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Schlagschrauber

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Sunday, March 3rd 2013, 11:11am

Plan "B"

Hi!

Eigentlich hätte ich heute viel Wichtigeres zu erledigen, aber irgendwie geriet ich vom Lesen der Nachrichten im Internet über Links zu einigen recht netten Videos zum Thema "Fliegen" schließlich auch zu diesem, das mir sehr lehrreich erscheint:


www.youtube.com/watch?v=yDu0jYiz-v8

In den YouTube-Kommentaren spekulieren mehrere Un- und auch Halbwissende mit Leuten, die die technisch/physikalische Unfallursache korrekt beschreiben. Aber der wesentlichste Aspekt (in meinen Augen die eigentliche Unfallursache) fehlt mir:

Der Pilot ist so fixiert auf das eigentliche Ziel des Fluges, dass er unbeirrt und wie in Trance auf das unvermeidbare Ende des Fluges hinsteuert! Dabei gibt es Zeichen genug:
Startleistung bei 0:23, bei 0:50 hebt er kurz ab, krebst im Bodeneffekt herum, setzt bei 1:03 nochmals auf, hebt wieder ab (1:14) und vergibt jede weitere Chance, den Start wegen unzureichender Motorleistung (Dichtehöhe!) abzubrechen. Die (Rumpel-) Piste wäre lang genug gewesen (Bahnende bei erst 1:30)!

Dann fliegt er über notlande-geeignete Wiesen in kontinuierlich steigendes Gelände und schließlich über Wald. Dort kracht's! Drei Passagiere filmen das Debakel, später selbst sich selbst und ihre bescheidene Erste-Hilfe-Aktion. Motto: "Was für ein Abenteuer!"

Wer nicht Fläche fliegt kann sich eventuell nicht vorstellen, dass man in einer solchen Situation - überladen, geringe Geschwindigkeit (defekte Überziehwarnung?), butterweiche Ruder - lieber keine Umkehrkurve macht! Ich wäre vor dem Wald geradeaus und kontrolliert gelandet (wenn ich den Start nicht sowieso abgebrochen hätte).

Für mich ist es der größte Fehler des Piloten, nicht auch die vorhersehbaren Alternativ- und Notfallszenarien bei der Flugvorbereitung geplant und somit abrufbereit im Kopf gehabt zu haben und dadurch wie das sprichwörtliche "Kaninchen vor der Schlange" fatalistisch auf das Unvermeidbare zugesteuert zu haben.

Ich denke, dieses insbesondere für den Piloten sehr schmerzhafte Ereignis (Gott sei Dank keine bleibenden Schäden!) sollte uns lehren, NIE alles auf eine Karte zu setzen und das "Augen zu und durch!" bzw. "Hat schon x-mal geklappt, wird heute schon nicht schiefgehen!"-Denken abzustellen.

Servus, Holger
"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben."

Douglas Adams, aus: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Ile-d-yeu

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2

Sunday, March 3rd 2013, 2:04pm

Re: Plan "B"

Quoted from ""Schlagschrauber""

Hi!

Der Pilot ist so fixiert auf das eigentliche Ziel des Fluges, dass er unbeirrt und wie in Trance auf das unvermeidbare Ende des Fluges hinsteuert! Dabei gibt es Zeichen genug:
Startleistung bei 0:23, bei 0:50 hebt er kurz ab, krebst im Bodeneffekt herum, setzt bei 1:03 nochmals auf, hebt wieder ab (1:14) und vergibt jede weitere Chance, den Start wegen unzureichender Motorleistung (Dichtehöhe!) abzubrechen. Die (Rumpel-) Piste wäre lang genug gewesen (Bahnende bei erst 1:30)!

Servus, Holger

Holger, hier kann man Lehrbuchreif zusehen, wie man es nicht machen sollte.

So etwas dämliches habe ich selten zuvor gesehen. Ich hätte genau wie du also auch den Start unmittelbar abgebrochen oder zumindestens hätte ich über freiem Gelände großflächig zurück gekurvt um anschließend sofort wieder zu landen.
Das man überhaupt hier noch auf die Idee kommt über Wald zu fliegen, verschlägt mir die Sprache.

:thumbdown:
Liebe Grüße
Ralf ( Zur Zeit ohne eigenen Gyro)

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3

Sunday, March 3rd 2013, 10:16pm

Re: Plan "B"

Ja, da ist man wirklich bass erstaunt, wie dämlich der Pilot ist. So etwas würde MIR nie passieren.

Und mit dieser Äußerung begeht man selbst gleich den nächsten Fehler. Man sollte davon ausgehen, dass der Pilot auch nicht dümmer war als man selbst. Die Gefahr, die Situation falsch einzuschätzen ist immer groß und niemand ist davor gefeit!

Ich kann mir vorstellen, wie der Pilot jederzeit zu spüren glaubt, dass die Kiste jetzt endlich zu steigen beginnt. Der psychologische Druck ist groß, den Start fortzusetzen. Wie käme denn das rüber, wenn man zugeben müsste, dass die Kiste zu schwer ist. Das gibt nix als Ärger! Und warten bis es kühler ist geht auch nicht, denn da will man ja bereits zu Hause sein. Außerdem hat's eh noch jedesmal geklappt. Und über dem Walt ist immer kühlere Luft, da steigt die Kiste ohnehin besser. Hat noch jedesmal geklappt....

So oder ähnlich kann man sich in echte Probleme hineinreden, bis es zu spät ist. Wir tun es alle.

-- Chris.

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