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Thursday, March 31st 2016, 1:46pm

Flug nach Excalibur City

Ostersonntag war so schön und warm, dass ein Flug einfach sein musste. Wohin? Nun, meine Frau Katharina und ich wollten wieder einmal gemeinsam fliegen und da fiel mir ein Vorschlag ein, den ein Freund einmal erwähnt hatte: Excalibur City. Das ist eine große Einkaufs-, Casino- und Vergnügungsanlage in Tschechien, gerade einmal knapp 200 m hinter der österreichischen Grenze. Fliegerisch wollte ich noch eine kleine Herausforderung draufsetzen und durch die CTR Wien und das Flugbeschränkungsgebiet über der Stadt Wien fliegen. Früher gab es nämlich eine Sichtflugstrecke, die entlang der Donau durch Wien geführt hat. Auf den Karten ist sie mittlerweile verschwunden, aber man um Freigabe bitten und dabei die Daumen gedrück halten. Wenn operaiv nichts dagegen spricht, hat man gute Chancen, die Freigabe auch zu bekommen. Natürlich hatte ich neben der Wunschroute auch noch einen Plan B mit Routenführung nördlich an Wien vorbei griffbereit in der Tasche.

Hier ist die Route im Überblich, wie sie sich in Skydemon darstellt. Insgesamt 170 km von Fertöszentmiklós (LHFM) aus Richtung NNW.



Als Flugzeit war eine Stunde geplant. Da unser Tag an einem Feiertag nicht allzu früh und auch nicht allzu hektisch beginnt, konnten wir erst um ca 12:00 Uhr starten und wendeten uns in Richtung Norden. Im Flugplan hatte ich ABETI als Grenzübertrittspunkt Ungarn/Österreich angegeben, allerdings liegt ABETI etwas abseits unserer Flugroute, weshalb ich gleich nach dem Erstkontakt mit Budapest Info um eine direkte Route bat -- und auch erhielt. Fünf Minuten später wurden wir an Wien Info weitergereicht.

In meinem Flugplan hatte ich natürlich die Wunschroute entlang der Donau durch Wien angegeben. Allerdings ist das bei einem VFR-Flugplan keine Garantie, dass man die geplante Route auch tatsächlich erhält. Deshalb meldete ich mich bei der netten Dame von Wien Info und bat um Verifikation der geplanten Route durch die CTR Wien. "OEXKM, please stand by for coordination", war die Antwort. Es hieß also warten. Ein paar Minuten später erhielt ich die Antwort, dass ein Durchflug derzeit leider nicht möglich sei. Na gut, dann fliegen wir eben um Wien herum. Vielleicht haben wir beim Rückflug mehr Glück. Kaum hatte ich die Alternativroute geladen und mich darauf eingestellt, meldete sich Wien Info nochmal bei mir: "OEXKM, your request is granted. Contact Wien Tower on 119.4." Klasse, klappt also doch! Ich meldete mich bei Wien Tower und erhielt als Antwort: "OEXKM is cleared to enter the Control Zone via Sector Echo, VFR along river Danube, 1500 ft or below, report Petronell."

Hier ein Bild nahe dem Meldepunkt Petronell. Die Donau ist ebenfalls sichtbar. Leider waren die Baterien meiner Kamera leer, weshalb die Bilder mit dem iPad geschossen sind. Das geht natürlich auf Kosten der Qualität, die ich, so gut wie möglich, ausgebessert habe. Der Vorteil ist allerdings, dass jedes Bild mitsamt genauer Position gespeichert ist. Deswegen habe ich mir den Spaß gemacht und jedes Foto in Google Earth genau so eingepasst, wie es tatsächlich aufgenommen wurde. Wenn man auf diesen Link klickt, kann man sich die Google Earth Datei "Excalibur Trip.kmz" herunterladen. Danach einfach darauf doppelklicken und man kann sich alles in 3D anschauen, vorausgesetzt man hat Google Earth installiert (das ist aber ein kostenfreies Programm, einfach mal googlen).



Als wir unseren Flug stromaufwärts entlang der Donau fortsetzten (nachdem wir zuvor auf 1500 MSL gesunken waren), bekamen wir schöne Blicke auf Wien und Umgebung. Leider sind viele der Fotos nichts geworden, weil einerseits die Bildqualiät des iPads und andererseits die Reflektionen an der Kabinenhaube sehr störend waren. Die Frequenz war ziemlich frequentiert, und es wurden auch gleichzeitige Starts und Landungen auf beiden Pisten durchgeführ. Unter diesen Umständen konnte ich wohl verstehen, dass der verantwortliche Controller zunächst Bedenken gehabt hatte, ein "UFO" in seinen wohlgeordneten Luftraum zu lassen.

Nach ein paar Minuten hörte ich: "OEXKM, hold over Schönau due to traffic." Das erinnerte mich an meine Zeit im IFR Training, wo Haltekuurven immer eine besondere Herausforderung darstellen (Einflug, Timing, Identifikation des Haltepunktes, etc.). Mit Skydemon und dem iPad war's eine wahre Freude, in der Luft zu warten. Kaum hatte ich eine halbe Schleife absolviert, meldete sich der Controller wieder: "OEXKM expect further clearance in 2 minutes." Und wirklich, eine zweite Schleife war gar nicht mehr notwendig und ich konnte weiter fliegen. Die Warteschleife sieht man übrigens auch auf der Routendarstellung im ersten Bild ganz gut.

Der Flughafen Wien war in ungefähr 5 km Entfernung vor mir, als sich der Turm wieder meldete: "OEXKM, turn left and overfly threshold runway 16." Hmmmm.... dachte ich mir, was soll das denn? Aber klar: Sie wünschen, wir fliegen. In etwas 500-700 Fuß Höhe über dem Flughafen Wien bei geschäftigem Betrieb gibt das schon ein ganz imposantes Bild. Und dann wurde mir auch klar, warum wir über den kleinen Umweg über die Schwelle von 16 fliegen sollten. Denn unser Flugweg führte in unmittelbarer Nähe des Kontrollturmes, fast auf Augenhöhe, an den Fluglotsen vorbei. Die wollten einfach einen guten Blick auf unseren Gyro erheischen! Nichts lieber als das. Leider sind auch diese Fotos nichts geworden. Das nächste akzeptable ist unten zu sehen: hier sind wir bereits wieder auf Kurs entlang der Donau und blicken nach Süden auf die Piste 11/29.



Ein Stück weiter ein Blick auf das Ernst Happel Stadion, das zumindest lokalen Fußballfans etwas sagen wird.



Danach führte unser Weg an der alten Donau -- ein beliebtes Freizeit- und Erholungsgebiet -- vorbei. Links ist die UNO City zu sehen und ein Teil von Kaiermühlen (das sagt nur jemandem etwas, der die TV Serie "Der Kaisermühlen Blues" kennt).



Noch vor Klosterneuburg wurden wir "entlassen" und begaben uns wieder auf die Frequenz von Wien Info. Hier abschließend noch ein Blick auf Nussdorf und das hügelige Hinterland von Wien, in dem es gemütliche "Heurige" (=saisonale Weinlokale mit urigem Charakter) gibt.



Der weitere Flug, am Militärflugplatz Tulln (LOXT) und Flugplatz Stockerau (LOAU) vorbei nach Norden, war relativ unspektakulär. Unser Reiseziel, Excalibur City, war schon aus einiger Entfernung gut erkennbar und verfügt über eine großzügig dimensionierte, gut gekennzeichnete, wenn auch etwas rumpelige, Graspiste. Das Photo unten ist vom linken Queranflug aus geschossen und zeigt die Piste leider nicht. In Google Earth ist sie allerdings sehr gut erkennbar.



Nach der Landung rollten wir auf den vordersten der beiden Hangars zu und wurden schon von weitem von einem befreundeten Fliegerkollegen, Franz, begrüßt, der sich sehr oft hier aufhält und seinen Gyro auch hier untergestellt hat. Als "Betriebsleiter" chauffierte er uns sogar mit seinem Auto zu einem seiner bevorzugten Plätze und bot uns an, uns wieder abzuholen. Das war nicht notwendig, da der Fußweg selbst in weniger als 10 Minuten zurückzulegen ist. Der Aufenhalt in Excalibur City ist hier nicht weiter berichtenswert. Es gibt viel und Billiges zu kaufen und das Angebot reicht von Ramsch bis zur Markenware. Drei Casinos (haben wir nicht frequentiert), ein Hotel mit Wellness und ein großer Themenpark für Kinder. Wieder am Hangar angekommen, hatte Franz bereits einen Kanister Benzin besorgt, der genau ausreichte, um das beim Herflug Verbrauchte wieder zu ersetzen. Landegebühren gibt es keine und das Handling ist nur mit äußerst privat zu beschreiben. Denn man kommt einfach, parkt, geht einkaufen und fliegt wieder ab. Kein Funk, keine Gebühren, kein Problem.

Für den Rückweg wählte ich die Route nördlich um Wien herum. Hier noch ein paar Eindrücke vom "Seewinkel", dem Naturschutzgebiet um den Neusiedler See mit seinen einzigartigen Salzlacken (ca. 50 cm tiefe, große Salzwasserteiche, die immer wieder einmal austrocknen können) und der damit verbundenen beonderen Flora und Fauna.



Und noch ein zweiter Blick mit Neusiedler See im Hintergrund:



Der Rückflug war um ca. 10 Minuten länger, weil wir kräftigen Gegenwind hatten. Ansonsten kletterten wir mit einem breiten Grinsen aus dem Gyro und freuten uns über einen wunderschönen Ostersonntag.

LG, -- Chris.

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Friday, April 1st 2016, 6:50am

Hi Chris,
vielen Dank! Deine Berichte sind für mich immer ein Highlight dieses Forums.
Das Controller trotz der zusätzlichen Belastung solche Genehmigungen erteilen, ist höchst lobenswert und verrät vielleicht auch das verbliebene fliegerische Interesse.
So ein Request Kommt ja auch selten vor. Die meisten hier scheuen ja Kontrollzonen wie der Teufel das Weihwasser.
Stefan

Man kann die Natur nur dadurch beherrschen, indem man sich ihren Gesetzen unterwirft.
Francis Bacon


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