You are not logged in.

Green

* Förderndes Mitglied *

Posts: 218

Thanks: 140

  • Send private message

1

Saturday, September 30th 2017, 7:08pm

Raus aus dem Büro

Teil 1
Es wurde mal wieder Zeit etwas anderes zu sehen als die Arbeit.
Anfang dieser Woche kam mir die Idee mal raus aus dem Arbeitstrott und mit dem Tragschrauber für kurze 2 Tage die ich mir Zeit nehmen konnte irgendwo hin zu fliegen.

Eigentlich versprach das Wetter für den Dienstag und Mittwoch dieser Woche schön zu werden. Da ich noch nie auf der Nordseeinsel Borkum war und ein bekannter dort gerade ein paar Tage Urlaub machte, entschied ich mich dort hin zu fliegen.
Die Flugplanung für den Hinflug sah vor, das ich vom Niederrhein ca. 80% der Strecke durch die Niederlande bis Borkum fliegen wollte. Eine Kontrollzone die genau auf dem Kurs lag, konnte ich gut Unterfliegen da sie erst ab 2000 ft greift. Die geplante Strecke hatte so nur ca. 235 Kilometer von EDLG-Goch bis nach EDWR-Borkum.
Am Dienstagmorgen, ein kleiner Rucksack war bereits gepackt und der Gyro am Vorabend bis zum Rand aufgetankt, zeigte sich eine zähe Nebelschicht die sich bis Mittag einfach nicht auflösen wollte. Ein Blick ins Wetter versprach mir aber für Mittwoch und Donnerstag bessere Verhältnisse. Also verschob ich mein Vorhaben auf einen Tag später den Mittwoch. Es wurden noch ein paar Termine die ich am Donnerstag hatte um geplant und dann sollte es passen.
Am Mittwochmorgen Kontrollierte ich noch den Gafor. Für unseren Bereich war Oscar und für die Inseln Delta 4 vorhergesagt. Auch die Notams auf meiner Strecke boten keine Unannehmlichkeiten und ein Flug ab ca. 10:00 Uhr sollte möglich sein. Noch schnell bei Booking.com ein Hotelzimmer gebucht und so ging es auch fast pünktlich bei wolkenlosen Himmel mit etwas Dunst los.
Die geplante Route ging von Goch über Emmerich, Almelo, östlich entlang der Kontrollzone Eelde, bis nach Borkum.
Doch die Sichtverhältnisse wurden nach 100 Kilometer Flug immer schlechter und schlechter ganz anders als vorhergesagt. Ich entschied mich über die vorhandene 6/8 Wolkendecke auf ca. 3000 ft. zu gehen. Brav wie ich bin, 8) teilte ich Dutch-Mill, der holländische FIS mein vorhaben mit. Was mich schon die ganze Zeit etwas stutzig machte war, das außer mir nur noch ein anderes Flugzeug zu Dutch-Mill Kontakt hatte, war doch sonst die Frequenz immer völlig überfüllt. In einem Bereich einer Low-Flying-Area musste ich meine Flughöhe verlassen und auf unter 1000 ft. sinken. War das eine bescheidene Sicht…….. ;( Ich musste auf ca. 700 ft. runter um noch in etwa Mike 8 Verhältnisse vor zu finden. Da es in Holland aber so gut wie keine Windräder gibt, sollte das schon klappen.
Dank des leichten Rückenwind und dem doch schnellen Calidus konnte ich nach 1 Stunde und 20 Minuten 30 Kilometer vor dem Ziel mit Borkum-Info Kontakt aufnehmen. Im Funk sagte man mir das ich ruhig kommen könnte, ich wäre die erste Flugbewegung heute. Man gab mir noch den Tipp möglichst tief die 11 Kilometer über das Wasser zu fliegen, damit ich einen ausreichenden Kontrastunterschied zwischen Wolken mit Nebel oben und der Nordsee unten war nehmen konnte. Gesagt, getan, ich war froh über meinen künstlichen Horizont an Bord und als ich die mir vorgegebene Landebahn 13 vor mir sah. Der Wind kam 45 Grad versetzt zur Bahn mit 10-12 Knoten, das würde dann nicht allzu schwer.
Green has attached the following images:
  • 1 Start in Goch.jpg
  • 2 Flug über den Wolken.jpg
  • 3 Es geht zügig voran.jpg
  • 4 Die Sicht wird schlechter.JPG
  • 5 Rehe auf dem Rollweg.JPG
  • 6 Landung auf Borkum.JPG
Garten- und Landschaftsbau Mähler www.traumgarten.nrw

Green

* Förderndes Mitglied *

Posts: 218

Thanks: 140

  • Send private message

2

Saturday, September 30th 2017, 7:09pm

Teil 2
Nach der Landung wurde ich noch vom Türmer darauf aufmerksam gemacht, dass ein paar Rehe auf dem Rollweg stehen würden.
Und in der Tat es waren 2 Stück aber sie rannten dann doch recht schnell weg. Die hatten wohl noch nie einen blauen Calidus gesehen. ;) Der Türmer begrüßte mich freundlich mit den Worten, „Moin, du traust dir aber was“. 8)
Ich bekam noch einen Stellplatz auf einer Wiese, verzurrte den Calidus und durfte mir nun noch aus dem Schuppen neben dem Flugplatz ein Fahrrad nehmen.

Die 4 Kilometer zum Zentrum gingen über einem wunderschönen Fahrradweg durch die Dünen von Borkum. Auch die Sonne lugte jetzt ein paar Mal durch die Wolkendecke durch. Welch ein Zufall, auf halben Weg zur Ortsmitte begegnete ich meinem Bekannten der auch mit dem Fahrrad unterwegs war. Wir fuhren noch ein paar Umwege entlang am Meer zu meinem gebuchten Hotel. Ich brachte meinen Rucksack auf das Zimmer des gebuchten Aparthotel Kachelot und eine Dusche einen Kaffee später ging es mit dem Fahrrad bei wesentlich mehr Sonne wieder zum Flugplatz, denn ich hatte meinem Bekannten einen Flug über die Nordseeinseln versprochen. Die Sonne war nun wesentlich stärker und wurde nur durch einen Dunst etwas getrübt. Wir überflogen Borkum, Juist und Norderney bis nach Baltrum ich rastete jeweils die passenden Frequenzen der Flugplätze, aber es war so gut wie nichts zu hören.
Dann ging es auf den gegenüberliegenden Inselseiten wieder auf Kurs Borkum, denn ich musste mit der Tankfüllung auch noch am nächsten Tag bis nach Leer-Papenburg kommen. Es war ein schöner Flug, knapp 1 Stunde lang.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit noch einer 15 Kilometer Fahrradtour über die schöne Insel Borkum, einem Traumhaften Sonnenuntergang am Strand und einem gemütlichen aber nicht ganz so leckeren Abendessen, bevor es für mich ins Bett ging.
Green has attached the following images:
  • 7 Borkum.JPG
  • 8 Rundflug über die Nordseeinseln.JPG
  • 9 Juist.JPG
  • 10 Norderney.JPG
  • 11 Fahrrad auf Borkum.jpg
  • 12 Sonnenuntergang Borkum.JPG
Garten- und Landschaftsbau Mähler www.traumgarten.nrw

Green

* Förderndes Mitglied *

Posts: 218

Thanks: 140

  • Send private message

3

Saturday, September 30th 2017, 7:11pm

Teil 3
Der nächste Morgen fing für mich recht früh an. Der Blick aus dem Fenster verschlug mir fast den Atem……… Nebel mit Sichtweiten von ca. 100 Meter. Ich schaute mir direkt den Gafor des heutigen Tages für meinen geplanten Rückflug am Nachmittag an. Hmmmmhhhh das klang nicht besonders gut aber vielleicht machbar. Auf jeden Fall viel schlechter als am Mittwoch gemeldet. Im Frühstückraum bei einem leckeren Frühstück durfte ich feststellen, dass ich den Altersschnitt wohl um viele Jahre nach unten korrigiere. Borkum ist wohl um diese Jahreszeit beine bevorzugter Urlaubsort für Senioren.
Es war 8:30 Uhr als ich mit dem Frühstück fertig war und meinem Zimmerschlüssel an der Rezeption abgegeben hatte. Mein Bekannter und ich hatten am Vortag ausgemacht uns um 11 Uhr an der Promenade zu treffen. Ich beschloss die verbleibende Zeit mit einem Spaziergang am Strand zu verbringen. Lt. meiner Sportuhr kamen knapp 12 Kilometer zusammen. Um 11 Uhr war ich wieder pünktlich zum Treffen zurück und wir gönnten uns einen Cappuccino. Ständige Blicke zum Himmel brachten keine Besserung, es war immer noch sehr nebelig und der Gafor meldete nun auch X-Ray. Allerdings sollte es ab 15:00 Uhr etwas aufklaren.
Nun kam der zweite Sparziergang von ca. 7 Kilometer am Strand dazu. Einfach herrlich die Insel. Anschließend fuhren wir mit dem Fahrrad begleitet von ein paar Regentropfen zum Flugplatz. Pünktlich um 15:00 Uhr wurde das Wetter besser und ich beschloss die Heimreise an zu treten.

Mit meinem Start war ich mal wieder die erste Flugbewegung des Tages. :huh: Die ersten 65 Kilometer bis nach Leer-Papenburg waren halbwegs fliegbar. Beim Tanken fing es dann an zu regnen und ich wartete vielleicht 45 Minuten bis der Regen aufhörte. Von hier aus waren es noch 210 Kilometer mit leichtem Gegenwind bis nach ELDG-Goch. Die geplante Route verlief diesmal bis auf 40 Kilometer durch Deutschland. Von Leer über Papenburg, Nordhorn, Enschede und Bocholt bis nach Goch.
Beim Start in Leer-Papenburg wurde ich schon wieder vor Rehen allerdings nun auf der Piste stehend gewarnt. :rolleyes: Also nun den den Boost des Rotax 914 aktivieren und ich kam gut 50-80 Meter vorher in die Luft und brauste über sie hinweg. Auf Höhe der Meyerwerft wurde das Wetter schlagartig schlechter. Ich musste auf 700 bis 800 ft. runter um genügend Bodensicht zu halten. Bei den vielen großen Windrädern ein mulmiges Gefühl. Als es dann noch anfing zu regnen, überlegte ich, ob es zurück nach Leer-Papenburg gehen sollte.
Ein kleiner winziger Lichtschimmer am Horizont ließ mich aber weiterfliegen und nach 10 Minuten wurden die Sichten etwas besser. Der Nebel lag stellenweise bis zu 300 ft. Höhe auf dem Boden und eine Wolkendecke fing bei 1500 bis 2000 ft. an. Dazwischen war eine an diesem Tage recht gute Sicht von 3-5 Kilometer, mit beindruckenden Nebel-Wolken-Sonnen-Windräder-Formationen. Bis ich daheim war, wurde der Calidus noch ein paar Mal kurz gewaschen. Nachdem ich den Rhein bei Emmerich überquert hatte wurden die Sichten für die letzten 20 Kilometer recht passabel. Nach 1 Stunde und 58 Minuten Flugzeit war ich nun auch wieder in Goch gelandet. Überaus zufrieden und sehr glücklich über die 2 schönen Tage und vielen Erlebnisse stieg aus dem Tragschrauber.
Das werde ich bei besserem Wetter jetzt wohl öfter machen.
Was haben wir doch ein Glück, dass wir so ein schönes Hobby ausüben dürfen. :thumbup:

Grüße Norbert
Green has attached the following images:
  • 13 Borkum im Dunst.JPG
  • 14 Borkum.JPG
  • 15 Leer-Papenburg.JPG
  • 16 Ems bei Papenburg.jpg
  • 17 Meyer Werft.jpg
  • 18 Wolken-Windräder-Sonne.JPG
Garten- und Landschaftsbau Mähler www.traumgarten.nrw

2 registered users thanked already.

Users who thanked for this post:

Skaer2 (30.09.2017), freak (03.10.2017)

Schlagschrauber

* Förderndes Mitglied *

Posts: 1,985

Thanks: 182

  • Send private message

4

Sunday, October 1st 2017, 12:25am

Liebe Grüße aus München und vielen Dank für den Bericht!

Das klingt ja wie ( Vichy + Ile d'Yeu )² !

Sorry, ein Insider-Vergleich: Vichy steht für Morgennebel und Ile d'Yeu für Sichtbehinderung im Anflug und niedere Hauptwolkenuntergrenze über dem Meer). Ein Loblied auf deine gute Flugvorbereitung, geplante Alternativen und GPS + Moving Map, denn mit "klassischem IFR Equipment" (abgesehen davon, das wir das ja höchst selten an Bord haben) wäre das im ein-Mann-Cockpit eine ziemliche Konzentrationsübung.

Auch ein Vorteil sind in diesem Fall die hohe Geschwindigkeitsbandbreite, die überdurchschnittliche Kurzlandefähigkeit und die guten Sichtverhältnisse in unseren Tragschraubern.

Ich freue mich immer wieder über deine Berichte und sollte mal eine Tour in Richtung Nooorden in Erwägung ziehen.

Servus, Holger


P.S.: Ich vermute, Temperatur und Taupunkt (oder die Ventilation/Heizung?) verhinderten bei deinem Calidus während dieses Flugs, dass dir die Haube innen beschlug. Aber wie gehst du mit dem Problem grundsätzlich um? Hast du da Erfahrungswerte? Wie gut heizt eigentlich dein Calidus? In dem einzigen, den ich bisher im Winter geflogen bin, bin ich fast erfroren; zumindest habe ich ihn heftig zitternd "Frigidus" getauft.

Da ich im DF-02 mit den Händen nicht den Bereich der Haube vor dem Cockpitpilz erreichen kann, erwäge ich, mir ein Schwämmchen auf dem Tankpeilstab, den ich im Cockpit mit mir führe, anzubringen. So sollte ich Kondensation dort, wo ich nicht hinlangen kann, wegwischen können. Oder ich führe ein Stück Schlauch mit, mit dem ich den Warmluftstrom aus dem Lüftungsauslass in der Kabine gezielt nach vorne lenken kann? Vermutlich hast du dieses Problem im Calidus gar nicht, weil deine Haube weniger weit nach vorne geht und du auch längere Arme und etwas mehr Bewegungsfreiheit hast als ich.
"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Green

* Förderndes Mitglied *

Posts: 218

Thanks: 140

  • Send private message

5

Sunday, October 1st 2017, 10:31am

Hallo Holger,

du hast wie immer den Nagel auf den Kopf getroffen, Vichy und die Ile d Ýeu passt gut,
zumindest für den der dabei war.
Wan immer du hier vorbeikommst ob nun in Richtung Norden oder auch Süden du bist immer herzlich eingeladen.
Ich denke Temperatur und Taupunkt haben das Beschlagen der Scheiben verhindert. Wenn es dann mal passieren sollte, hat der Calidus mit dem neuen Wärmetauscher und dem Gebläse eine ganz ordentliche Heizleistung. Die ersten Calidus waren da wohl nicht der Hit.

Und hier noch in gewohnter Weise das Passende Video zum Reisebericht. :thumbup:



Viel Spaß beim schauen.

Gruß Green-Blue
Garten- und Landschaftsbau Mähler www.traumgarten.nrw

1 registered user thanked already.

Users who thanked for this post:

freak (03.10.2017)

gyro_kai

Master

Posts: 659

Thanks: 55

  • Send private message

6

Sunday, October 1st 2017, 7:01pm

sehr schöner Bericht, danke.
Ich habe einen Heiden-Respekt vor Nebel und hätte diesen Flug wahrscheinlich nicht gemacht Aber das ist jeder anders.

Kai.

Posts: 1,351

Thanks: 325

  • Send private message

7

Monday, October 2nd 2017, 9:09am

Schöner Bericht und erlebnisreicher Flug. Danke für den mehrteiligen Post! Norddeutschland ist ein Gebiet, das bei mir noch zu den weißen Flecken auf meiner Fluglandkarte zählt...

-- Chris.

bushflyer

* Förderndes Mitglied *

Posts: 23

Thanks: 6

  • Send private message

8

Monday, October 2nd 2017, 11:39am

Hallo Green-Blue,
Lieber Norbert,

ein wirklich interessanter und ansprechender Flugbericht. Deine Freude am Fliegen ist deutlich wahrnehmbar. Dafür, danke.
Ich kann aber auch nicht umhin, an dieser Stelle, mahnend den Zeigefinger zu erheben. Du erinnerst dich, Temperatur und Spread dazu Luftfeuchtigkeit. Das kann böse enden.

Ich wünsche Dir weiterhin viele schöne Flüge mit many happy landings und uns alle schöne Reiseberichte. ( wenn die Sonne scheint sind die Videos noch schöner, ;-)

Jünter

P.s. Kontrollzone unterfliegen ?

Green

* Förderndes Mitglied *

Posts: 218

Thanks: 140

  • Send private message

9

Monday, October 2nd 2017, 4:54pm

Hallo,

jaaa ihr habt schon recht, mir ist sehr wohl die Physik bekannt und ich bin auch sicherlich nicht der Mensch der ein unnötiges Risiko eingeht. Vielleicht sieht es im Film auch dramatischer aus als es war. Jedenfalls war die wichtige Erdsicht bei diesem Flug gegeben.
Ich freue mich, dass euch der Reisebericht gefällt :blue: und sobald es wieder mit dem Tragschrauber auf Reisen geht, seid ihr vielleicht in Zukunft nicht nur virtuell dabei.

Mit der Kontrollzone ist eigentlich eine Low-Flying-Area mit der TMZ Eelde gemeint die laut Dutch-Mill trotz der nicht so guten Sichtverhältnisse aktiv sein sollte. Da ich ADS-B an Bord habe, sollte ein Durchflug lt. Dutch-Mill nicht gefährlich sein.

Grüße Norbert
Garten- und Landschaftsbau Mähler www.traumgarten.nrw

Social bookmarks



http://www.flugwelt.eu/

Advertisement © CodeDev