß vorne und ich hinter ihm, und Mitpaddler wie Gerät machten auf mich einen zuversichtlich beruhigenden Eindruck. Manchmal war die Strömung so langsam und das Flussbett so flach, dass man spürte, wie wir über die Steine holperten, also suchten wir ständig nach dem tiefsten Weg im Flussbett. Einfach: dort wo das Wasser am schnellsten rinnt und die meisten Paddelboote unterwegs sind.

Peter und ich meistern die beiden ersten Stromschnellen (deren Existenz Michael, der die Gegend gut von sehr, sehr viel früher kennt, schlichtweg leugnen wird!) bravourös, doch bereits bei der nächsten Herausforderung wurden mein kongenialer Partner und ich vom tückischen Fluss überlistet:
Seitwärts drückt uns die Strömung links gegen einen Felsen. Wir sitzen fest, wenn es uns nicht gelingt, uns mit den Paddeln nach vorne abzustoßen. Hektisch stocherten wir mit den Paddeln gegen den Fels. Kaum drückten wir uns etwas vom Fels weg, dreht die Strömung unser Boot um 180° nach rechts um die Längsachse.

Ein Klassiker, wie man mir später versichert! Peter hält sich vorne am Boot fest, ich hinten, das Boot zieht uns munter, weil im wahrsten Sinne des Wortes unbeschwert, über das immer flacher werdende Flussbett abwärts. Eine Hand am Boot, eine Hand an meinem Paddel bedauere ich, dass ich keine dritte Hand habe, mit der ich das Paddel von Peter greifen könnte, das in Reichweite an mir vorbeischwimmt. Wir driften aus der stärkeren Strömung in einen flachen Bereich am rechten Ufer und kommen endlich wieder auf die Beine. Auf die Ausrüstungsliste der nächsten Tour kommen auch Neopren- oder Gummischuhe, denn Straßensandalen sind unter Wasser doch nicht so ideal. Ich muss sie die ganze Nacht über den Ventilator hängen, um sie wieder trocken zu bekommen.

Norbert und Chris haben auf der gegenüberliegenden Flussseite angelandet und winken, dass wir zu ihnen paddeln sollen. Peter und ich wendeten das Kajak, seine geniale Formgebung stellt sicher, dass das Wasser von selbst aus dem Innenraum abfließt. Ein hilfsbereiter junger Engländer brachte Peters Paddel zurück und wir besteigen unser Boot mit ein klein wenig weniger Zuversicht als beim ersten Mal. Die Stelle, an der wir scheiterten, muss – wie man wohl zugeben muss - die Analogie zum Idiotenhügel beim Skifahren gewesen sein.

Auf der linken Seite der Ardêche, nach gut einem Drittel der abenteuerlichen Fahrt, beschlossen wir, uns über den Proviant herzumachen, den uns der Restaurantbesitzer vorbereitet hatte: Geflügelsalat, Baguette, Käse, Kartoffelchips, Pfirsiche, Getränkedosen, Trinkwasser. Die Mengen waren wohl für die lange Tour bemessen, aber egal: da muss man in solchen Situationen einfach durch!
Doch zuvor wrang ich mein T-Shirt aus. Ich schätze mal einen guten Liter Ardêche herausgepresst zu haben. Kaum hatten wir unser frugales Mahl (Kein vierter Gang! Kein Wein!) abgeschlossen, als es zu schütten begann. Für Peter und mich machte das mal keinen Unterschied, aber aus reiner Solidarität begleiteten wir die trockenen Kollegen Chris und Norbert von der Kiesbank unter das dichte Blätterdach der Bäume am Ufer.

Bereits wenige Minuten später hörte der Regen kurz auf und wir setzten die Fahrt zum Felsbogen fort. Nasser konnte ich nicht mehr werden und mir machte die Sache inzwischen so viel Spaß, dass ich keine Eile hatte, vorwärts zu kommen und stattdessen die steilen Feldwände bewunderte. Kurz vor dem Pont d’Arc erlebten wir einen heftigen Gewitterschauer und legten uns mächtig in die (nicht vorhandenen) Riemen, um unter der Felsenbrücke Schutz zu finden.
[attachment=2]<!-- ia2 -->Ralf-Ardeche Hoehle Warten-1.jpg<!-- ia2 -->[/attachment][attachment=1]<!-- ia1 -->Ralf-Ardeche-Hoehle-1.jpg<!-- ia1 -->[/attachment]
Im nördlichen Ende des Felsbogens gibt es kleine Höhlen auf Höhe der Wasserlinie, und um die Boote nicht ständig gegen die Strömung von Hand festhalten zu müssen, zogen wir uns dort in die Grotte hinein. Seltsam, wie viel Geborgenheit selbst so ein rudimentäres Dach über dem Kopf vermittelt.

Wir beobachteten eine Gruppe junger Leute, die in ihren Kajaks sitzend am gegenüberliegenden Flussufer einen kiesigen Abhang hinunterrutschten und wie bei einem Stapellauf mit heftiger Bugwelle unter lautem Gegröle ins Wasser eintauchten. Norbert und Chris waren wohl kurz in Versuchung, das auch zu probieren, aber ich hatte den Eindruck, für einen angehenden Senior heute bereits genug Stunts durchgeführt zu haben. Außerdem: Wasser von der Bugwelle hatten wir im "Raptor" schon genug gehabt.

Gute 20 Minuten später legten wir aus der dämmerigen Grotte ab und brachten den Rest des Weges bis zur Anlegestelle beim Hotel ohne weitere Vorkommnisse hinter uns. Schade, dass die kurze Tour nicht doch 12 km lang gewesen ist!

Boot und Ausrüstung zurückgeben, zurück ins Zimmer und den Flusssand herausduschen, trockene Kleider anziehen und Hosen, T-Shirt und Sandalen trocknen, die Reste des Proviants vertilgen und danach ein wohlverdientes Nachmittagsschläfchen: sooo muss Urlaub!

Es regnete und gewitterte immer wieder an diesem Nachmittag, den ich später gemütlich mit dem dritten Krimi und Kaffee verbrachte, mit dem einen oder anderen mitfühlenden Gedanken an unsere „Langer Marsch“-Kanufahrer Ralf, Sabine und Michael. Leider habe ich die Rückkehr meiner Ardêche-Helden verpennt.
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Das Abendmenü nahmen wir im Speisesaal des Restaurants zu uns, draußen war es uns einfach zu feucht, selbst den Zikaden! Michael und Ralf bestätigten uns, wie anstrengend ihre Fahrt gewesen war, und Michael versorgte Sabine, die so erschöpft war, dass sie nicht ins Restaurant kommen konnte, mit einem Teil unseres Menüs auf ihrem Zimmer. Trotz empfehlenswerter Küche und einer sehr gut aufgelegten Kellnerin dauerte der Abend nicht mehr allzu lange, Abenteuer ermüden!

...
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Sunday, August 11th 2013, 2:52pm

Frankreichtour 2013 - Tag 11

Reisetagebuch: Tag 11:
Der Tag der spontanen Entscheidungen und „B“-Pläne!

Frühmorgens um etwa 5:00 Uhr ist das Wetter in Chames noch nicht besonders einladend für die für diesen Tag geplanten Etappen: Es regnet in Strömen.
Mit großem Behagen lege ich nochmals in die perfekt vorgewärmten Federn.

Vormittags sollte es laut Reiseplan von Ruoms nach Montelimar gehen, dort wäre bei DTA der J-RO Tragschrauber und dessen Fertigung zu besichtigen. Ein Mittagessen im Flughafenrestaurant und danach die Nachmittagsetappe nach Lons-le-Saunier Courlaoux.
Diese zweite Strecke wäre mit 270 km für meine eigene Maschine ohne ausgeprägten Rückenwind (den es sowieso nicht gegeben hätte) wegen meiner begrenzten Tankkapazität (falsch formuliert: ich darf wegen des MTOW aufgrund der Masse im Pilotensitz nicht die vollständige Tankkapazität nutzen) nicht mit der erforderlichen Reserve zu machen gewesen, deshalb hatte Michael für mich (oder wegen mir, falls die anderen Maschinen nicht durchgeflogen wären) noch einen zusätzlichen Tankstopp in Saint-Rambert d’Albon hinzugefügt. Also: ursprünglich ein Tag mit 3 Legs!

Beim Frühstück hat sich die Wetterlage noch immer nicht entscheidend verbessert. Schlimmer noch: das nette Mädel, die pfiffige Kellnerin aus dem Restaurant, ist heute nicht im Dienst oder zumindest noch nicht da. Und der junge Mann, der unser Frühstück an ihrer Stelle zubereitet, ist weniger pfiffig: er bringt uns nicht mehr die authentischen Kaffeeschüsseln mit Milchkaffee wie am Vortag. Ich disponiere deshalb auf schwarzen Tee um und erlebe, dass jemand aus dem französischen Gastgewerbe offensichtlich in seinem Leben noch keinen Tee zubereitet hat: die Brühe, die er bringt, ist schon als sie an den Tisch kommt pechschwarz, bitter und ungenießbar, weil die Portion an Teekräutern in dem Designer-Teekännchen auch für 10 Tassen ausgereicht hätte. Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“.

Die Diskussionen über den restlichen Tagesablauf ergeben zwei Optionen:
a) Packen, nach Ruoms fahren, die Tragschrauber vorbereiten und bei ersten Anzeichen von fliegbarem Wetter nach Montelimar losfliegen. Hinter den letzten Ausläufern der Regenfront soll es am späteren Vormittag wieder besser werden, die Wahrscheinlichkeit von Gewittern ist nicht hoch heute.

b) oder Packen, mit dem Auto nach Montelimar fahren, dort die Besichtigung und das Mittagessen wie ursprünglich vorgesehen durchführen, danach im Auto zurück nach Roums und nachmittags zwei Etappen fliegen: direkt nach Saint-Rambert d’Albon, dort tanken, weiter nach Lons-le-Saunier Courlaoux und dann ins Hotel zu unserem letzten Abendmenü.

Mir selbst war von Anfang an die zweite Varianten lieber gewesen, denn auf der Aero 2013 hatte ich es versäumt, den J-RO in Augenschein zu nehmen. Irgendwie kristallisierte sich dann auch für die anderen diese Variante als die attraktivere aus. Nun denn: Schnell alles packen und im Bus unterbringen, die Zimmerschlüssel zurückgeben, ..., aber auch in Chames verloren wir irgendwo wieder eine halbe Stunde, bevor es losging. Um unterwegs zügiger fahren zu können, entschlossen wir uns, den Anhänger beim Hotel stehen zu lassen und später abzuholen (großer Fehler!).

Es war nach etwa 2 Stunden Autofahrt, als wir gegen 11:00 am Flugplatz in Montelimar eintrafen. Zuerst ging es direkt in die Fertigungshalle von DTA, in der drei Tragschrauber in unterschiedlichen Anarbeitungsgraden und eine Menge interessanter Einzelteile zu sehen waren. Sie wurden uns von Jean-Michel Dizier, dem Leiter von DTA, vorgeführt und erläutert. Wieder einmal bedauerte ich, dass ich Trottel Französisch in der Schule abgewählt hatte, aber auch in Englisch ist die Verständigung hinreichend gut. Besonders, wenn Michael in seiner Funktion als Übersetzer einspringt.

Leider wurden wir von Jean-Michel gebeten, aufs Fotografieren zu verzichten, aber deshalb schauten wir umso genauer hin! Als es in der Montagehalle nichts mehr zu sehen gab, ging es weiter zu der Halle, in der unter anderem auch der erste J-RO - Prototyp steht (inzwischen soll es etwa 10 fertige Maschinen geben), an dem offensichtlich zahlreiche Testflüge mit Messungen vorgenommen werden, denn im Inneren waren eine Anzahl von Messgeräten angeschlossen. Anhand dieser Maschine konnten wir die „Evolution“ in der Vorserie abschätzen und auch Sitzproben vornehmen.
Hier trafen wir dann auch Pascal Podogorska (Fluglehrer, Vertrieb von DTA und neuerdings auch Averso-Rotoren),

Meine ersten Fragen an Herrn Dizier waren, ob und wann es den J-RO in Deutschland geben würde. Seine Antwort blieb etwas vage, lässt hoffen, dass es in der kommenden Saison eine weitere geschlossene oder offene Tandem-Maschine mit deutscher Zulassung geben wird.

Mein persönlicher Eindruck von J-RO ist überwiegend positiv. Hatte Goethe im Götz von Berlichingen noch behauptet: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten“, so war mein Eindruck eindeutig: „Mehr Licht als Schatten“.

Eine eierlegende Wollmilchsau kann aber auch der J-RO nicht sein, ich sehe ihn als Mitbewerber in Augenhöhe zu den Modellen Calidus und dem Arrowcopter: ein Tandem-Zweisitzer, der geschlossen oder offen geflogen werden kann. Preislich hebt er dabei nicht ganz so weit ab wie der Österreicher, aber er bietet ja auch deutlich weniger Innovationen und konventionelleres Layout.

Der Rahmen und die übrigen Teile des klassischen Tragwerks sind recht massiv und robust ausgeführt. Die Kabine ist nicht selbsttragend. Auch der J-RO setzt, wie der Xenon, auf einen Mast mit Sollbruchstelle, die allerdings an einer gut sicht- und erreichbaren Stelle am Mast liegt.
Auch der Averso Stella Rotor und der Rotorkopf sind keine Leichtgewichte, aber da an meiner eigenen Maschine der gleiche Rotor montiert ist, und ich Rotoren mit hohem Trägheitsmoment zu schätzen gelernt habe, bewerte ich dieses Ausstattungsmerkmal als positiv.

Trotz einer Vollverkleidung sind alle wesentlichen Elemente von Motor, Steuerung und Elektrik für einen Check oder die Wartung wesentlich besser zugänglich als beispielsweise bei einem Calidus.
Das Cockpit ist deutlich übersichtlicher und die A-Säule schmäler als bei Cavalon, Orion, Cloud Dancer II & Co..

Unsere „alten“ MTOsport Enthusiasten bemängelten, dass es im J-LO keine vergleichbaren Staumöglichkeiten unter den Sitzen oder in Seitentaschen gebe.
Das Platzangebot und die Kopffreiheit für Piloten und Passagier sind deutlich besser als in einem Calidus. Auch im J-RO sitzt der Hintermann auf dem Tank, etwas höher als der Pilot, wodurch sich auch für ihn recht gute Sichtverhältnisse ergeben.
Eine Kleinigkeit, die mir nicht gefiel: Der Schultergurt des Piloten verläuft – wie beim Calidus – links und rechts des Passagiers. Zumindest im Prototyp.

Bei den Motoren kann man zwischen Rotax 912 und 914 wählen.
Wer es genauer wissen will:
www.dta.fr/JRo/documents/2012J-ROENDTA.pdf
www.dta.fr/JRo/documents/DTA-JRO-EN_price1211.pdf

Leider verbrauchten wir für Besichtigung und Mittagessen so viel Zeit, dass für mögliche Testflüge keine Gelegenheit mehr blieb. Macht nichts! In diesem Jahr werde ich mir doch keinen neuen Tragschrauber kaufen, aber in der Kategorie „offen oder geschlossen fliegbarer Tandem-Pusher-Tragschrauber mit 560 kg MTOM“, die mir persönlich für mein Anwendungsprofil am geeignetsten erscheint, käme der J-LO bei deutscher Zulassung auf jeden Fall in die engere Wahl.

Die drei Gänge unseres Mittagessen waren recht gut gewesen, ausgezeichnet für ein eher unscheinbares Flugplatzrestaurant, aber da das Wetter inzwischen wieder zum Weiterflug einlud und vor den Piloten noch zwei Legs lagen, mussten fünf ungeduldige Piloten und zwei ungeduldige Busfahrer einen französisch fachsimpelnden Michael äußerst unfreundlich und fast mit brutaler Gewalt von seinen Gesprächspartnern loseisen.

Bei der Rückfahrt nach Ruoms führte uns das Wunder-Navi wieder einmal über unbekannte Nebenstraßen, und vielleicht war das nicht mal eine schlechte Wahl, denn wegen des inzwischen wieder herrlichen Sonnenscheinwetters waren offensichtlich alle Touristen am Nachmittag unterwegs und die Hauptverbindungen gut ausgelastet.

Sabine und ich setzten die fünf Piloten und Michael am Flugplatz ab, versicherten uns, dass sie alle erforderlichen Utensilien und genügend Treibstoff für die Strecke nach Saint-Rambert d’Albon (liegt direkt an der Autobahn in Richtung Lyon) haben und fuhren los, den Anhänger am Hotel (nur 20 km entfernt!) zu holen.
Beide Gruppen erlebten eine unangenehme Überraschung: Sabine und ich brauchten wegen dichten Verkehrs für die 40 km zum Hotel und zurück und zum Tanken mehr als 2 Stunden, und die Tragschrauber-Truppe musste zuerst mal ihre Geräte entwässern und einen Kabelbruch an Ralfs „Little Nellie“ (genau genommen: „Slim Little Nellie, denn Peter hat ja die „Fat Little Nellie“) reparieren. Ich hab es zwar nicht gesehen, aber im Xenon von Chris soll das Regenwasser zentimeterhoch gestanden sein.
[attachment=4]<!-- ia4 -->2013-08-08 - Rückreise - vor dem Start in Ruoms - Erst einmal Alles trocknen.jpg<!-- ia4 -->[/attachment][attachment=3]<!-- ia3 -->2013-08-08 - Rückreise - vor dem Start in Ruoms - Norbert Michael obligater Check.JPG<!-- ia3 -->[/attachment]
Sabine und ich versäumten es, die gleiche Strecke zu fahren wie am Vormittag, und so gerieten wir abermals auf eine neue, inzwischen die dritte Strecke zwischen Ruoms und Montelimar, tiefer in die Pampa als bei jeder unserer anderen Fahrten zuvor.
Am Rande eines Schreikrampfes folgte ich einer Kombination von Informationen aus
:arrow: einer 1 : 1.000.000 Straßenkarte,
:arrow: diversen 1 : 500.000 Flugkarten und Anflugblättern,
:arrow: dem, was mir das Navi im Auto zeigte, besonders wenn man ständig hinein oder heraus zoomte,
:arrow: dem Sonnenstand und
:arrow: dem Eindruck, den die Straßen an Wegkreuzungen oder Kreisverkehren machten und
:arrow: meinem inneren Kompass, der mich ganz gut führt - normalerweise.

Was mich immer wieder verunsicherte war die Tatsache, dass die Ortsbezeichnungen der Straßenkarte nur zu etwa 20% mit denen im Navi übereinstimmten und auch nur zu etwa 50% mit dem, was auf den Straßenschildern zu lesen ist: Da biegt man in Richtung „Montelimar“ ab, um am nächsten Kreisverkehr keinen einzigen Ausgang in Richtung „Montelimar“ mehr zu finden. :twisted:

Ich bewundere die stoische Ruhe von Sabine, und wie sie mir trotzdem vertraut, auch wenn es 25 Kilometer lang über eine einspurige Serpentinenstraße mit Ausweichstellen alle paar hundert Meter von einer Hochebene über einen bewaldeten Berghang abwärts geht.
Ihre Nervosität kann man höchstens aus dem alle paar Minuten flüsternd wiederholten „Alles wird gut!“ erahnen.

Doch plötzlich kommen wir in ein Tal, es wird breiter, die Straße ist plötzlich zweispurig und schon sind wir an der Autobahn. Halt! Vorher noch tanken!
Doch ein Blick auf die Uhr zeigt, dass wir die bis zu diesem Punkt verlorene Zeit nicht wieder aufholen können und der Plan, am Abend in Lons anzukommen, nicht mehr durchführbar ist.

Ich informiere Michael per SMS, dass sie nicht auf uns warten, sondern in Saint-Rambert d’Albon am Flugplatz tanken sollten, um so schnell wie möglich nach Lons-le-Saunier weiterzufliegen. Das Wetter wurde vor Lyon etwas diffiziler und die von mir überschlagene Ankunftszeit in Lons wäre so 20 Minuten vor bis genau zu Sunset gewesen.

Kurz darauf erzählte mir Michael, dass sie am Flugplatz bereits getankt hätten, in Kürze wieder starten würden, nun aber eine Landung in Bourg-en-Bresse Ceyzeriat als Plan „B“ geplant hätten, von dort wäre es nur noch eine halbe Stunde auf der Autobahn zum Hotel in Lons-le-Saunier. Vom Gegenwind auf dem zurückgelegten Leg hatte er mir nichts erzählt.

Leider habe ich den Inhalt des Telefonats nur unvollständig verstanden ( Ihr erinnert euch: keine Klimaanlage => beide Fenster offen => Tempo 130 => heftige Windgeräusche => Hääää? ) und somit mißverstanden: Ich dachte, unsere wackeren Piloten würden zuerst versuchen, das ursprüngliche Tagesziel zu erreichen und, falls das nicht möglich ist, in Bourg landen – Plan „B“ eben.

Dabei habe ich zwei Faktoren nicht berücksichtigt: erstens, dass sie den Luftraum von Lyon weiträumig umfliegen mussten, während wir mit dem Auto ausnahmsweise mal die kürzere Strecke hatten, und zweites, dass sie einen starken Gegenwind hatten.

Als Sabine und ich mit Vollgas Saint-Rambert d’Albon passierten, sahen wir gerade noch Ralf starten. Und als wir eine gute Stunde später auf der Autobahn bei Bourg-en-Bresse einen Tragschrauber in der Platzrunde erblickten, hab ich ihn leider nicht als die Maschine von Chris erkannt, da die Farbe im schummerigen Abendrot eher weiß als silbern wirkte.
Und die Strecke nach Lons wettermäßig besser aussah als die zuvor zurückgelegte Strecke.
Und mein Wunsch Vater der Gedanken war: im Plan bleiben.

So fuhren Sabine und ich voller Hoffnung auf den längst gecancelten Plan „A“ am Flugplatz Bourg-en-Brasse vorbei weiter in Richtung Lons-le-Saunier, und erst nach 30 Kilometern erreichte uns der Rückruf. Also für diese 30 Minuten Verspätung muss ich mal die Schuld übernehmen!

Als wir am Flugplatz eintrafen, war es bereits dunkle Nacht geworden, und in Lons-le-Saunier machte uns zunächst im Hotel keiner mehr auf, es war deutlich nach 22:00 Uhr!

Doch nach der Verteilung der Zimmerschlüssel erwartete uns noch eine echte Überraschung: in der Küche hatte jemand mitgedacht und trotz Feierabend für uns einen „kalten“ Spezialitäten-Teller vorbereitet.

Für jemanden, der hungrig und durstig ist und enttäuscht, das letzte geplante mehrgängige Abendmenü versäumt zu haben, war das eine höchst angenehme Aufmerksamkeit des Hotelpersonals, ebenfalls auf einen Plan „B“ umzudisponieren, abgesehen davon, dass es ausgezeichnet schmeckte, besonders die Jakobsmuscheln in einer Cognac-Sahnesauce mit den Eiern des Morcheltieres! (noch ein Insiderwitz!)

Zumindest was die Übernachtung betrifft, liegen wir am vorletzten Tag wieder im Plan. Die Gespräche drehen sich mehr und mehr um den Heimflug ab Freiburg am Samstag. Norbert muss am Samstag zuhause sein, Chris ebenfalls, Ralf will am Samstag heimkommen (Flugplatzfest), Peter und Sabine am Sonntag und Volkmar hat sich zu dem Thema – glaub ich - nicht geäußert. Bei mir ist der Rückkehrtermin egal (Hatte ich schon erwähnt, dass ich seit einiger Zeit wieder Junggeselle bin?).

Weil wir erst etwa eine Stunde nach Bourg-en-Brasse zurückfahren müssen, setzen wir gemeinsam das Frühstück auf 8:00 Uhr und der Abfahrtermin auf 8:30 Uhr fest. Nach einem derartig ereignisreichen Tag folgte bei mir eine ereignislose Nacht in koma-ähnlichem Tiefschlaf.

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Sunday, August 11th 2013, 2:53pm

Frankreichtour 2013 - Tag 12

Reisetagebuch: Tag 12:
Der letzte Gyro-Tours-Reisetag!

Führt einen die französische Küche abends mit schöner Regelmäßigkeit in ein wahres Elysium, wird man vom Frühstück doch recht schnell wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Das Frühstück der Franzosen hat vermutlich ein Engländer erfunden, um mich mal mehrerer Klischees zu bedienen. So und nicht anders stellte sich die Situation auch in unserem Hotel in Lons-le-Saunier dar. Trotz der netten Überraschung gestern am späten Abend.

Doch umso schneller konnten wir das bescheidene Frühstück beenden und pünktlich um 8:30 Uhr standen alle Reiseteilnehmer mit Sack & Pack auf dem Trottoir, doch Michael kämpfte noch mit seinem Laptop und dem WLAN des Hotels, um uns einen Blick auf das kommende Wetter ermöglichen zu können. Anschließend ein kurzes Briefing. Danach war noch die Rechnung im Hotel zu begleichen, und während wir unser Gepäck im Kofferraum des Busses verstauen, entschwindet Sabine hurtig zur Post, um endlich die Postkarten, die sie seit Megève auf unserer Reise begleiten, zu frankieren und abzuschicken. Also kommen wir gegen 9:15 Uhr auf die Strecke, die uns zunächst zurück führte!

Flott geht es nach Süden, zurück nach Bourg-en-Brasse. Doch auch hier wirft uns das Schicksal wieder einen Prügel vor die Füße: in Form eines Plattfußes am linken Hauptfahrwerk von Peters Xenon. Über Nacht muss wohl die Luft schleichend entwichen sein. Beim Reifen!

Jetzt zeigte sich wieder einmal Fliegerkameradschaft in der Praxis: Chris, Volkmar und Peter demontieren das Rad und ziehen Schlauch und Reifen von der Felge. Ein winziges Löchlein ist dann auch bald gefunden, und was jetzt kommt, unterscheidet sich technisch nicht wesentlich von den dutzenden und aberdutzenden Fahrradreifen-Flickereien, die meine Schulzeit mit sechs Kilometern Distanz zwischen Wohnort und Gymnasium mit sich brachte: Mit dem Schlauch geht es in den Hangar, wo es einen Kompressor (statt einer Luftpumpe) in Betrieb zu nehmen und brauchbares Flickzeug zu suchen gilt. Zwei junge Mechaniker vor Ort unterstützen uns dabei. Doch ein gutes dutzend Tuben mit Vulkanisationsmittel unterschiedlicher Hersteller hat im Laufe der Zeit Viskositäten zwischen „Harz“ und „Beton“ erreicht. Nur eines kommt mit "bröckeligem Gelée" annähernd an die erwartete Viskosität „Honig“ heran und damit wird der Schlauch aus Peters Hauptfahrwerksrad repariert.

Gleichzeitig führt Michael zähe, aber letztendlich erfolglose Verhandlungen mit den ortsansässigen Verantwortlichen, die auf einer AVGAS Betankung an der eigenen Tankstelle statt mit den mitgebrachten MOGAS Kanistern bestehen.
[attachment=0]<!-- ia0 -->Echter UL-Hubschrauber.JPG<!-- ia0 -->[/attachment]
Als alle Abflugvorbereitungen in geregelten Bahnen erscheinen, steigen Sabine und ich in den Bus und begeben uns zum zweiten Mal in 12 Stunden auf die Autobahn in Richtung Norden. Ziel ist wieder Besançon, unser bewährtes Ein-/Ausfallstor nach/aus Frankreich. Diesen Flugplatz hab ich inzwischen eigentlich liebgewonnen, nicht wegen irgendeiner nennenswerten Infrastrukur, sondern wegen der idealen Lage, einem beeindruckend schönen Ab- und Anflug entlang des Flusses Doubs, besonders nach Südwesten hin, dem Flusslauf folgend, rechterhand entlang der Reste einer alten Festungsanlage. Und weil es hier doch recht ungezwungen einhergeht.

Da für den Mittag ein Picknick geplant war, wollten Sabine und ich noch „en passant“ einen Carrefour-Riesensupermarkt plündern. Und ich hatte vor, einen Teil des vielen Geldes, das ich gespart hatte, da ich meinen Tragschrauber nicht tanken musste, in kulinarische Mitbringsel umzuwandeln. :lolno:
Doch das Personal an der Theke, hinter der verführerische Köstlichkeiten und feinste Pasteten ausgestellt waren, zuckte nur bedauernd die Schultern, als ich zu den paar Weinflaschen, die ich schon im Einkaufwagen verstaut hatte, auch noch nach Rilettes und Foie Gras du Canard fragte.

Ich konnte es gar nicht glauben, dass man in Frankreich auf 3000 m2 Verkaufsfläche nicht die kulinarische Spezialität erwerben kann, die die französische Nationalversammlung in einem Zusatz zum Landwirtschaftsgesetz zum nationalen und gastronomischen Kulturerbe erklärt hat, um nicht mit dem Tierschutzgesetzen der EU in Konflikt zu geraten: Stopfleber!

Auch das Personal konnte es nicht glauben. Als ich nach wenigen Minuten Suche doch noch das Regal fand, in dem sich diese Spezialitäten versteckten, kam mir auch schon der freundliche Verkäufer von der Spezialitäten-Theke mit den beiden letzten Gläsern Entenstopfleber in der Hand entgegen und zeigte mir danach auch, wo ich die Rillettes finden würde. Er erläuterte mir wortreich die Vorzüge spezieller Produkte. Ich lächelte, nickte etwa alle 5 Sekunden mit dem Kopf, als ob ich jedes Wort verstehen würde, und reduzierte den Schwall an Informationen auf die Begriffe „Porc“, „Poulet“, „Oie“, „Canard“, „Bœuf“, bedankte mich wegen meines begrenzten Wortschatzes hilflos, aber herzlich und mit Handschlag, denn ich hatte alles bekommen, was ich wollte! Diese Episode mit dem freundlichen Supermarktpersonal hat mein Bild von Frankreich als Nation mit Esskultur wieder einmal bestätigt.

Trotz Diesel-Tanken und Supermarkt-Durchlauf waren diesmal die Bodentruppen schneller als die fliegende Einheit gewesen. Das Mittags-Buffet stand schon bereit, als sich die fünf Gyros von Süden kommend in den Gegenabflug einreihten und im Abstand von jeweils etwa 20 bis 30 Sekunden auf verschiedenen Abschnitten der Runway 24 landeten. Gelernt ist gelernt!

Beim Mittagessen erfuhr ich den Grund für die Verzögerung beim Start in Bourges: Peters geflickter Reifen hatte den Druck nicht gehalten und musste abermals instandgesetzt werden. Volkmar hatte glücklicherweise inzwischen eine Dose Reifenflickspray in seinem Werkzeugkoffer gefunden, und das hat letztendlich besser funktioniert als all die historischen Flick-Utensilien, die am Flugplatz in Bourges-en-Brasse aufzutreiben gewesen waren.

Der Treibstoff, der uns in Bourges ja übriggeblieben war, wurde verteilt, und dann wurden Benzin-Vorbestellungen für Freiburg entgegengenommen. Dort mussten Michael und Sabine ja den Anhänger und den Tourbus bei den jeweiligen Verleihern fristgerecht zurückgeben.
[attachment=3]<!-- ia3 -->(C) Ralf - 2013-08-09 - Rückflug-Freiburg-Sabine-mit-dem-begleitfahrzeug.JPG<!-- ia3 -->[/attachment][attachment=2]<!-- ia2 -->(C) Ralf - 2013-08-09 - Rueckflug-Freiburg-Sabine-und Michael.JPG<!-- ia2 -->[/attachment]
Vor uns lag die letzte „offizielle“ Gyro-Tours-Etappe, bei der ich wieder bei Norbert mitfliegen durfte. Peter machte die Führungsmaschine und den Funk unterwegs, also die gesamte Kommunikation mit dem Boden bis auf die Positionsmeldungen in der Platzrunde in Freiburg.

Der Start mit mir als Passagier verlief diesmal deutlich besser als 10 Tage zuvor. Ich denke, dass das entweder die 1,5 kg waren, das ich inzwischen abgenommen hatte, oder Norbert hat während der letzten Flügen mehr Erfahrung mit mir als Passagier und deshalb das geänderte Startverhalten antizipiert! Oder beides?

Weil es die letzte Gelegenheit auf dieser Reise ist, gucke ich mit fast die Augen wund, während ich mich von Norbert komfortabel kutschieren lasse. Diesmal konzentriere ich mich weniger auf die Flugführungsaspekte wie Wind und Kurs und ob Norbert seine Sache gut macht (Macht er natürlich!).

Vor einem Jahr war ich auf dieser Strecke die Nummer 1 gewesen, im Sprechfunkkontakt mit FIS Basel. Diesmal hätte ich den Weg – glaub ich – ganz ohne GPS oder Kompass gefunden: der sichtbare Alpen-Bogen entfernt rechts vorne, die Vogesen links, und voraus der Südrand des Schwarzwaldes. Viele markante Wegpunkte auf dem Weg nach Freiburg: gegen Ende ein aufgelassener Militärflugplatz südlich von Colmar und das Atomkraftwerk bei Fessenheim, das wir jeweils nördlich umflogen.

Nicht nur ich widme mich der Landschaft unterhalb und rundherum: auch Ralf ist ganz aus dem Häuschen, so viele UL-Plätze, die oft nicht in den Karten verzeichnet sind, kann er ausmachen. Ich amüsiere mich noch jetzt über einen der kuriosesten Anblicke, die ich jemals aus der Flugzeugperspektive gemacht habe: den Flugplatz mit zwei Kreisverkehren!
Wer es nicht glaubt: 47°39.20 N 007°00.51 E (diese Koordinatenschreibweise sollte GoogleEarth bei Copy&Paste verstehen) , Fontaine Airport, etwa 12 km östlich von Belfort!

Doch irgendwann geht auch der schönste Flug zu Ende: Peter führt uns in einem Bogen nördlich der Bahn auf die „Rotor“-Anflugstrecke und in den Gegenanflug auf die Landebahn 34, und nach dem roten Stuhl in den Queranflug.
[attachment=1]<!-- ia1 -->2013-08-09 - Rückflug Freiburg - roter Stuhl.JPG<!-- ia1 -->[/attachment]
Der rote Stuhl ist kaum zu übersehen: er steht vor dem XXXLUTZ Möbelkaufhaus. Ich hab vorher im Gegenanflug schon nach meinem funkelnagelneuen Auto gespäht und es auf dem Flughafen-Parkplatz entdeckt: Toll! Nicht geklaut, und eine Stunde später weiß ich auch: nicht zerkratzt oder aufgebrochen und ausgeräumt.

Nach der Landung rollen wir in einer Reihe zum neuen Hangar-Rohbau von Helmut Lang-Dahlke, in dem wir die Maschinen trocken abstellen. Während die Piloten ihre Tragschrauber versorgen, mache ich mich auf den Weg zu meinem Auto. Eine Stunde später sitzen wir „Gyro-Touristen“, 5 Piloten und ich, wieder im Flughafenrestaurant „Mistral“ und warten auf einen Ausklang mit der Reiseleitung.

Es stellt sich langsam diese „Das war es also“-Stimmung ein: Was war toll gewesen? Was weniger? Was würden wir im Falle einer Wiederholung anders machen? Und wie? Wohin wird wohl die nächste Tour gehen? Wer fliegt wieder mit? Was müsste in einer „Best of Gyro-Tours“ Route dabei sein und was nicht?
Mangels kompetenten Ansprechpartnern seitens der Reise-Organisators bleiben diese Fragen vorerst unbeantwortet.

Wir überlegten, ob wie uns nach der Übernahme der Zimmer zu einem Abschiedsessen in der Altstadt treffen würden, doch Michael rief uns an, dass er sich etwas verspäten würde, da er noch bei seiner gestrandeten Maschine vorbeischauen wollte. Dem ersten Anruf folgte ein zweiter, und irgendwann war dann Ralf so hungrig, dass er sich ein Essen bestellte. Nach einem dritten Anruf des Reiseleiters warfen wir den Altstadt-Restaurant-Plan um, folgten Ralfs Beispiel und dinierten alle gleich hier am Flugplatz: das Abendessen war recht anständig, selbst für unsere in Frankreich verwöhnten Gaumen!

Endlich kamen Sabine und Michael spät, aber mit deutlich weniger Verspätung in Freiburg an als wir aufgrund höherer Gewalt vor knapp zwei Wochen bei der Abreise aufgegabelt hatten. Es wurde wieder mal hektisch: den Treibstoff in die Tragschrauber umfüllen, Gepäck umladen, danach ins Hotel. Inzwischen war es für die Rückgabe von Anhänger und Auto schon zu spät geworden, doch ich besann mich, dass das im Grunde ein „PAL“ ist. (Man muss Douglas Adams „Das Restaurant am Ende der Galaxis“ gelesen haben, um zu wissen, was ein „PAL“ ist: ein „Problem anderer Leute“, die einzige Lösung für die Herausforderung, beliebige Gegenstände de facto „unsichtbar“ zu machen, weil keiner mehr hinschaut.)

Ich fuhr also mit den ersten Piloten zum Hotel B&B, um dort festzustellen, dass der Abend schon so weit fortgeschritten war, dass einige unserer Reservierungen gecancelt und die Zimmer weitergegeben worden waren. Für n Personen waren nur noch (n-2) Zimmer vorhanden, also genau ein Zimmer zu wenig. Volkmar warf sich am Empfang zwar mächtig ins Zeug und wendete wohldosiert Verhandlungsgeschick, Überzeugungskunst und Beharrlichkeit an, doch ohne Erfolg! Neben dem Erhaltungssatz für Energie und Materie gibt es offensichtlich auch einen für die Anzahl der Hotelzimmer.

Ob ich in diesem Moment nur zu verhandlungsmüde oder zu enttäuscht war, weiß ich nicht zu sagen, aber urplötzlich erschien mir das „wieder-mein-eigener-Herr-Sein“, eine gemütliche Heimfahrt mit voll aufgedrehtem Sound-System und meiner Lieblingsmusik, meine gemütliche Wohnung in München und die Tatsache, so dem massiven Wochenendverkehr im Bereich des Bodensees zu entgehen, so attraktiv, dass ich mich dazu entschloss, sofort nach München weiterzufahren. Ich widersetzte mich all den vernünftigen Argumenten von Peter, Michael und den anderen, weil ich keine Lust mehr hatte, nach 23:00 Uhr noch ein Hotel in Freiburg zu suchen. Und im Falle eines Falles würde ich ja unterwegs eines finden!

Ein kurzer und schmerzloser Abschied, denn ich werde die meisten Kollegen vermutlich sowieso bei unterschiedlichen Gelegenheiten irgendwo hoffentlich bald wieder treffen: Flugtage wie Gelnhausen, Stammtisch, DULV-Versammlung in Mühldorf, Aero, ...

Also: ab ins Auto und los! Leider ohne Check!

...
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Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

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Sunday, August 11th 2013, 2:53pm

Frankreichtour 2013 - Heimreise / Nachgedanken

Heimreise … Nachgedanken:
0:30 Uhr. Ich hatte gerade den Schwarzwald überquert, war auf der B33 bei Donaueschingen kurz vor der Autobahn zum Bodensee, als mich Peter am Handy anrief: ob ich nicht eine Tasche vermisse?

Doch! Das war die Tasche, die ich für die Übernachtung im Freiburger Hotel vorbereitet gehabt hatte. Bei der Abfahrt habe ich sie offensichtlich unter dem Berg anderer Reisetaschen, Koffer, Sporttaschen, Fliegertaschen, Fototaschen, Plastikbeutel und einem Seesack übersehen. Im Geiste gehe ich durch, was die Tasche enthält, und bitte Peter, sie morgen einfach dem Chris auf den Heimflug nach Mühldorf mitzugeben. Es wäre wohl nichts Wichtiges drin.
Peter fragt nach, ob ich denn einen Haustürschlüssel für München hätte? Teufel: Der ist in der Tasche! Wo kann ich in München außerhalb meiner Wohnung unterkommen, bis Chris zurückkommt? Mir fällt nichts ein! Urlaubszeit! Es hilft nichts: ich muss jetzt nach Freiburg zurück!

Unterwegs ein kafka-eskes Erlebnis an einer Tankstelle mitten im Schwarzwald, die auf mich um Mitternacht den Eindruck wie in einem Endzeit-Szenario macht: Der junge Kassier sitzt hinter schussfestem Glas. Er sieht sich außerstande, sein Kabäuschen zu verlassen, um beispielsweise Toilettenpapier außerhalb seines Sicherheitsbereiches nachzufüllen, und die Flasche Cola Zero, die ich kaufe, muss durch die Geldklappenschleuse unterhalb der Gegensprechanlage gereicht werden. Für die Sicherheit des Angestellten ist gesorgt! Doch wie ist es mit meiner Sicherheit? Was ist, wenn mich jemand als Geisel nimmt, um an Cash aus der Kasse zu kommen? Gibt es dazu Direktiven oder guckt dann ein überforderter junger Mann einfach zu? Plötzlich spüre ich ein mulmiges Gefühl, und das nachts mitten in der Heimat, dort, wo sie besonders schön ist. Nicht in irgendwelchen als gefährlich verschrienen Gegenden in New Yorker Ghettos oder in südafrikanischen Slums!

Um 1:30 Uhr übergab mir Peter im Foyer des Hotels Tasche samt Wohnungsschlüssel, ein freundschaftlicher Händedruck, und abermals machte ich mich auf den Heimweg. Ich schaffte es dank Cola, Spurhalteassistent (funktioniert großartig!) und Müdigkeitserkennungsassistent (meine Müdigkeit erkenne ich allerdings selbst viel zuverlässiger als mein Auto) bis in die Gegend von Lindau, und dort testete ich zum ersten Mal die Bequemlichkeit meiner Liegesessel. Auch die Liegesitze funktionieren prächtig und nach einer Mütze Tiefschlaf nahm ich den Rest des Weges in Angriff und war um 5:45 Uhr daheim: bis mittags holte ich all das nach, was mir in der Nacht versagt geblieben war.
Am Nachmittag trafen dann nacheinander die Telefonate der Kollegen ein, die mich von den erfolgreichen (Teil-) Rückflügen berichteten, und so ging auch der inoffizielle Teil der Reise erfolgreich zu Ende.

Michael und Sabine hatten Probleme bei der Rückgabe des Anhängers, die am Samstag angeblich nur abends möglich gewesen wäre, aber auch nicht geklappt hat. Michael konnte seine Maschine durch den Austausch eines Kabels schnell wieder instandsetzen, zu einem UL-Gelände transpirtieren und von dort nach Speyer fliegen. Inzwischen ist auch er wieder zuhause in Görlitz eingetroffen.

Nur meine Maschine steht noch immer bei Jochen im Hangar in Kaufbeuren. Inzwischen habe ich mit der Göbler-Hirth-Hotline telefoniert (Ratschläge: Benzinfilter verstopft, Tank reinigen!), Emails mit Michael und „Bergflieger“ gewechselt, mit mehreren „alten Hasen“, UL-Schraubern, Auto-Elektrikern, … diskutiert. Die Anzahl der möglichen Fehlerursachen grenzt sich langsam ein, auch wenn immer wieder neue Hinweise kommen.
Ich selbst bin überzeugt, dass es an einem der Sensoren der ECU oder an der Programmierung der ECU selbst liegen muss! Alle anderen Vermutungen beschreiben nicht das Verhalten, dass Vollgasschübe den Leistungsverlust für kurze Zeit beenden.
Was bringt mich weiter? Ein Tausch der ECU bringt nichts, wenn ein Sensor die Ursache ist. Und umgekehrt. In jedem Fall sollte ich mal die Benzinfilter tauschen!
Während Michaels Fehlersuch-Flug zeigte nicht das Problem auch nach einer Stunde nicht (Außen- und Motortemperatur, Leistungseinstellung, Flughöhe?), und am Boden trat es überhaupt nicht auf!

Doch der Geistesblitz, wie ich jetzt als Versuchskaninchen in eigener Sache mit dem geringsten Risiko weiter an der Analyse des Problems und dessen Beseitigung weiterkomme, der fehlt mir leider noch. Vorschläge willkommen!

Wenn mir nichts Brauchbares einfällt, werde ich die D-MHWO erst mal mit dem Anhänger nach Hause holen und in und um Straßham, quasi in der Platzrunde, weitere Fehlersuche betreiben. Oder in und um Görlitz, wenn der Michael Zeit findet, mir zu helfen?

Mit der Rückkehr haben mich Arbeits- und Freizeitstress wieder fest in den Griff bekommen! Ihr merkt es ja auch an der Verzögerung bei der Fertigstellung dieses Reiseberichtes. Selbst der geplante Austausch unserer Fotos und Filme kam bisher nicht zustande!

Am vergangenen Wochenende habe ich in Graz die letzten administrativen Hürden genommen, und in einigen Tagen werde ich nach dem Renewal (ja, so heißt das bei Austro Control!) meine EASA-PPL wieder haben und dann werde ich wohl eine Zeitlang vermehrt mit Fläche (UL und Echo-Klasse) fliegen.

Und dann verspüre ich da in den letzten Tagen auch noch den „Costa Rica“-Virus in mir, der möglicherweise kurz von dem Ausbruch steht?

Aber eines ist für mich ganz sicher: ich werde, alleine oder in kleiner Gruppe, den Teil der Reise mit Megève, Grenoble und L’Alpe d’Huez nachholen! Auch ich will dieses Grinsen auf meinem Gesicht und die Euphorie, die uns Ralf vorgetanzt hat!

Sabine und Michael: Es war fast die Reise, die ich mir vorgestellt hatte, und ohne dem Defekt an meiner Maschine, meinetwegen auch ohne meinem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis, wäre es sie mit Garantie gewesen!

Es sind 8 erwachsene Menschen (zwischendurch kurz und überaschend mal 10), die da gemeinsam reisten und deren Fähigkeiten, Interessen, Wünsche und Bedürfnisse immer unter einen Hut zu bringen, ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Und der Versuch, diese Unmöglichkeit so weit wie möglich in Realität umzusetzen, ist Schwerstarbeit!

Kein Wunder, dass es dann und wann auch "kriselt" und „menschelt“. Solange man jede Situationen aber so bereinigt, dass man sich doch zu jeder Zeit als Gemeinschaft sieht und die erforderlichen Kompromisse eingeht, finde ich, ist alles im „grünen Bereich“! Für mich ist diese „Quadratur des Kreises“ während unserer Reise so weit gelungen, dass ich in dieser Gruppe jederzeit wieder auf eine Tour gehen würde, allerdings lieber fliegend als fahrend!

Mein Blick hinter die Kulissen, also während der Bodenzeiten, zeigte mir auch aus einer anderen Perspektive deutlich, wie viel Aufwand für Planung, Vorbereitung, Organisation, Durchführung und die Korrektur von Unvorhergesehenem bei so einem Event getrieben werden muss! Insbesondere auch dadurch, dass das Wetter das Reiseprogramm nicht vollständig gelesen hat und einfach machte, was es wollte! Hier die Balance zwischen Einhalten eines Zeitplans und fliegerischer Vernunft zu finden ist nicht trivial, und ich halte es für erforderlich, hier bei der gemeinschftlichen Planung alle Punkte anzusprechen und auszudiskutieren, was im Verlauf der Reise immer besser (und schneller ;) ) gelungen ist.
Ich finde, die Idee mit den Puffertagen und auch die Flexibilität, das eine oder andere Ziel mal herabzustufen oder auszulassen, und auch die Möglichkeit, lokal individuelle Flüge dazwischenzuschieben, haben sich sehr gut bewährt.

Sabine, du hattest recht: Alles ist gut geworden!

Herzlichen Dank dafür nochmals euch beiden! Ihr habt euch, finde ich, sehr gut ergänzt und jeder hat seine Stärken mit Erfolg eingebracht.

Servus, Holger (der Schwafler, am Ende dieses Reiseberichts!)
"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

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