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Wolle

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Saturday, August 6th 2011, 10:07pm

Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Eigentlich stand das Tragschraubertreffen in Rotenburg/Wümme im Kalender,, aber Viktor Wyklicky, ein bekannter und langjähriger UL-Flieger hatte eine Reise nach Sardinien geplant. Da konnte ich nicht nein sAgen.
Heute ging's vom Flugplstz Weser-Wümme östlich von Bremen. Beide Satteltaschen voll mit Kulturbeutel, Wechselwäsche und Kartenmaterial. Auf dem zweiten Sitz eine Reisetaschen mit dem, was man für anderthalb Wochen so braucht. Dann noch die Kamera und das iPad. Vile mehr war nicht zu tun.
Gegen Mittag landete Viktor mit seinem Eagle-Trike auf unserem Platz. Schnell noch günstigen Sprit vom nahen Einkaufszentrum nachgetankt und dann auf zur ersten Etappe nach Metelen, einem kleinen privaten UL-Platz südlich von Rheine. Hier ist Klaus Wehrmann zu Hause. Er wird uns mit seinem Eagle-Trike begleiten.
Mit den beiden habe ich im vergangenen Jyhr schon einmyl eine grössere Tour unternommen zu den Europameisterschaften der Ultraleichtflieger nach Sywell in England.
Die erste Etappe von etwas mehr als 160 km war mit 1:55 h zwar langsam, aber schliesslich sind Trikes ja auch keine Rennmaschinen. Der Vorteil ist der geringere Spritverbrauch bei dieser Geschwindigkeit. Unterwegs standen einzelne Schauer herum, aber keiner lag direkt auf unserem Flugweg.
der Abend endete mit einem netten Grillteller bei Klaus und jetzt ist SchlFenszeit in einer nahegelegenen Bauernhof-Pension.
Die Etappe morgen soll uns bis nach Lindau führen. Ein langer Ritt.
Nach dem Interesse an meinem Bericht über die Teilnahme am Deutschlandflug denke ich, dass auch dieser Reisebericht seine Leser hier im Forum findet.
Wolle
Gruß
Wolle

Schlagschrauber

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2

Saturday, August 6th 2011, 10:49pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hi, Wolle!

Bitte versorge uns mit Fernweh! ;)

Guten Flug und viel Spaß dabei!

Servus, Holger

P.S.: Ich bin mal auf eure Route gespannt - und wie ihr die Wasserstrecke angeht.
"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Wolle

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3

Sunday, August 7th 2011, 11:38pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Der zweite Tag unseres Fluges begann mit ziemlich trübem Wetter. Um 8 Uhr hingen die olken noch recht tief und der wInd kam natürlich nicht von hinte, sondern deutlich von der Seite. Die beiden Trikes mit Viktor und Klaus starteten als erstes. Rauf auf die Piste, vorrotieren, Gas nach vorne und ab ging es. Noch erlaube die Wolkenuntergrenze gerade mal 800 bis 1.000 Fuß. Die Sicht von anfänglich 4 Kilometern wurde schnell besser.
Unser erster Zwischenstopp war Iserlohn-Sümmern, ein Segelflugplatz, auf dem ich meine ersten fliegerischen Erfahrungen gesammelt habe. Hier gab es noch mal Sprit zum Nachtanken und weiter ging es. 
Unser nächtes Ziel lautete Langenlonsheim. Wer sich schon mal mit dem UL-Prüfungsfragenkatalog beschäftigt hat, der kennt den Namen dieses Platzes. Statt des direkten Kurses sind wir Richtung Koblenz geflogen, um dann vom Deutschen Eckaus den Rhein entlang zu fliegen. Es ist erstaunlich, wie dicht der Schiffsverkehr auf diesem Fluss ist. Inzwischen hatte sich das Wetter weiter gebessert, die Sonne schien und man konnte kilometerweit kucken. (Ja, ich weiß:zu so einem Bericht gehören auch Bilder. Ich werde sie nachliefern)
 In Langenlonsheim sind ausgesprochen kundenfreundliche Menschen zu Hause, denn Landegebühren werden hier nicht verlangt. "Warum soll ich dafür Geld verlangen. Mir war das peinlich," sagte der Vereinsvorsitzende.
Langenlonsheim war leider erst mal Endstation für Klaus. Sein Eagle-Trike hatte auf dem Letzten Stück des Fluges immer wieder sehr kurzzeitigen Drehzahlabfall. Ein Phänomen, das heute nicht zum ersten Mal auftrat. Freundliche UL-Flieger vom Platz waren schnell mit Rat und Tat zur Stelle. Die Zündspulen dürfen nicht direkt an den Kerzen am heißen Motor sein, sie müssen verlegt werden. Genau dieses Ersatzteil war heute in Metelen per Post angeliefert worden. Also musste Mike, der Sohn von Klaus, den Kurier spielen. Der ganze Einsatz nützte nichts, nach dem Umbau war das Problem nach einem Probeflug immer noch nicht behoben.
Ich hatte mich inzeischen sufgemscht zu eine Katzensprung nach Worms. Dort wartete die Familie meiner Tochter. Meine Enkelkinder waren ganz begeistert, ihren Opa wiederzusehen. Nach Ausgiebiger Mittagspause machte ich den Gyro wieder startklar, denn Viktor war inzwischen alleine nach Rheinstetten bei Koblenz vorgeflogen. Wir haben uns dann leider beim Weiterflug nur akustisch, abe nicht optisch getroffen. Das war vielleich auch gut so, denn so konnte ich schnell und konzentriert über den dicht bewaldeten Südschwarzwald nach Sulz fliegen. Als Flachländer, so finde ich, wachsen im Schwarzwald entschieden zu viele Bäume. 
Ein einsamer Fliegerfreund begrüßte uns dort. Sonst war dort nichts los. Also schnell weiter nach Wildberg.
Daraus wurde zunächst nichts. Schon von weitem sahen wir ein kräftiges Regenband quer zu unserer Flugrichtung. Als wir die ersten Tropfen spürten, wurde schnell umgeplant und wir landeten in Leibertingen. Ein Segelflugplstz mit vielen Maschnen und vielleicht noch mehr Flugzeuganhängern. Offenbar war dort ein Fliegerlager, denn im grossen Vereinsheim saßen jede Menge Menschen beim Abendessen. Hier konnten wird am Computer bei Wetter online die aktuelle Regenlage prüfen. Leider zogen wei gestaffelte Regenbänder genau quer zu unserer Flugrichtung. Aber es sah so aus, als würde sich eine kleine Lücke auftun. Mit Friedrichshafen Tower hatten wir telefonisch klar gemacht, dass wir auch ohne Transponder die Kontrollzone durchfliegen durften.  Also noch mal alles wasserfest verschnürt und los.
Diesmal wurden wir allerdngs wirklich nass, obwohl wir die dicksten Schauer umfliegen konnten. Wir sind bei Überlingen an den Bodensee hersn geflogen und dann der Uferlinie bis Lindau gefolgt. Und genau dort, wo der Flugplatz Wildberg sein sollte, lag ein ganz schmales und nicht sehr dickes Wolkenband auf dem Boden auf. So schien es wenigstens aus der Ferne. Näher heran sahen wir dann, dass zwischen Wald, Häusern und Wiesen sowie der Wolke noch ein kleiner Zwischenraum war. Also haben wir die letzten 3Kilometer im Tiefstflug die Piste angesteuert.
Damit hatten wir kurz vor Sonnenuntergang unser Etappenziel erreicht.
Wolle
Gruß
Wolle

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4

Monday, August 8th 2011, 7:24am

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hallo Wolle,

ich freu mich immer wieder, wenn jemand über seine Flugerfahrungen über die Platzrunde hinaus schreibt. Ich wünsche euch viel Spaß bei eurem Flug und freu mich schon auf die nächsten Berichte. Ein paar Fotos wären allerdings wirklich schön.

-- Chris.

Gyronaut

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5

Monday, August 8th 2011, 9:34am

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hi Jungs,

habe Euren Anflug auf Wildberg gesehen. Bitte schreibt weiter ! Bin gespannt auf Eure Alpenüberquerung.
Stefan

Man kann die Natur nur dadurch beherrschen, indem man sich ihren Gesetzen unterwirft.
Francis Bacon

Wolle

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6

Monday, August 8th 2011, 3:19pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

@ Gyronaut: upps, du hast uns gesehen? wir haben ja kaum was sehen können.

Heute haben wir etwas Höhenluft genossen, aber nicht aus dem Tragschrauber. Die Wetteraussichten sind nicht rosig. Leider auch für morgen nicht. Wolken und starker Wind. Also: rauf aufs Fahrrad und von Lindau nach Bregenz. Zum touristischen Programm gehörte natürlich die beeindruckende Kulisse der Seebühne. Dann noch schnell mit de Seilbahn hinauf auf den Berg um wenigstens einen schönen Höhenblich auf das oberer Rheintal und auf den Bodensee zu werfen. Bei der Rückfahrt sind wir nass geworden - aber nicht von oben, sondern von der Seite. Der wind hatte solche Wellen erzeugt, dass die Brecher über die Ufermauern spritzten.
Aber hier geht es ja nicht um touristisches Rahmenprogramm, sondern ums Fliegen. Das wird leider noch dauern.
Klaus, der immer noch in Langenlonsheim fest sitzt, hat den Fehler für die Zündaussetzer an seinem BMW-Motor noch immer nicht gefunden. Heute Abend gibt es noch einen letzten Versuch. Fest steht auf jeden Fall, dass er nicht nach kommen wird. Sogar der Rückflug ist für ihn fraglich, denn mit unsicherem Motor über das Sauerland oder andere bewohnte oder bewaldete Gebite ist nicht angeraten.
Fortsetzung und Bilder folgen.
Gruß
Wolle

gyro_kai

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7

Monday, August 8th 2011, 5:44pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hallo Wolle,

da haben wir uns aber knapp in Lalo verpasst, denke ich. Ich hatte ein paar Touch and Gos gemacht und nach meiner Abschlusslandung mit Mörderböe habe ich einen Orangen Gyro mit anderen Fliegern abfliegen sehen. Die Leute am Platz haben mir gesagt, Du seist wohl auf Tour und hättest statt Passagier viel Gepäck auf dem Rücksitz.

Kai.

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8

Monday, August 8th 2011, 7:30pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

ja, das stimmt, ich habe dich noch parken gesehen, als ich mit meinem ROTEN Flieger gestartet bin. Meine beiden Freunde haben noch hinter der Halle geschraubt
Gruß
Wolle

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9

Tuesday, August 9th 2011, 10:15am

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Moin in die Runde - noch immer aus Lindau.
Der Teletext von Austro Control auf ORF verheißt erst für morgen fliegbares Wetter über den Alpen. Deshalb heute noch einmal sportliche Betätigung am Boden.Das mit aktuellen Bildern wird schwierig, denn ich habe sie zwar inzwischen auf emienm IPad, aber von dort bekomme ich sie nicht hier ins Forum geschoben. Also etwas warten.
Gruss Wolle
Gruß
Wolle

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10

Wednesday, August 10th 2011, 10:31pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Tja, wie soll ich es sagen: ich habe gekniffen!
Heute Morgen waren noch ein paar tiefe Wolkenfetzen unterwegs und der Platz in Wildberg triefte noch vor Wasser, aber wir haben uns aufgemacht. Flieger vollgetankt, das überflüssige Gepäck unserem "Mitfahrer" Sven in den Wagen geladen und dann ab nach Füssen. Dort stieß unser dritter Mitflieger Thomas mit einer C 42 zu uns. Also noch mal die richtigen Karten gefaltet, die Details durchgesprochen und dann ab in die Luft.
Zunächst ein kleiner Schlenker vorbei an Schloss Neuschwanstein und dann an Reutte vorbei immer weiter in die Alpen. Mein Flieger kletterte erschreckend langsam noch oben. Einerseits ein paar tausend Fuß Luft unter mir, andererseits an den Seiten deutlich höhere Berghänge. Und vor allem: weit voraus noch höhere Berge.
Mir wahr nicht wohl bei der ganzen Sache. Die inzwischen erreichten 7.000 Fuß reichten zwar für den ersten Pass, den Reschenpass, aber das Stilfzer Joch lag noch mal mindestens 2.000 Fuß höher. Würde mein Gyro das schaffen und würde ich das mental schaffen?
Ich bin schon mit dem Trike durch Amerika und Australien geflogen, auch eine Überquerung der Pyrenäen hatte ich schon hinter mir, aber das hier? Es war mir nicht geheuer.
Lust auf den Flug nach Italien hatte ich schon, aber warum sollte ich mich jetzt quälen, mich unwohl fühlen und dann das Gleiche noch mal beim Rückweg erleben - vielleicht bei schlechteren Wetterbedingungen? Nach kurzer Debatte mit meinen beiden Mitfliegern entschied ich mich dann zum Umkehren.
Klar, das ist schon unangenehm, nach der Planung meine beiden Fliegerfreunde alleine ziehen zu lassen. Und was macht das für einen Eindruck hier im Forum, wenn man unter der Überschrift "Von Bremen nach Sardinen mit dem Tragschrauber" berichtet und dann vor der ersten großen Hürde aufgibt?
Egal. Fliegen soll Spaß machen und wenn man ein unsicheres Gefühl hat soll man nicht aus falsch verstandenem Ehrgeiz einfach weiter machen. Sicher ist es nie verkehrt, ab und zu auch mal auf sein Bauchgefühl zu hören.
Wie dem auch sei, aus der Tour zu viert ist nun eine Zweiertour geworden.
Ich bin zunächst wieder in Füssen gelandet und habe meine Karten neu sortiert und dann zu einem Tankstop nach Tannheim geflogen. Von dort dann weiter nach Morbach, dem Hausflugplatz des DULV. Dort gab es Tee und Kuchen und ein paar angeregte Gespräche mit den guten Geistern der Geschäftsstelle und DULV-Chef Jo Konrad.
Jetzt sitze ich in einem Hotelzimmer in Backnang und freue mich morgen auf einen hoffentlich entspannten Rückflug nach Bremen. Vorgesehene Zwischenstationen sind die Wasserkuppe und Höxter.
Auch Klaus, der zweite Trike-Pilot wird sich morgen auf den Heimweg machen. Nach viel Sucherei und Hilfe der örtlchen Piloten ist der Grundfür seine Zündaussetzer gefunden worden: an einem kleinen Kabel der Zündanlage gab es eine schadhafte Stelle, die gelegentlich für einen Kurzschluss sorgte.
Gruss Wolle
Gruß
Wolle

Jochen H.

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Thursday, August 11th 2011, 8:01am

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hallo Wolle,

"ich ziehe die Kappe", meine Hochachtung sei Dir gewiss!
So verhält sich ein verantwortungsbewusster, vorbildlicher Pilot.
Dennoch ist es natürlich schade. Denk dran, ein paar Bilder einzustellen.
Danke für Deinen Reisebericht.
Viele Grüße
Jochen

iceforce

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12

Thursday, August 11th 2011, 8:09am

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hallo Wolle,

mein Respekt!!! und Glückwunsch zur mutigen Entscheidung!! Ich melde mich hier eigentlich seltener zu Wort, da ich mich eben auch nicht als "Fliegerass" bezeichnen mag und ähnliche Entscheidung wie Du sie getroffen hast auch schon hatte. Ich höre beim Fliegen eben auch auf mein Bauchgefühl und selbst wenn ich auf der Startbahn stehe und der Bauch sagt das wird heute nix - dann würde ich umdrehen und abstellen. - Wie Du so schön sagst es soll Spass machen!!!
Ich wünsche Dir einen guten Rückflug und vielleicht sieht man sich ja mal im Bremer Raum...

Viele Grüsse Jens

Bastian

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13

Thursday, August 11th 2011, 8:22am

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Moinmoin Wolle, ich kann mich meinen Vorpostern nur anschliessen und Dich für deine Entscheidung beglückwünschen. In mir schmort schon lange der Wunsch an/in den Alpen zu fliegen......aber drüber hinweg hätte ich mich nie getraut. Umsomehr habe ich Dich für Deinen Plan bewundert und beneidet. Gleiches tue ich nun für Deine richtige Entscheidung, es nicht zu tun. Hoffentlich hast Du heute gutes Wetter für den Rückflug.
Gruss aus Landunter
Bastian

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Thursday, August 11th 2011, 8:27am

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hallo Wolle,

zunächst gratuliere ich dir für dein Umkehren. Es braucht oft mehr Kraft und Rückgrat, auf sein Bauchgefühl zu hören als es zu unterdrücken. Und in jedem Fall war das die sicherere Entscheidung. Du hast meinen Respekt dafür.

Jetzt zum technischen. 7000 Fuß sollten für den MTOSport noch gut 3000 Fuß Raum bis zur Dienstgipfelhöhe von 10000 Fuß lassen. Dies gilt bei 450 kg Beladung und Standardatmosphäre, also 15 °C auf Meereshöhe. In 7000 Fuß ergibt das so um die Null Grad beim Standardgradienten von -6,5 °C pro 1000 m Höhe. Sicherlich war es tatsächlich deutlich wärmer. Hat es zB. +10°C in 7000 Fuß bei einem QNH von 1013 mBar gehabt, dann warst du aerodynamisch bereits bei über 8000 Fuß Höhe. In Dienstgipfelhöhe sollte, lt. Definition, der Gyro gerade noch mit 100 Fuß/Minute steigen (wenn du mit Vy fliegst).

Beim Flug in die Berge solltest du beim Wetterbericht auch immer die Temperatur in der größten von dir geplanten Flughöhe nachsehen. Dann kannst du nämlich die Dichtethöhe prüfen (zB. übers Internet hier) und siehst gleich, ob du's prinzipiell schaffst oder nicht.

Das zweite, das du prüfen solltest, ist die Windrichtung und wie sie sich vom Boden bis zu deiner größten geplanten Flughöhe ändert. Das ist wichtig weil es dir einerseits Leeturbulenzen vermeiden hilft und andererseits auch Hangaufwinde nützen lässt. Durch Hangaufwinde und Thermik (oft über sonnenbeschienenen Bergflanken) kannst du meist deutlich über deine Dienstgipfelhöhe steigen. Höhe halten ist danach oft kein Problem und du kannst so höher als 10.000 Fuß dahinfliegen. Bedenke allerdings, dass du dann nur mit Vy fliegst und nicht mit einer von dir vielleicht geplanten höheren Reisegeschwindigkeit.

Drittens solltest du beim Überfliegen eines Passes deinen Steigegradienten ausrechnen. Das heißt, dass du deine Vertikalgeschwindigkeit von "Fuß pro Minute" in "Fuß pro Kilometer" umrechnest. Damit weißt du auch, welche Höhe du bei Erreichen des Hindernisses voraussichtlich haben wirst. Hier ein Beispiel:

Du fliegst auf 6000 Fuß und laut Karte musst du in 10 km einen Pass in 8000 Fuß Höhe überfliegen. Deine maximale Steigleistung beträgt ca. 300 fpm bei 90 km/h. Schaffst du das? Um das auszurechnen, multiplizierst du deine Steigleistung mit 60 und dividierst das Ergebnis durch deine Reisegeschwindigkeit um herauszufinden, wieviel Höhe du pro Kilometer steigen kannst. Hier ergibt das also: 300 * 60 / 90 = 200 ft/km. Auf 10 Kilometer schaffst du also rund 2000 Fuß.

Zum Überschlagen und einfachen Merken: bei 90 km/h Fahrt multiplizierst du deine Vertikalgeschwindigkeit einfach mit 1,5. 200 fpm und 90 km/h ergeben damit 300 ft/km.

Solltest du deine Höhe beim Erreichen des Ziels doch noch nicht erreicht haben, kannst du natürlich über einem Punkt kreisen und so steigen. Allerdings unbedingt GAAAAANZ FLAAAAAAAAAACHE Kurven fliegen, sonst schenkst du sofort dein letztes Bisschen Steigleistung in der Kurve wieder her. Und nicht vergessen: in Thermik oder Aufwind kreisen macht oft aus mageren 100 fpm satte 500 fpm oder mehr!.

Generell gilt: wenn du Höhe machen willst, fliege in Aufwinden langsamer und in Abwinden schneller. In der Praxis solltest du in Aufwinden mit der Geschwindigkeit des minimalen Sinkens fliegen (in der Praxis ist 70 km/h ganz gut) um die meiste Höhe zu gewinnen. In Abwinden fliegst du einfach deine normale Reisegeschwindigkeit. Wenn du dann noch deinen Flugweg in Aufwindzonen verlegst, geht's ganz zügig aufwärts, auch wenn dein Gyro das alleine nie schaffen würde.

Liebe Grüße, -- Chris.

bushflyer

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Thursday, August 11th 2011, 3:42pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hallo Wolle,

absolut richtig und professionell entschieden, klasse.

Beste Grüsse vom
Jünter

Schlagschrauber

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16

Thursday, August 11th 2011, 4:03pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Hi!
Was soll ich denn da noch hinzufügen, außer dass auch ich deine Entscheidung für richtig halte, und die Theorie der Bergfliegerei hat ja der Chris hier in aller Kürze zusammengefasst - die Praxis sollte man dann halt noch mit einem erfahrenen Kollegen oder Lehrer erarbeiten.

Auch ich hab heute eine Sicherheitsentscheidung getroffen, und ich steh dazu. Lieber 10 mal zu vorsichtig als einmal zu mutig!

Angenehmen Rückflug!

Heute ist nicht alle Tage ... du kommst wieder - keine Frage! :lol:

Servus, Holger
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Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Wolle

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Sunday, August 14th 2011, 1:21pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Zunächst mal ganz herzlichen Dank für die Reaktionen (Jochen, Iceforce, Bastian, Jünter und Holger und vor allem Chris für die anschaulichen Erläuterungen).

Ich will noch kurz berichten, wie der Heimflug war. In Morbach herrschte schönes Wetter und mäßiger Westwind, der sich vielleicht zu einem leichten Schiebewind entwicklen konnte. Nächste Station sollte die Wasserkuppe sein. Wiege des Segelflugs und der Ort, an dem ich vor 30 Jahren mit dem Bergfalken meine ersten Drachenflugerfahrungen gesammelt habe. Entweder aus Fürsorge, oder um mich abzuschrecken bekam ich bei meiner telefonischen Frage, ob der Platz geöffnet sei, die Auskunft: "Hier sind es 50 km/h Wind."
Mhh. Also dann eben nicht, sondern zunächst ein kurzer Sprung nach Würzburg-Schenkendorf. Dort noch mal die Karten umgesteckt und ab nach Kassel. Unterwegs habe ich mir noch die Freigabe für die ED-R bei Giebelstadt geholt, so dass ich schön entlang der Kurslinie fliegen konnte. Funkkontakt zu Kassel aus Richtung Süden aufzunehmen, gestaltete sich etwas schwierig. Offenbar schirmt der Bergrücken doch die Funkwellen ab. Aber dann klappte es und ich konnte den Platz direkt anfliegen. Tanken, Pause und ein Anruf beim DWD, denn der Sonnenschein hier stand im Gegensatz zur Wetterprognose für den Norden Deutschlands. "Bis Nienburg müsste es auf jeden Fall gehen, aber Sie müssen mit 20 bis 25 Knoten rechnen," meine die Flugwetterberaterin. Für Bremen selbst sah sie Nieselregen und tiefe Untergrenzen vor. Na ja, das konnte mich nicht abschrecken. Also schaukelte ich über den Deister, schlängelte mich zwischen an den Kontrollzone Bückeburg und Wunstdorf vorbei. Anders als vorhergesagt, war es in Bremen trocken. Lediglich die Landung in EDWM war etwas spektakulär, denn bei dem 36/18-Platz gibt es rechts und links engen Baumbestand und das bei dem strammen Seitenwind geht es schon zur Sache.
Viktor und Thomas haben es (natürlich) sauber über die Alpen geschafft und sind bis weit in die Poebene hinein geflogen. Inzwischen haben Sie auch die Wasserstrecke (das hätte mich nach Helgoland und England nicht so erschreckt) nach Elba, Korsika und Sardinien überwunden und ein paar wunderschöne Flüge an der Smaragdküste hinter sich. Ihren Bericht mit sicher schönen Bildern wird es in einem der nächsten DULV-Infos geben.

Mein Fazit: ich habe mich nicht unvorbereitet auf diesen Flug gemacht, aber eben doch überschätzt, was es psychisch bedeutet, die Alpen zu überqueren. Ich glaube nicht, dass ich das noch mal versuchen werde. Aber ganz sicher werde ich wieder Flüge über lange Strecken machen, denn das kann ich (Los Angeles - New York und Perth - Sydney mit dem Trike). Und ich werde begierig lesen, wenn andere von ihren Flügen berichten.
Wolle
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Gruß
Wolle

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Sunday, August 14th 2011, 1:26pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

Weitere Bilder vom abgebrochenen Alpenflug
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Gruß
Wolle

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Sunday, August 14th 2011, 2:53pm

Re: Von Bremen nach Sardinien mit dem Tragschrauber

In Österreich kannst du eine Alpeneinweisung machen. Die ist sogar verpflichtend, wenn du in Österreich den Schein machst. Das ist ein Flug mit dem Fluglehrer über den Alpenhauptkamm mit inbegriffenerer Theorie des Bergfliegens. Kann ich nur empfehlen. Es ist eine große Bereicherung und erweitert deine fliegerischen Freiheiten.

-- Chris.

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